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Sieg vor leeren RängenYB schlägt Kriens im Test – und bangt um Lauper

Die Young Boys gestalten ihr erstes Freundschaftsspiel in der Coronavirus-bedingten Wettkampfpause siegreich, schlagen Kriens mit 5:1. Der von einem Kreuzbandriss genesene Sandro Lauper spielt in beiden Halbzeiten – und muss sich verletzt auswechseln lassen.

Mit vollem Eifer vor leeren Rängen: Fast dankbar treten die YB-Fussballer in der Corona-Wettkampfpause zum Test gegen Kriens an.
Mit vollem Eifer vor leeren Rängen: Fast dankbar treten die YB-Fussballer in der Corona-Wettkampfpause zum Test gegen Kriens an.
Foto: Marcel Bieri (Keystone)

Autogramme gibt es für einmal schon vor dem Anpfiff. Offiziell sind beim Testspiel zwischen YB und Kriens keine Zuschauer zugelassen, und jeder der rund 25 Anwesenden – Leute von Presse, Staff und Stadion – muss per Unterschrift beglaubigen, in den letzten zwei Wochen in keinem Corona-Risikogebiet gewesen zu sein.

Das Coronavirus hat den Schweizer Fussball fest im Griff. Statt in den Vorbereitungen auf das Derby gegen Thun befinden sich die Young Boys in Woche zwei der Zwangspause noch immer in Lauerstellung, das Freundschaftsspiel gegen den Challenge-League-Vierten Kriens kommt da einer willkommenen Abwechslung gleich. «Wenn es irgendwann wieder losgeht, müssen wir sofort bereit sein», sagt Captain Fabian Lustenberger.

Testpiele in einem leeren Stadion sind per se keine Besonderheit, dennoch ist vieles anders. Der Handshake vor dem Spiel weicht der mitterweile verbreiteten «Corona-Faust», für die ausgeschlossenen Fans gibt es einen Livestream. Der Meister bekundet gegen den Aussenseiter (mit Trainer Bruno Berner und YB-Leihspieler Pedro Teixeira) keine Mühe, führt nach ersten Chancen und 17 Minuten dank eines Kopfballs von Guillaume Hoarau mit 1:0, liegt einen Treffer von Christian Fassnacht später zur Pause mit 2:0 vorne und kann ordentlich durchwechseln.

Lauper: Wieder Schmerzen, wieder an der gleichen Stelle

«Das Spiel ist eine gute Ergänzung zu unserem Trainingsrhythmus», sagt YB-Trainer Gerardo Seoane. Ohne Wettkampfbelastung gibt es bei den Young Boys etwas mehr und zum Teil längere Einheiten. Und einige sind ja der Ansicht, dass die Pause für YB nicht ungelegen komme, weil sich Verletzte und Rekonvaleszente wie Miralem Sulejmani, Frederik Sörensen, Mohamed Ali Camara oder Sandro Lauper in dieser Zeit erholen können. Doch das Verletzungspech bleibt YB auch in der Corona-Pause treu. Am Donnerstag verletzt sich Esteban Petignat im Training: Der Nachwuchsspieler, der seit einiger Zeit zur ersten Mannschaft zählt, fällt mit einem Kreuzbandriss monatelang aus.

Von einer solchen Verletzung ist Mittelfeldspieler Lauper eben erst zurückgekehrt. Behutsam hat ihn das Trainerteam an den Rhythmus herangeführt, mit Partien in der zweiten Mannschaft und gestern mit geplanten 90 Minuten im Testspiel. Lauper fügt sich sehr gut ein, zeigt sich mit altgewohnter Umsicht – und muss sich nach 55 Minuten mit schmerzverzerrtem Gesicht auswechseln lassen. 286 Tage nach seinem Kreuzbandriss im Spiel gegen Luzern bleibt er wieder auf dem Kunstrasen liegen, hält sich abermals das rechte Knie. Für erste Abklärungen geht es nach dem Spiel direkt ins Spital, ein Befund stand bis am selben Abend noch aus.

«Sein Schienbein hält jeglicher Belastung stand, das ist erfreulich.»

YB-Trainer Gerardo Seoane über Mohamed Ali Camara

Mit leichten Nackenproblemen sass gestern Ersatzgoalie Marco Wölfli auf der Tribüne, neben ihm Michel Aebischer, der sich noch immer von einer Zehenverletzung erholt. Sulejmani (Muskelfaserriss) trainiert wieder mit dem Team, ebenso Sörensen nach seiner Operation am Knie. Bald zurück sein dürfte Camara – «sein Schienbein hält jeglicher Belastung stand, das ist erfreulich», sagt Seoane.

Die gesunden YB-Spieler erhalten gegen Kriens ihren Auslauf. Liga-Topskorer Jean-Pierre Nsame kommt zur Pause, erzielt das 3:0 und das 5:0, Felix Mambimbi trifft dazwischen sehenswert zum 4:0. Ausser den Trainingsspielen wird es für eine ganze Woche die letzte Partie bleiben für die Young Boys. Nächsten Freitag testen sie gegen Winterthur, das weitere Programm ist noch offen. Die Aussicht auf Ernstkämpfe bleibt schlecht – dass die Regierung das Veranstaltungsverbot am 15. März aufhebt, ist unwahrscheinlich. Auch die Aktivitäten rund um den 122. YB-Geburtstag von nächstem Wochenende mit Konzerten und Podiumsdiskussionen mussten abgesagt werden.

Immerhin etwas fand in diesen eigenartigen Schweizer Fussballwochen wie geplant statt: die Auslosung der Cup-Halbfinals am Donnerstagabend. Die Viertelfinals sind fürs Erste verschoben worden, doch klar ist immerhin schon, dass YB bei einem Sieg gegen Luzern entweder auf Sion oder Rapperswil treffenund damit Basel (spielt noch gegen Lausanne) aus dem Weg gehen würde.

«Die Pause ist vor allem mental eine Herausforderung für uns», sagt Goalie David von Ballmoos. Das Virus nehme man ernst, Hände werden nicht mehr geschüttelt. Neues überlegen müssten sich jene, welche sich gewohnheitsmässig mit ellenlangen Handschlag-Kombinationen begrüssten, bemerkt Aebischer lachend auf der Tribüne. Vorab geniessen die Spieler jetzt ein freies Wochenende. Und hoffen, ihre Fans möglichst bald wieder im Stadion zu begrüssen. Vielleicht auch mit dem einen oder anderen Autogramm.