Mysteriöses Spaceshuttle nach Rekordflug zurück auf der Erde

Mehr als zwei Jahre war die unbemannte X-37B im Weltraum unterwegs. Die US-Luftwaffe hält die genaue Mission geheim.

Das weltweit einzige wiederverwendbare Weltraumflugzeug: Die X-37B der US-Luftwaffe. Video: Youtube/WESH 2 News

Yannick Wiget@yannickw3

In der Nacht auf Montag ist die X-37B auf dem Kennedy Space Center der Nasa in Florida gelandet – nach 780 Tagen und damit mehr als zwei Jahren in der Erdumlaufbahn. Noch nie war ein solches Weltraumflugzeug länger unterwegs, seit die US-Luftwaffe ihr mysteriöses Testprogramm vor einem Jahrzehnt startete.

Laut der Air Force testete das unbemannte Flugzeug, das wie ein kleines Spaceshuttle aussieht, wiederverwendbare Weltraumtechnologie und führte Untersuchungen im Orbit durch. Was genau dahintersteckt, ist aber ein streng gehütetes Geheimnis. Schon bei den vorherigen vier Missionen gab es deshalb Gerüchte, dass die USA das Raumfahrzeug für Spionageaktivitäten oder zum Testen neuer Waffen nutzen könnten.

Befeuert werden diese Spekulationen durch den offiziellen Hinweis, die X-37B habe unter anderem Experimente für das Air Force Research Laboratory durchgeführt. Nach eigener Aussage auf seiner Website entwickelt es «Kriegstechnologien», zum Beispiel Laserwaffen, die in Zukunft auf Flugzeuge montiert werden könnten.

Vor einem Start ins All: Die X-37B wird in Stellung gebracht. Foto: Getty Images

Die X-37B ist etwa 8,8 Meter lang und 2,9 Meter hoch, die Flügelspannweite beträgt knapp viereinhalb Meter. Entwickelt wurde sie im Jahr 1999 zunächst für die US-Weltraumbehörde Nasa in Boeings «Phantom Works» in Kalifornien, ehe die Luftwaffe das Projekt 2004 übernahm. Schon den Bau des Prototyps umgab ein Mantel der Geheimhaltung.

Der erste Flug vor neun Jahren wurde von einem weltweiten Netzwerk von Amateurastronomen verfolgt. Diese stellten fest, dass die X-37B in einer Entfernung von 410 Kilometern die Erde alle vier Tage umkreiste und dabei Nordkorea, Afghanistan und andere für die USA interessante Staaten überflog. Experten sprachen von einem weiteren Schritt zur Militarisierung des Weltalls.

Nach der Landung des ersten Flugs: Experten der US-Luftwaffe untersuchen die X-37B. Foto: Getty Images

Eigentlich ist das Weltraumflugzeug nur für Missionen von bis zu 270 Tagen entwickelt worden. Das Raketentriebwerk verbrauche jedoch wesentlich weniger Treibstoff als erwartet, auch sicherten aufklappbare Sonnenkollektoren die Stromversorgung, heisst es. Inzwischen hat die X-37B zusammengezählt schon mehr als 2800 Tage im All verbracht – das entspricht fast acht Jahren. Und für den Frühling 2020 ist schon die nächste Mission geplant.

«Der Himmel ist nicht mehr die Grenze für die US-Luftwaffe und – wenn der Kongress zustimmt – für die US-Weltraumstreitkräfte», sagte Airforce-Generalstabschef David L. Goldfein nach der jüngsten Landung. Damit sprach er die Pläne von Präsident Trump an, der im vergangenen August den Aufbau eines neuen Weltraum-Militärkommandos angekündigt hatte. «SpaceCom stellt sicher, dass die Dominanz Amerikas im All nie bedroht wird», hatte Trump gesagt und war damit beim Verteidigungsministerium und im amerikanischen Parlament auf wenig Begeisterung gestossen. Ein neuer Zweig der US-Armee kann aber nur mit Zustimmung des Kongresses gebildet werden.

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