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Die 20 wichtigsten Begriffe zur Atomenergie

Wann spricht man von Fallout oder Kernschmelze? Was ist ein Liquidator? Das Glossar zur Kernenergie.

AKW-Unfall in Japan: Ein Arzt prüft Evakuierte von Fukushima auf eine erhöhte Strahlung.
AKW-Unfall in Japan: Ein Arzt prüft Evakuierte von Fukushima auf eine erhöhte Strahlung.
Keystone

Atomunfall: Die Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) unterscheidet bei atomaren Unfällen sieben Stufen. Stufe 7 steht dabei für einen «katastrophalen Unfall» wie im Jahre 1986 in Tschernobyl, wenn ganz offensichtlich Radioaktivität in erheblichem Masse austritt. In der Skala unterschieden werden Störungen (Stufe 1), Störfälle (ab 2) und Unfälle (4–7). Atomare Zwischenfälle oder meldepflichtige Ereignisse in Kernkraftwerken müssen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien gemeldet werden.

Brennelemente: Hier befindet sich das atomare Material, das über den Prozess der Kernspaltung letztlich die Energie erzeugt. Das angereicherte Uran wird in Form von Tabletten in die Brennstäbe gefüllt. In der Regel werden zahlreiche Brennstäbe zu einem Brennelement gebündelt.

Containment: Die stählerne Hülle um die Reaktoranlagen soll verhindern, dass im Falle eines schweren Störfalls Radioaktivität in die Umgebung entweicht. Die Kugel mit einem Durchmesser von 50 Metern (bei Druckwasserreaktoren) ist mehrere Zentimeter dick und soll auch dem Druck von Wasserdampf standhalten. Im Innern des Sicherheitsbehälters befindet sich der Reaktordruckbehälter sowie bei einem Druckwasserreaktor auch das primäre Kühlsystem. Der Sicherheitsbehälter ist normalerweise mit Stickstoff gefüllt, um Explosionen zu verhindern. Im Falle von Fukushima gelangte Wasserstoff ausserhalb des Sicherheitsbehälters in das äussere Reaktorgebäude, wo es zur Explosion kam.

Druckwasserreaktor: Bei diesem Reaktortyp herrscht im Reaktorkern und im primären Kühlkreislauf ein hoher Druck, sodass Wasser nicht verdampft. Erst in einem weiteren Kreislauf wird Wasser zum Verdampfen gebracht und treibt so die Turbinen an.

Fallout: Wenn nach einem schweren atomaren Unfall aus einem Kraftwerk Radioaktivität austritt und später auf die Erde niederregnet, spricht man von radioaktivem Niederschlag oder auf Englisch Fallout.

Gammastrahlung: Hochenergetische, kurzwellige elektromagnetische Strahlung, die von einem Atomkern ausgestrahlt wird. Die Energien von Gammastrahlen liegen gewöhnlich zwischen 0,01 und 10 MeV. Auch Röntgenstrahlen treten in diesem Energiebereich auf; sie haben aber ihren Ursprung nicht im Atomkern, sondern sie entstehen durch Elektronenübergänge in der Elektronenhülle oder durch Elektronenbremsung in Materie (Bremsstrahlung). Im Allgemeinen sind Alpha- und Betazerfälle und immer der Spaltungsvorgang von Gammastrahlung begleitet. Gammastrahlen sind sehr durchdringend und lassen sich am besten durch Materialien hoher Dichte (Blei) und hoher Ordnungszahl schwächen.

GAU:Die Abkürzung GAU steht für Grösster Anzunehmender Unfall in einem Kernreaktor. Gemeint ist ein möglicher schwerwiegender technischer «Auslegungsstörfall», bei dem der Reaktor aber weiter beherrschbar bleibt und keine Radioaktivität austritt.

