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«Gewinnt man, wird vieles einfacher»

Der erst 20-jährige Este Kaupo Liiva gehört seit zwei Wochen dem Kader von Wacker Thun an. Der Flügelspieler spricht über die ersten Eindrücke von der Stadt, das Debüt im Wacker-Dress und seine Olympia-Träume.

Nach langem Hin und Her ging der Transfer nach Thun kurz vor dem Meisterschaftsstart letztlich blitzschnell über die Bühne. Haben Sie sich bereits eingelebt? Kaupo Liiva: Es ging wirklich alles sehr schnell. Ich fühle mich wohl, die Aussicht mit den Bergen und dem See ist einzigartig. Der Verein hat mich sehr familiär aufgenommen, die meisten Teamkollegen sind kaum älter als ich und auch sehr nett und hilfsbereit. Klar ist: Gewinnt das Team, wird vieles einfacher. Seit ich da bin, sind wir glücklicherweise noch ungeschlagen (lacht). Sie haben mit der estnischen Junioren-Nationalmannschaft an der U21-Weltmeisterschaft in Ägypten überzeugt und das Interesse der Talentspäher auf sich gezogen. Gab es keine Angebote von anderen Vereinen? Ein Klub aus der zweiten spanischen Division hatte im Sommer Interesse signalisiert. Rückblickend bin ich froh, dass die Verhandlungen nicht zum Ziel geführt haben. Was waren die Beweggründe für den Wechsel ins Berner Oberland? Mein letzter Klub (der estnische Meister HC Kehra/die Red.) hatte finanzielle Probleme, die Löhne wurden nur unregelmässig bezahlt. Sportlich war der Wechsel in eine renommiertere Liga wichtig. Auch persönlich wollte ich mich weiterentwickeln, neue Erfahrungen sammeln und Kulturen kennen lernen. Marius Alexejew (der estnische Torhüter bei Wacker/die Red.) hat mir den Wechsel ans Herz gelegt. Wie würden Sie die baltische mit der hiesigen Kultur vergleichen? Die Menschen in der Schweiz sind sehr freundlich, in der Stadt grüssen sie mich und plaudern gerne mit mir. Viele Esten sind dagegen eher verschlossen und zurückhaltend. Auch sind die Berge hier deutlich höher. Ich freue mich riesig aufs Skifahren und werde zeigen, dass auch die Esten schnell sein können. In Ihren ersten zwei Spielen kamen Sie bloss zu Kurzeinsätzen. Haben Sie sich mehr erhofft? Ich bin erst seit wenigen Tagen hier und muss meinen Platz im Team noch finden. Es liegt jetzt an mir, Fortschritte zu erzielen und den Trainer zu überzeugen. In der estnischen Liga konnte ich meine Skorerqualitäten beweisen – ich will diese auch in Thun andeuten. Bei Ihrer Premiere vor zwei Wochen gegen Gossau wirkten Sie überaus nervös Ich war angespannt, was bei einem Debüt aber normal ist. Der Druck nach den Startniederlagen war gross. Im täglichen Leben bin ich ein Langschläfer. Auch auf dem Feld zähle ich zu den Spielertypen, die einige Partien brauchen bis sie auf Touren kommen. Sie haben in Estland ein Informatikstudium begonnen. Können Sie sich vorstellen, die Ausbildung in der Schweiz fortzusetzen? Vorerst steht Wacker Thun im Vordergrund. Wir wollen die Finalrunde erreichen, was kein einfaches Unterfangen wird. Mir behagt es jedoch, neue Sprachen zu erlernen. Ein Universitätsabschluss ist neben dem Handball mein wichtigstes Ziel. Handball befindet sich in Estland im Aufwind, als Mitglied des A-Nationalteams haben Sie jüngst mit einem Remis gegen Olympia-Silbermedaillengewinner Island für Aufsehen gesorgt. Träumen Sie von der Teilnahme an einem grossen Turnier? Der Handballsport hat in Estland eine erstaunliche Entwicklung gemacht. Die Nationalmannschaft profitiert davon, dass immer mehr Spieler im Ausland engagiert sind. In drei bis vier Jahren sollten wir fähig sein, eine Qualifikation zu überstehen. Olympia steht bei mir zuoberst auf der Liste.Interview:Philipp Rindlisbacher>

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