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Forscher jagen Zug in die Luft

Kampf gegen den Terror: Englische Wissenschaftler wollen die tödliche Auswirkung eines Anschlags auf einen Zug verringern. Dazu griffen sie selbst zum Sprengstoff.

Fenster bleiben intakt: Die Explosion in Zeitlupe.

Wissenschaftler der Universität von Newcastle im Norden Englands haben in drei Jahren Arbeit einen Zug entwickelt – und in die Luft gejagt. Danach haben sich die Forscher die Bilder eines explodierenden Zugwaggons wieder und wieder angesehen, um daraus zu lernen. Sie wollten die Züge technisch verändern, um sie für Bombenanschläge besser zu rüsten.

Die Forscher wollten einfache und kostengünstige Wege finden, um die tödlichen Auswirkungen einer Explosion in einem Zugabteil zu reduzieren. Herausgekommen sind etwa mit Plastik überzogene Fenster, die Verwendung von flexiblem, Energie absorbierendem Material und der Einbau von fixierenden Drähten, die schwere und grosse Waggonteile daran hindern, nach einer Explosion durch das ganze Abteil zu fliegen.

All diese Veränderungen haben ein Ziel: Das Herumfliegen von Trümmerteilen zu verhindern, zumindest aber zu vermindern. Denn diese Trümmer sorgen nicht nur für schwere Verletzungen bei den betroffenen Passagieren, sondern behindern auch die Rettungsarbeiten. «Wenn ein Terrorist es schafft, die Sicherungssysteme zu überwinden – also Überwachungskameras, Sicherheitspersonal und auch die Aufmerksamkeit der Passagiere – wenn er also eine Bombe an Bord des Zuges bekommt, dann kann immer noch der Zug selbst zum Schutz der Reisenden beitragen. Er ist ihre letzte Verteidigung», sagt Conor O'Neill, der an dem Projekt mitgearbeitet hat.

Immer wieder Tote

Auf den Bildern ist tatsächlich zu sehen, dass die meisten Fenster intakt bleiben, nur die Sicherheitsfenster, die dafür konzipiert sind, fliegen weg und entlassen den Druck aus dem Abteil. Die Sitze im Abteil, ebenso wie die Deckenteile bleiben nach Angaben der Uni an ihren Orten.

Explosionen in Zügen haben in den vergangenen Jahren in mehreren Ländern zahlreiche Menschen getötet. In Grossbritannien selbst haben mehrere Männer im Juli 2005 Bomben in U-Bahn-Zügen und Bussen gezündet. Mehr als 50 Menschen kamen dabei ums Leben.

Und nur ein Jahr zuvor wurden fast 200 Personen getötet, als in Madrid Bomben in einem Zug gezündet wurden. Die Neuerungen der Universität von Newcastle sollen das Ausmass solcher Anschläge verringern. Dazu müsste man nicht mal neue Züge anschaffen, meint Conor O'Neill. «Wir wollen nicht bloss neue Züge so ausrüsten. Wir wollen alle Züge, die jetzt unterwegs sind, so umbauen. Dann ist der Schutz auch gleich gewährleistet.» Vier Millionen Euro sind für das Projekt ausgegeben worden, zum Teil getragen von der EU.

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