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160 Wohnungen waren in 18 Monaten fertig

Mit 1850 Einwohnern aus 50 Nationen, Post und Läden ist der Horgner Chalchofen ein Dorf im Dorf. Packend schildert das Jahrheft 2009, wie das Blockquartier aus dem Boden gestampft wurde.

Horgen. - Noch geht die Überbauung ehemaliger Industrieareale mit Luxuswohnungen im Bezirkshauptort ungebremst weiter. Erschwingliche Mietwohnungen für Familien mit bescheidenem Budget aber werden zusehends knapp. Vor diesem wenig verheissungsvollen gesellschaftspolitischen Hintergrund erscheint heute der einstmalige Bau von Hunderten verhältnismässig günstiger Mietwohnungen durch Horgner Industriebetriebe und andere ortsansässige Unternehmungen im Chalchofenquartier, aber auch in der benach]barten Allmend geradezu als imposanter Kraftakt.

Im neuen Jahrheft von Gemeinde und Pro Horgen wird jetzt der gewaltige Wandel des einstmals land- und forstwirtschaftlich genutzten Chalchofens im letzten halben Jahrhundert nachgezeichnet und mit Fotos aus der Bauphase und Gegenwart anschaulich illustriert. Und zwar von einem profunden Kenner der Materie: vom ehemaligen Gemeindeingenieur (1976 bis 1997) Peter Haas, der die Veränderung miterlebt und teilweise auch mitgestaltet hat und der seit 1977 im Chalchofen wohnt.

Im Schnellverfahren hochgezogen

Die ersten neun Wohnbauten mit total 160 Wohnungen wurden im Chalchofen in Rekordzeit zwischen März 1964 und September 1965 von der Firma Hegetschweiler aus dem Boden gestampft. Und zwar im Auftrag der Horgner Arbeitgeber-Vereinigung (Arve), eines Zusammenschlusses von Industriebetrieben, die damals aufblühten und dringend günstigen Wohnraum für ihre rasant wachsende Zahl von Gastarbeitern brauchten. Um Kosten zu sparen und die Bauzeit zu verkürzen, wurde die Siedlung mit industriell vorfabrizierten, armierten Betonelementen gebaut. Das von der Firma Hegetschweiler entwickelte Schnellverfahren galt damals als zukunftsweisend, machte aber später mancherorts umfangreiche thermische Sanierungen notwendig. Ebenfalls mehrheitlich mit vorfabrizierten Bauelementen wurden zwischen 1970 und 1973 weitere 17 Wohnhäuser mit zusammen 500 Wohnungen durch die Firmen Mobag, Hegetschweiler und Horbag erstellt, und an der Bachtelstrasse entstand eine Terrassensiedlung. Als Zeugen des damaligen Baubooms überragen drei neungeschossige Wohntürme mit je 36 Wohnungen das Quartier. Hinzu kam bis ins Jahr 2000 eine ganze Reihe kleinerer Überbauungen.

Langes Warten auf Läden und Schule

Hochgezogen wurde so innert vier Jahrzehnten ein völlig neues Wohnquartier mit rund 750 Wohnungen für heute 1850 Einwohner. Das sind mehr als doppelt so viele, wie etwa in Hütten leben, der kleinsten Bezirksgemeinde. Der hastigen Wohnbautätigkeit hinkte der infrastrukturelle Ausbau indes bedenklich hinterher. Erst 1981 kam das expandierende Grossquartier in der benachbarten Waldegg zu einer Schulanlage und 1984 dann auch zu einem eigenen Ladenzentrum mit Post, Apotheke und Restaurant. Die ehemaligen Arve-Häuser sind seit 2003 im Besitz der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich. Die übrigen Wohnungen gehören grösstenteils Pensionskassen, einige auch Stockwerkeigentümern.

Die Mietzinse sind noch günstig

Das etwas nüchtern wirkende Chalchofenquartier mit hohem Ausländeranteil an der Peripherie der Gemeinde mag zwar nicht gerade als Nobeladresse gelten. Dafür aber lässt es sich dort noch relativ günstig und im Übrigen auch ganz gut wohnen und leben. Davon zeugen auch Schilderungen von «Chalchhöflern» im Jahrheft.

Ausführlich wird in der Ausgabe 2009 auch dargelegt, warum Horgen ohne die an den Chalchofen angrenzenden Gebiete Waldegg und Kniebreche «nicht funktionieren» könnte: weil dort so wichtige Einrichtungen wie die Stützpunktfeuerwehr, der Strassenwerkhof, eine grosse Schul- und Sportanlage, die Busgarage sowie die regionale Kehrichtverbrennung mit Fernwärmeanlage angesiedelt sind. Das neue Jahrheft wird in den nächsten Tagen gratis in alle Horgner Haushaltungen verteilt.

Die ersten Häuser im Chalchofen stehen, weitere werden gebaut.

Deutlich zu erkennen: Vorgefertigte Betonelemente werden montiert.

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