Geigerzähler: Strahlungsnachweis- und -messgerät. Es besteht aus einer gasgefüllten Röhre, in der eine elektrische Entladung abläuft, wenn ionisierende Strahlung sie durchdringt. Die Entladungen werden gezählt und stellen ein Mass für die Strahlungsintensität dar.

Kernbrennstoff: In den meisten Kernkraftwerken wird angereichertes Uran (Uran 235) als Brennstoff verwendet.

Kettenreaktion: Bei der Spaltung von Atomkernen mittels Neutronen werden weitere Neutronen frei, die ihrerseits jeweils wieder Atomkerne spalten. In Atomreaktoren wird dieser Spaltprozess normalerweise so gesteuert, dass es nicht zu einer Überhitzung und damit zu einer unkontrollierten Kettenreaktion kommt.

Kernschmelze: Bei einem schweren Reaktorunfall kann so viel Hitze entstehen, dass die atomaren Brennstäbe verflüssigt werden. Dieser Fall kann eintreten, wenn die Reaktorkühlung ausfällt.

Kontamination: Wenn Radioaktivität freigesetzt wird, besteht die Gefahr einer Verstrahlung der Umgebung. Menschen, Tiere und Pflanzen können kontaminiert werden, sie nehmen also radioaktive Giftstoffe auf. Strahlen zerstören das Gewebe oder verursachen krankhafte Veränderungen. Menschen können durch eine solche Verstrahlung an Krebs erkranken.

Kühlmittel: Bei der Energiegewinnung in Atomkraftwerken entsteht grosse Hitze. Der Reaktorkern muss daher gekühlt werden. Übliche Kühlmittel sind leichtes und schweres Wasser, Kohlendioxid, Helium und flüssiges Natrium.

Liquidator: Aufräumarbeiter, der nach Atomkatastrophen eingesetzt wird, oft zwangsrekrutiert. Nach der Explosion in Tschernobyl am 26. April 1986 wurden etwa 700'000 Männer zum Unglücksort abgeordert. Etwa 50'000 haben den Einsatz nicht überlebt, 90 Prozent der Überlebenden sind krank.

Reaktorkern: Das Innere des Kernkraftwerks, wo die Brennelemente angeordnet sind. Hier findet der Spaltprozess statt, daher wird auch von der Spaltzone gesprochen.

Reaktordruckbehälter: In diesem befindet sich der Reaktorkern mit den Brennelementen. Der Behälter besteht aus rund 25 Zentimeter dickem Stahl und ist für hohe Temperaturen und Drücke ausgelegt, die bei der Erhitzung des Kühlmittels entstehen. Im Falle einer Kernschmelze entstehen jedoch höhere Temperaturen, die den Druckbehälter zerstören können.

Sicherheitsbehälter: -> siehe Containment

Siedewasserreaktor: Bei diesem Reaktortyp wird das Kühlwasser direkt im Reaktorkern zum Sieden gebracht. Mit dem entstehenden Wasserdampf werden die Turbinen zur Stromerzeugung angetrieben. Anschliessend wird der Wasserdampf kondensiert und wieder in den Kern gepumpt. Die Turbinen und Kondensatoren liegen ausserhalb des Sicherheitsbehälters. Die Reaktoren im japanischen Fukushima sind von diesem Typ.

Super-GAU: Von einem Super-GAU wird gesprochen, wenn ein Atomunfall auftritt, für den die Sicherheitseinrichtungen des Kernkraftwerks nicht mehr ausgelegt sind. In diesem Fall wird Radioaktivität über den zulässigen Grenzwert hinaus freigesetzt. Ursache kann beispielsweise eine Zerstörung des Reaktordruckbehälters durch eine Kernschmelze sein.

Tschernobyl: In der ukrainischen Stadt ereignete sich 1986 der bislang grösste atomare Unfall in einem Kernkraftwerk. Damals explodierte ein Reaktorblock. Das Gelände um den Reaktor ist bis heute verstrahlt. Die radioaktive Wolke verbreitete sich damals über weite Teile Europas.

dapd/ah

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