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Mit Bäuerinnen und Bauern durch die Lebenszeiten

«Jahreszeiten – Lebenszeiten»: So heisst ein neu erschienenes Buch, das Geschichten, Gedichte und Autobiografisches aus der Feder von Bäuerinnen und Bauern enthält. Mitgewirkt haben auch Autorinnen aus dem Emmental.

Landwirte sind zuweilen auch Dichter und Schriftsteller. Der Heimiswiler Bauer Hans Steffen (1902–1978) hat sich mit seinem Buch «Es git no Sache änedra» und den Geschichten vom «Bäsehans» im ganzen Bernbiet und darüber hinaus einen Namen gemacht, und der Thurgauer Bauerndichter Alfred Huggenberger (1867–1960) wurde mit seinen Heimatromanen und -erzählungen sogar in Deutschland bekannt. Daneben gibt es eine stattliche Anzahl schreibender Bäuerinnen und Bauern, deren literarisches Schaffen bisher eher im kleineren Rahmen wahrgenommen wurde. Um ihnen eine Stimme zu geben, hat der Berner Blaukreuz-Verlag ein Buch herausgegeben. Der Band mit dem Titel «Jahreszeiten – Lebenszeiten» enthält eine Auswahl von kurzen und kurzweiligen Erzählstücken, zudem die Biografien der 28 Autorinnen und Autoren, meist verfasst von ihnen selber. Des Wurms neue Wohnung In diesem Buch vertreten sind auch Bauersfrauen aus dem Emmental. Die Alchenstorferin Thea Aebi schildert in ihrer Geschichte das Leben eines Regenwurms, der mit dem Rüstabfall eines Endiviensalats auf dem Komposthaufen landet und dort Teil einer vielfach vernetzten, bunten Gesellschaft von Lebewesen wird. Jacqueline Affolter aus Wynigen ist mit einer feinsinnigen, aus dem Leben gegriffenen Weihnachtsgeschichte vertreten, und auch Erika Heiniger aus Heimisbach hat sich Weihnachten zum Thema erkoren. Sie schildert, wie sie als Zweitklässlerin auf die Idee kam, die Mär von den sprechenden Tieren in der heiligen Nacht zu testen, und sich zu diesem Zweck heimlich in den Stall begab. Die Kühe sprachen zwar nicht in der Menschensprache, wie es sich das Kind erhofft hatte. Trotzdem gelang es ihm aber, sie irgendwie zu verstehen, wenn schon nicht mit, dann halt ohne Worte. Beiträge in Versen Nebst Prosa enthält der gut 200-seitige Band auch Lyrik. Darunter finden sich eigentliche literarische Perlen, zum Beispiel das melancholische Herbstgedicht, das die Appenzeller Bäuerin Elisabeth Berwenger kurz vor der Betriebsaufgabe 2005 verfasste, oder politisch-satirische Verszeilen aus der Feder des heuer verstorbenen Solothurner Landwirts Willy Gerber. Wer nebst den belletristischen Texten auch die Autobiografien liest, erfährt viel von der tiefen Naturverbundenheit des Bauernstandes, aber auch vom vielfältigen Wirken der Bäuerinnen und Bauern in politischen, gemeinnützigen und kulturellen Gremien, von journalistischer Betätigung, spannenden Auslandaufenthalten oder Engagement in der Kirche. Mit Blick über das Emmental hinaus lernt man zudem einiges über die Besonderheiten anderer Regionen, zum Beispiel, dass die Landwirte einer Region im Schaffhausischen «Trochebröötler» genannt werden, weil sie sich im Regenschatten des nahen Schwarzwalds befinden, also eine recht trockene Scholle beackern. Zu lesen ist auch von den Neujahrsbräuchen im Zürichbiet oder den Freuden des traditionellen «Schindong-Märits» in Reconvilier, der als grösster Bauernmarkt Europas gilt. Nicht nur idyllisch Das Buch beschränkt sich nicht auf die beschaulichen und idyllischen Seiten des Landlebens. Die Rede ist ebenso von Spannungen, Sorgen und Nöten in Bauernfamilien. Die Geschichten enden jedoch nie resigniert oder verbittert, sondern im Vertrauen darauf, dass es trotz allem weitergeht, dass auf den Winter immer wieder ein neuer Frühling folgt. Hans HerrmannJahreszeiten – Lebenszeiten, Blaukreuz-Verlag, 208 Seiten, broschiert, Fr. 28.80, ISBN 978-3-85580-466-5, erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag, Telefon 031 300 58 66.>

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