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Jetzt gelten strengere Regeln für Heizpilze und Elektroheizungen

Wärmestrahler dürfen nur mit Öko-Energie heizen – Elektroöfen werden aus den Häusern verbannt.

Von René Donzé Zürich – Mitten in der sommerlichen Nachmittagshitze hat sich der Kantonsrat gestern ein zweites Mal mit heiss umstrittenen Energiethemen befasst, über die er bereits vor einem Monat entschieden hatte. Eigentlich hätte er bloss noch die damals beschlossenen Paragrafen formell abnicken müssen – hätte nicht inzwischen die CVP die Meinung geändert (TA vom Samstag). «Nach Fukushima ist die ganze Welt gekippt», hatte CVP-Fraktionschef Philipp Kutter am Samstag gegenüber dem TA die Wende begründet. Gestern meinte Benno Scherrer (GLP, Uster) lakonisch: «Uns reicht es, wenn die CVP kippt.» Auch die BDP half mit, neue Mehrheiten zu bilden. Und so kam es, dass der Kantonsrat die Bestimmungen für den Einsatz von Heizpilzen im Freien erneut verschärfte. Ursprünglich wollte er im Sommerhalbjahr sämtliche Anlagen zulassen und bloss fürs Winterhalbjahr den Einsatz von erneuerbaren Energien vorschreiben. Diese komplexe Regel hätte unnötige Bürokratie erzeugt, sagten die Grünliberalen. Und Sabine Ziegler (SP, Zürich) spottete, dass es dafür Heizpilzkontrolleure bräuchte. Nun entschied der Rat, das ganze Jahr hindurch nur jene Heizpilze zuzulassen, die mit erneuerbarer Energie oder nicht nutzbarer Abwärme betrieben werden. Diese restriktivere Regelung fand im Rat mit 88 zu 82 Stimmen eine knappe Mehrheit. Für Patrick Hächler (CVP, Gossau) hat das vor allem Symbolwirkung. «Der Einsatz von Heizpilzen steht für den sorglosen Umgang mit Energie.» Ausnahmen gibt es nach wie vor für Marktfahrer und Festveranstalter. Abschied von alter Technologie Ebenfalls gekippt ist der Rat in Bezug auf Elektroheizungen. Alte Anlagen dürfen nicht mehr ersetzt werden, wenn sie ausgedient haben. Das gilt neu auch für dezentrale Anlagen mit einzelnen Elektroöfen in den Zimmern. Ursprünglich wollte er bloss Elektro-Zentralheizungen verbieten. Nun war es Gabriela Winkler (FDP, Oberglatt) die eine unnötige Bürokratie befürchtete, sollte jedes einzelne «Öfeli» im Kanton überwacht werden. Diese machten bloss 0,34 Prozent der Heizungen aus. «Das wird sich nicht in der Strombilanz des Kantons niederschlagen», wehrte sich Winkler vergebens. Auch Regierungsrat Markus Kägi (SVP) warnte vor unsinnigen Auswüchsen, die ein solches Verbot nach sich ziehen würde, wenn etwa ein einziger Elektroofen in einem Haus ersetzt werden müsste. Eine knappe Mehrheit aber befand, es sei an der Zeit, Abschied zu nehmen von einer «veralteten Technologie» (Ziegler), und stimmte der Änderung mit 88 zu 85 zu. CVP gegen Minergie-Vorschrift So ganz auf die ökologische Ratsseite schlagen mochte sich die CVP dann aber doch nicht. Beim wohl wirkungsvollsten Antrag stimmte die Partei mit FDP, SVP und EDU: Gemeinsam wehrten sich die Bürgerlichen gegen eine Bestimmung, wonach bei Neubauten höchstens noch 60 Prozent des zulässigen Energiebedarfs für Heizung, Kühlung und Warmwasser mit nicht erneuerbaren Energien gedeckt werden darf. Und so hielt der Rat an der in erster Lesung verabschiedeten 80-Prozent-Limite fest. Die Haltung der CVP in allen drei Punkten war dem Vernehmen nach in der Fraktion umstritten. Bei den symbolträchtigen Heizpilzen und Elektroöfen konnte sich die ökologische Seite durchsetzen – bei den Bauvorschriften obsiegten ökonomische Überlegungen. Es ginge zu weit, wenn Neubauten künftig strengere Vorschriften erfüllen müssten als sie fürs Minergie-Label gelten, sagte Fraktionschef Philipp Kutter. Heizpilze dürfen nur noch mit erneuerbaren Energien heizen. Foto: Sophie Stieger

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