Zum Hauptinhalt springen

«Es liegt an der Rakete»

Der Start der Cheops-Mission musste heute Morgen abgebrochen werden. Projektleiter Willy Benz war live dabei.

Cheops soll Planeten charakterisieren, die um andere Sterne kreisen. Illustration: SPL/ATG Medialab/European Space Agency (Keystone)
Cheops soll Planeten charakterisieren, die um andere Sterne kreisen. Illustration: SPL/ATG Medialab/European Space Agency (Keystone)

Sind Sie enttäuscht, dass der Start von Cheops mit einer russischen Sojus-Rakete abgebrochen wurde?

Ja, klar. Bis rund eineinhalb Stunden vor dem Start lief alles wunderbar. Alle Lampen waren auf Grün. Es regnete zwar etwas, aber das machte nichts aus. Dann tauchte plötzlich die rote Lampe auf und der Start wurde abgesagt.

Wissen Sie warum?

Es gibt wohl ein technisches Problem. Vor dem Start laufen automatische Checks ab. Im Laufe dieser Sequenz gab es einen Fehler. Daraufhin wurde der Start automatisch abgebrochen. Ich weiss nur, dass das Problem nicht bei der Nutzlast liegt, also nicht beim Satelliten. Es liegt an der Rakete.

Was geschieht nun?

Man hat uns gesagt, dass die Daten zum abgebrochenen Start jetzt zu den Sojus-Leuten nach Russland gegangen sind. Die untersuchen das jetzt und wollen uns gegen Abend Schweizer Zeit Bescheid geben, was für ein Problem vorliegt. Dann wird man uns auch sagen, wie es weitergeht.

Wann ein neuer Start erfolgt, ist also noch unklar?

Momentan ja. Da es sich um ein technisches Problem handelt, muss man dieses zuerst verstehen und beheben, bevor man einen neuen Start einleiten kann. Wenn es ein einfach zu lösendes Problem ist, können wir morgen früh starten. Wenn es komplizierter ist, dann weiss man nicht, was passiert. Momentan ist es zu früh für eine Einschätzung. Die Leute von Arianespace hier in Kourou haben für heute Abend Schweizer Zeit ein Briefing anberaumt. Dann werden wir informiert.

Cheops-Projektleiter und Professor für Astrophysik an der Universität Bern: Willy Benz. Foto: Alessandro della Valle (Keystone)
Cheops-Projektleiter und Professor für Astrophysik an der Universität Bern: Willy Benz. Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

Ist es häufig, dass bei einem Raketenstart Probleme dieser Art auftreten? Eine Rakete nimmt man natürlich nicht so wie einen Zug. Raketenstarts sind immer noch schwierig. Der letzte Start von Kourou aus wurde auch mehrmals verschoben. Das war im November mit einer Rakete der Betreibergesellschaft Arianespace.

Zunächst gab es damals eine Unregelmässigkeit bei den Startvorbereitungen. Dann spielte das Wetter nicht mit.

Genau. Solche Dinge passieren also.

Wie haben Sie den heutigen Tag erlebt?

Wir sind sehr früh, um 2 Uhr Ortszeit, aufgestanden. Dann ging es mit dem Bus ins Kontrollzentrum. Die Anspannung war natürlich gross. Denn jetzt war der grosse Moment für Cheops nach vielen Jahren Arbeit. So gross wie die Erwartung war dann auch die Enttäuschung. Aber es ist besser so, als die Rakete starten zu lassen, und dann passiert etwas. Mir ist es lieber, wenn der Start auf nächstes Jahr verschoben wird, als dass sieben Jahre Arbeit für den Mülleimer sind, nur weil man zu früh gestartet ist.

Haben Sie das Hotelzimmer auf unbestimmte Zeit verlängert?

Darüber haben wir heute Morgen noch gescherzt. Als wir gegen 2.30 Uhr auf den Bus warteten, wollte ein Kollege schon auschecken. Ich sagte ihm, dass er dann kein Zimmer hätte, sollte der Start vertagt werden. Als wir dann später ins Hotel zurückkamen, meinte er, er würde künftig immer meinem Rat folgen. Aber Scherz beiseite: Die Leute vom Hotel sind solche Verzögerungen natürlich gewohnt. Problematisch ist der Rückflug. Der geht morgen Abend zurück. Ich muss sehen, ob ich umbuchen kann. Denn ich möchte nicht von hier weg, bevor Cheops gestartet ist.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch