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Das Innere nach aussen gekehrt

«Verwandte Gegensätze» lautet der Titel der neuen Ausstellung in der Steffisburger Villa Schüpbach. Verwandt, weil mit Franz und Max Roth zwei Brüder ausstellen. Gegensätze, weil ihre Werke eigenständig und doch verwandt sind.

Nur zu Beginn, auf den allerersten, eiligen Blick, wirkt das Bild – aufgepinnt am Täfer im Empfangsraum der Steffisburger Villa Schüpbach – naiv. So eilig wie das Augenpaar darüber gestreift ist, kehrt es wieder zurück. Was sich da allmählich zu entfalten beginnt, ist eine bizarre Welt zwischen Märchen und Realität. Franz Roth – der jüngere der beiden Roth-Brüder aus Uettligen bei Bern – entführt die Besucher bei jedem seiner grossformatigen Gemälde in eine Zauberwelt. Nicht anders verfährt sein älterer Bruder Max, der mit faszinierenden Holzskulpturen und Fotografien vertreten ist. Innen nach aussen gekehrt «Verwandte Gegensätze» haben die Steffisburger Ausstellungsmacher als Titel gewählt. Wer den Schritt wagt und den beiden Brüdern auf ihrem Weg folgt, sieht bald ein Ziel vor Augen: Die Innenwelt des jeweiligen Betrachters wird auf verblüffende Weise nach aussen gekehrt. Die Wege dahin sind unterschiedlich – gegensätzlich eben –, der anvisierte Punkt hingegen ist (fast) identisch, oder eben verwandt. Märchen, Mythen, Religion Da ist also dieses Wandbild auf Papier im Eingangsraum. «Am See» lautet der schlichte Titel. Unwillkürlich assoziiert der Betrachter seine Realität mit Franz Roths Fantasiewelt, sieht die «Blüemlere» in Seenot, obwohl die Passagiere noch nichts davon bemerken, die Frau im leuchtend roten Shirt gedankenversunken in die wilder werdenden Wellen blickt, in denen sich Meerjungfrauen und Neptun tummeln und Wasser spucken. Fast glaubt man, ihr höhnisches Gelächter zu hören. Oder das farbintensive Triptychon «Der Weg der Seele», in welchem sich der faszinierte und ängstliche Mensch an der Hand eines Engels in der schillernden Welt des Zirkus wiederfindet und auf seiner Lebensreise auf altägyptische, griechische und christliche Gottesdarstellungen trifft. Mit diesen Motiven spielt Franz Roth meisterhaft: Da ist etwa das Bild «El Tamarindo» mit einer Gestalt, die ebenso gut Frau wie Knabe sein könnte, den Arm um einen Kranich gelegt. Eine Darstellung, die frappant an die Madonnenbilder mit Maria und dem Papagei an ihrer Seite erinnern. Berge, Götter, Heiligtum Indem er fotografiert, selektioniert und abdämpft, erreicht Max Roth einen ähnlichen Effekt: «Dom und Kailasha» heisst eine Doppelfotografie, welche die Schweizer Bergspitze einem indischen Tempel gleichsetzt und damit zwei Kulturen und Religionen zum grossen Ganzen verbindet. «Gletschervisionen» nennt er seine Bilder im Eingangsraum; nur unter ein einziges der fünf Visionen schreibt er den Untertitel «Agneaux II». Und tatsächlich erinnert der leicht gelbliche Nebel über dem kaum erkennbaren Gletscher einer Ansammlung von Lämmern. Er könnte auch als Kirchenfenster eine gutes Bild abgeben, der «Jungfraufirn», aufgezogen auf Seidencocon und in Glas laminiert – eine mystisch-ergreifende Ruhe und Grösse geht davon aus. Später, im sonnendurchfluteten Villenpark, dreht man sich um, betrachtet den leise plätschernden Brunnen, die blühenden Rosen und Max Roths Holzskulptur «Magna Mater». Wie aus Eisen gegossen wirkt sie, die grosse Mutter. Und dennoch zeugen Risse vom Holz – Narben, welche die Natur wie der Mensch sammeln, horten und anerkennen.HeinerikaEggermann Dummermuth «Verwandte Gegensätze – Die Brüder Franz & Max Roth»: Ausstellung in der Villa Schüpbach bis 13.9.; Mi-Fr, 15-18 Uhr, Sa/So, 14-17 Uhr; www.kunstsammlung-steffisburg.ch >

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