Zum Hauptinhalt springen

«Annemarie Schwarzenbach fasziniert mich»

Ruth Perschak hat am Samstag im Rahmen von «Seerose statt Sansibar» über berühmte Horgner Frauen referiert.

Mit Ruth Perschak* sprachAndreas Jäggi Wieso wurden Sie zur Expertin für berühmte Horgner Frauen? Ich ging auf den Verkehrsverein zu, weil Frauen erst ab dem 19. Jahrhundert in Geschichtsbüchern auftauchen. Recherchiert habe ich in einem Horgner Jahrbuch und mit den Dorfhistorikern Paul Bächtiger und Albert Caflisch. Welche Horgner Frau fasziniert Sie besonders? Die Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach. Als lesbische Frau hatte sie es Anfang des 20. Jahrhunderts schwer. Sie war wohl nicht offen lesbisch? Das war natürlich nicht möglich. Sie hat aus gesellschaftlichen Gründen geheiratet. Aber sie war eine starke Frau. Und sie war trotz allem erfolgreich. Haben Sie ihre Bücher gelesen? Alle. Auch wenn ihre ellenlangen Sätze mit der Zeit etwas ermüdend wirken. Wie übertragen Sie Ihre Begeisterung auf die Besucher? Die Führung findet in einem humoristischen Rahmen statt: Ich trete als Pöstlerin auf, die über alle Einwohner des Dorfes Bescheid weiss, weil sie ab und zu Briefe öffnet. Zu Beginn der Führung drängle ich durch die Wartenden, schimpfe und sage ihnen, dass sie einst hätten als Hexen gelten können, wenn sie so zusammengestanden wären. Wieso? Die Hexenverbrennungen hatten ihren Ursprung in einer Mobbing-Kultur. Wenn einem ein Teller zersprang, dann war schnell der Vorwurf zur Hand: Diese Hexen, die dort miteinander tuscheln, haben mich verwünscht. Sie haben selbst miterlebt, wie sich die Dinge mit der Emanzipation der Frau geändert haben. Ich bin emanzipiert, aber keine Feministin. Man sollte die Leute immer in dem Kontext beurteilen, in dem sie aufgewachsen sind. Haben Sie ein weibliches Vorbild? Meine Mutter. Sie hatte die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die man nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die man ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. * Ruth Perschak ist Vizepräsidentin des Verkehrsvereins Horgen und gedanklich schon bei der Führung vom nächsten Sommer: «Badegewohnheiten in Horgen».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch