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Als das Kantonalturnfest noch die Wehrbereitschaft stärkte

Wädenswil wird wieder zum Mekka der Turner. Das war Ende der 1930er-Jahre auch so. Für die Sportler war das Fest eine Gelegenheit, sich auf den Krieg vorzubereiten.

Von Ueli Zoss Wädenswil – Ein Überbleibsel des Zürcher Kantonalturnfestes von 1938 in Wädenswil hat im Haus von Peter Ziegler einen Ehrenplatz. Es ist das Grammofon, das im Festzelt zwischen den Auftritten des Handharmonikaklubs, der Knabenmusik und der Kapelle Harmonie ebenfalls zur musikalischen Unterhaltung diente. Auf dem Tisch liegt der gedruckte Festführer von damals, 38 Seiten dick mit einer Handvoll Inseraten. Ganzseitig warb Villiger für seine Raucherwaren, das regionale Gewerbe machte auf sich aufmerksam, Sparkassen und Versicherungen gab es schon damals, und die Firma Felbers bot spezielle Turnermützen feil. Noch keine Frauen Das sportliche Programm verteilte sich auf mehrere Seiten, es umfasste weniger Disziplinen als das Ereignis, das in wenigen Wochen auf Wädenswil und die Umgebung zukommt: das 45. Zürcher Kantonalturnfest vom 24. Juni bis 3. Juli. Steinstossen, Sektionsturnen, Nationalturnen und freie Vorführungen in der Leichtathletik waren die Schwerpunkte. Die Athleten hatten im weissen Turnkleid mit Brustband ohne Kittel und Hut anzutreten. Frauen waren 1938 noch nicht zugelassen. Ziegler zeigt aber Fotos, auf denen eine Damenriege des Grütli-Turnvereins, des späteren Satus-Turnvereins, an der grossen Zürichsee-Ausstellung 1930 in Aktion zu sehen ist. Auch die Frauen trugen Einheitslook mit Bubikopf und Röckchen wie im Ballett.Peter Ziegler hat auch Zeitungsausschnitte archiviert. Der «Allgemeine Anzeiger vom Zürichsee» lieferte eine kurze Vorschau zum Fest und berichtete ausführlich vom eigentlichen Festtag, dem 17. Juli 1938. Das Blatt schilderte chronologisch den Ablauf des Tages, der mit einem Frühstück in der Festhütte begann. Danach stellten sich die Turner des Gastgebers TV Wädenswil mit Fahnen und Füllhornträgern an der Seestrasse zum Spalier auf. Nach dem Empfang der Kantonalturnfahne bewegte sich der Festzug in Richtung Festplatz Oedischwänd. Dort fand die Landsgemeinde der Turnveteranen statt und anschliessend das Mittagessen mit den Vertretern der kantonalen Behörden. Am Nachmittag folgten die allgemeinen Übungen, die Begrüssung der Turner durch den Gemeindepräsidenten, Ansprachen des Vertreters der Regierung.An allen drei Abenden gelangte in der Festhütte das Festspiel «Bi öis am See» zur Aufführung. Rund 500 Personen aus der Dorfbevölkerung und ihrer Vereine zeigten Bilder aus dem Volksleben, heitere Szenen mit Gesang und Tanz. «Es waren die Anfänge des 1945 gegründeten Vereins Freunde des Volkstheaters Wädenswil», sagt Ziegler. Man rückte zusammen Dazwischen lag der Zweite Weltkrieg. «1935 hatte die Nationale Front Einzug ins Zürcher Kantonsparlament genommen, aber diese Leute hatten mit dem Kantonalturnfest nichts zu tun», sagt Ziegler. «Was in Nazi-Deutschland geschah, beschäftigte die Leute sehr. Das Turnfest in Wädenswil bot damals für die Bevölkerung die Möglichkeit, noch näher zusammenzurücken. Das Turnen war Mittel zum Zweck, um ‹mit einem gesunden Geist in einem gesunden Körper› die Wehrbereitschaft zu stärken.» Der TV Wädenswil stand im Jahr 1938 zum Kantonalturnfest Spalier. Foto: Archiv Peter Ziegler Peter Ziegler Der Historiker hat die Geschichte des Kantonalturnfestes zusammengetragen.

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