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Wut über die Profiteure der Krise

US-Präsident Obama ist

Mike und Chris haben ihre Schlafsäcke auf den Boden gelegt, ein Zelt wie die anderen haben sie nicht mitgebracht. Der Abend ist schwül, es geht auch so. Mike Maher, der Kunststudent mit dem Lockenkopf, ist aus Baltimore nach Pittsburgh gekommen. Chris Hicks, der kräftige Gärtner, kam aus Hartford im Neuengland-Staat Connecticut. «Ich glaube nicht, dass 20 Leute für sechs Milliarden sprechen sollten», sagt Hicks, «sie entscheiden das Schicksal der Welt, und es geht wieder nur um die Banken.» Mike nickt: «Wenn es je eine Zeit gab, die Menschen zu mobilisieren, ist es jetzt. Das System ist kaputt, Millionen haben keinen Job, aber die Profite sprudeln wieder.» «Gewidmet den Armen» So denken hier viele in der kleinen «Tent City», der Zeltstadt im Hill Distrikt, einem der ärmeren Viertel von Pittsburgh, wo man zwischen tristen Häuserzeilen die gleissenden Türme der Downtown nur aus der Ferne sieht. Dort unten im angeblich umweltfreundlichsten Kongresszentrum der Welt ist Barack Obama zwei Tage lang Gastgeber des Weltfinanzgipfels. Hier oben haben Menschen aus dem ganzen Land ein Camp aufgeschlagen, weil sie auch dem Hoffnungsträger Obama keinen Weg aus der Krise mehr zutrauen, bei dem es für die einfachen Leute wieder bergauf geht. «Gewidmet den Arbeitslosen, den Obdachlosen, den Hungrigen und den Armen in der Welt», mahnt das Plakat. Organisiert hat das kleine Protestcamp die «Bail out the People»-Bewegung, ein Zusammenschluss sozial engagierter Gruppen in den USA. In Pittsburgh ist sie Teil der bunten Proteste, die den G-20-Gipfel begleiten. US-Gewerkschaften fordern grüne Jobs, Dritte-Welt-Gruppen Hilfen für den Süden. In den USA macht sich auch Ärger über neue Profite der Verursacher der Krise Luft, während die Rezession weiter Arbeitsplätze frisst. «Wir wollen jetzt Programme für die Menschen, nicht die Banken», sagt John Parker, der aus Los Angeles drei Tage im Bus nach Pittsburgh fuhr. Toni Arenstein, die Krankenschwester aus New York, kam mit ihrem alten Honda, weil sie in ihrer Klinik in Manhattan jeden Tag die Folgen der Krise spürt. Arenstein berät Diabetiker: «Aber was nützt das, wenn die sich selbst das Insulin nicht leisten können?» Sie sagt: «Wir greifen nicht Obama an, aber schauen sie sich um: Der Präsident redet vom schönen neuen, ach so grünen Pittsburgh und dass es jetzt wieder aufwärts geht. Aber dieses Viertel hier hat die letzte Rezession vor 20 Jahren nie verwunden.» Der Gastgeber des G-20-Treffens ist für die Menschen in «Tent City» ein schwieriges Thema. Auf welcher Seite steht Obama? Ist der Mann, der einst als Community Organizer in Chicagos Gettos arbeitete und wie kein Präsident die Hoffnungen von Amerikas Unterschicht trug, noch einer von ihnen? Sicherheitszonen «Die Polizei ist aggressiv», erzählen Mike und Chris. Überall in der Innenstadt stehen Metallzäune und Betonsperren. Am Himmel kreisen Helikopter. Wie üblich bei Gipfeln haben sich auch die G-20 hinter weiträumigen Sicherheitszonen verschanzt. Das Zeltcamp hier im Hill Distrikt gibt es nur, weil es auf privatem Kirchengelände steht. Vorhin kam wieder eine Streife vorbei. «Als wären wir Kriminelle», schimpft Mike. Dietmar OstermannPittsburgh>

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