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«Das Amt hat mich immer gereizt»

Stefan Müller, CVP, tritt am 27. September als einziger Kandidierender zur Wahl ums Herbetswiler Gemeindepräsidium an. Der Politiker spricht über seine Ziele und einen möglichen Vorteil, den er als Zugezogener hat.

Herr Müller, bei der Wahl am 27. September sind sie der einzige Kandidierende, ihre Wahl gilt als sicher. Zittern Sie nur noch, wie hoch die Zustimmung ausfällt? Stefan Müller: Es ist schwierig zu sagen, wie man abschneiden wird. Ich zittere nicht, aber ich bin gespannt. Als Sie im vergangenen Herbst für die Kandidatur zum Gemeindepräsidum angefragt wurden, sagten sie wegen dem Zeitaufwand zunächst ab. Jetzt kandidieren sie doch. Warum wollen Sie Gemeindepräsident werden? Das Amt und die Arbeit für die Gemeinde haben mich immer gereizt. Im Herbst wussten wir noch nicht, wie genau es mit dem Naturpark Thal weitergeht und es sah so aus, als ob meine Arbeit beim Verein Region Thal und das Amt zusammen eine zu grosse zeitliche Belastung würden. Per 1. Oktober reduziere ich aber mein Pensum von 80 auf 60 Prozent, wodurch ich das Amt übernehmen kann. Was ist das wichtigste Projekt, das Sie als Gemeindepräsident anpacken würden? Ich will mich nicht auf ein Projekt versteifen. Aber das wichtigste Ziel für die Gemeinde ist, die Lebensqualität hoch zu halten. Das heisst vor allem für gute Bildung, vorhandene Dienstleistungen, erträgliche Steuerbelastung und wohnlichen Siedlungsraum zu sorgen. Welche konkreten Massnahmen schweben Ihnen vor? Ich möchte der Legislaturplanung im Gemeinderat nicht vorgreifen, in der wir Prioritäten und Massnahmen festlegen. Persönlich hat man aber natürlich schon Ideen, Wünsche oder sogar Träume. Bei mir gehören dazu zum Beispiel eine Tempo 30-Zone im Dorf, welche die Lebensqualität sicher ebenso erhöhen würde, wie die Versetzung der Hochspannnungsleitung, die durch den Ort verläuft. Ob solche Ideen und Visionen aber politisch und finanziell machbar sind, ist eine andere Frage. Das Thal als Wirtschaftsstandort ist gebeutelt von Firmenschliessungen und dem Wegfall von Arbeitsplätzen. Welche Perspektive sehen sie für Herbetswil: Schlafgemeinde oder Dorf mit Gewerbe und Handwerk? Wir haben definitiv mehr Potenzial als Wohnstandort, aber wir müssen zusehen, dass Herbetswil eben nicht zur Schlafgemeinde wird. Die dörfliche Qualität zu erhalten ist ein wichtiges Anliegen. Was heisst das konkret? Das Leben im Dorf hängt am sozialen Gefüge und an den Vereinen. Die Gemeinde kann bei der Stärkung des sozialen Gefüges helfen und die Vereine unterstützen, in dem sie die Aktivitäten der Gemeinde und jene der Vereine kommuniziert. Da haben wir in Herbetswil mitunter ein Manko, es gibt im Gemeinderat beispielsweise kein Ressort Kommunikation. Zudem müssen Gemeinderat, -präsident und Verwaltung in Dialog mit der Bevölkerung treten. Ich denke, erst so entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Die Bevölkerung soll nicht das Gefühl haben, einfach verwaltet zu werden. Der Steuerfuss ist in Herbetswil höher als in den allermeisten Gemeinden im Kanton. Sind Steuererleichterungen möglich? In der anstehenden Budgetrunde sehe ich das kaum, aber der Gemeinderat muss darüber befinden. Die Gemeinde hat immer noch relativ hohe Schulden und ist vom Finanzausgleich abhängig, dessen Entwicklung momentan sehr unsicher ist. Und zur fiskalischen Attraktivität: Würde man eine «Vollkostenrechnung» aufmachen und etwa unsere günstigen Bodenpreise berücksichtigen, stünden wir besser da. Sie sind Mitglied im Kantonsrat und arbeiten bei der Regionalplanungsgruppe. Kann ein Gemeindepräsident Müller für Herbetswil ein grösseres politisches Gewicht in die Waagschale werfen als der Bisherige Hans Fluri, zum Beispiel in der Gemeindepräsidentenkonferenz Thal (GPK)? In der GPK nicht, denn dort sind alle Gemeindepräsidenten gleichberechtigt. Aber gegenüber dem Kanton ist es sicher ein Vorteil, wenn man auch Kantonsrat ist und nicht «nur» einer von vielen Gemeindepräsidenten. Das kann sich von Fall zu Fall schon positiv auswirken. Ein Dauerthema ist die regionale Zusammenarbeit im Thal. Wie positionieren Sie sich dazu? Einerseits befürworte ich gute, kostengünstige Dienstleistungen, andererseits möchte ich der Gemeinde Mitspracherechte bewahren. In den meisten Bereichen, in denen eine Regionalisierung möglich ist, ist diese realisiert. Ich könnte mir eine regionale Baubehörde vorstellen, wenn der Bedarf besteht. Wenn man aber bei uns und in den anderen Dörfern sieht, dass die Baukommissionen ihre Aufgaben gut lösen, ist so etwas aber nicht nötig. Werden Sie das Thema Regionalisierung in der GPK puschen? Die GPK hat letzte Woche beschlossen, eine Übersicht zu erstellen, in welchen Bereichen, in welchen Perimetern und in welcher Form bereits eine regionale Zusammenarbeit besteht. Zudem soll analysiert werden, welche Vor- und Nachteile die Gemeindeautonomie in verschiedenen Bereichen hat. Über die Konsequenzen werden danach die GPK und die Gemeinderäte diskutieren. Der Prozess ist also im Gang, ohne dass jemand puscht. Anders als Amtsinhaber Hans Fluri sind Sie nicht in Herbetswil aufgewachsen, sondern ein Zugezogener. Ein Nachteil? Nein. Ich habe ein gutes Netzwerk und meine Frau ist von hier. Vielleicht ist man in manchen Punkten neutraler, wenn man von aussen kommt. Ich denke, es ist für mich eine ideale Situation.Interview:Helge Landberg>

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