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Wie Zürich zur Hauptstadt werden könnte

Fünf junge Leute beginnen heute Freitag mit dem Unterschriftensammeln für eine aussergewöhnliche Initiative: Sie wollen, dass Zürich die neue Hauptstadt der Schweiz wird.

Konkurrenz für Bern? Blick auf die Stadt Zürich.
Konkurrenz für Bern? Blick auf die Stadt Zürich.
Keystone

Die gemütliche Beamtenstadt Bern bekommt Konkurrenz: Fünf junge Zürcher lancieren heute Freitag eine Initiative, deren Forderung so simpel wie provokativ ist: Die Stadt Zürich soll die neue Bundeshauptstadt werden.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand, erklärt Simon Jacoby gegenüber Redaktion Tamedia: Zürich sei die grösste Stadt der Schweiz und das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes. «Der Kanton soll sich dafür einsetzen, dass Zürich auch das politische Zentrum wird», fordert er.

In den Semesterferien Unterschriften sammeln

Das Initiativkomitee besteht aus fünf Mitgliedern: Neben Simon Jacoby setzen sich auch Conradin Zellweger, Konstantin Furrer, Manuel Perriard und Jonas Ritscher für eine Hauptstadt mit See ein. «Wir haben unterschiedliche politische Einstellungen, es ist keine parteipolitisch gefärbte Initiative», sagt Jacoby, der 2010 für die SP in den Adliswiler Gemeinderat gewählt wurde.

Die Initianten haben aber durchaus ein staatsrechtliches Anliegen: Mit ihrem Vorschlag wollen sie darauf aufmerksam machen, wie einfach es ist, Initiativen zu lancieren. «Wir stellen das auf eigene Faust während der Semesterferien auf die Beine.» Die Studenten wollen die Stimmbürger so zum Denken anregen: «Nicht immer ist es sinnvoll, wenn dieses demokratische Instrument so einfach zu bedienen ist», ist Jacoby überzeugt.

Zuerst die Minarettinitiative und danach die Ausschaffungsinitiative hätten gezeigt, dass es notwendig sei, die Völkerrechtskonformität strenger zu überprüfen, bevor es zu einer Volksabstimmung komme. «Wenn die Hürde, eine Initiative zu lancieren, grösser wäre, könnte man dafür die Unterschriftenzahl herabsetzen», sagt Jacoby.

Die Initianten sind allesamt auch Vereinsmitglieder der Monatszeitung «dieperspektive», einer Zeitschrift, deren Inhalte mehrheitlich von den Lesern selbst geschrieben werden.

«Eine Furzidee»

Alain Schreiner, Präsident der Zürcher Jungfreisinnigen, wird die Initiative nicht unterschreiben: «Die bisherige Aufteilung hat sich doch bewährt. Ausserdem wäre es sehr umständlich, den ganzen Verwaltungsapparat von Bern nach Zürich zu zügeln.»

Auch SVP-Gemeinderat Mauro Tuena ist gegen den Vorschlag: «Wir hätten ein noch grösseres Verdichtungsproblem, wenn all die Behörden und Bundesbetriebe nach Zürich ziehen würden.» Aber für Stadtzürcher klinge diese Idee eigentlich bestechend, gibt Tuena zu. Auch für das zweite Anliegen, eine strengere Vorprüfung von Initiativen, sieht er keine Notwendigkeit: «Die Kontrollmechanismen für Volksinitiativen sind bereits streng und griffig.»

Dem stimmt Fabian Molina, Co-Präsident der Zürcher Juso, zu: «Die Initianten werden schon noch bemerken, dass es gar nicht so einfach ist, für eine Initiative erfolgreich zu sammeln.»

Auch Molina hält an der bisherigen Hauptstadt fest: «Es kommt nicht auf die Grösse der Stadt an. Die Stadt Bern ist wegen ihrer Zentrumsfunktion die Hauptstadt, und das ist auch gut so. Diese Initiative ist eine Furzidee», sagt er mit aller Deutlichkeit.

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