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Der Wettstreit um die schnellsten Züge

Amerikas Eisenbahnbauer eifern den Japanern nach. Sie investieren 53 Milliarden Dollar in ein neues Hochgeschwindigkeitsnetz. Das Vorhaben erinnert an das technologische Wettrüsten im Kalten Krieg.

Amerika soll den Anschluss nicht verpassen: US-Vizepräsident Joe Biden (mit Sonnenbrille) auf dem Perron in Philadelphia.
Amerika soll den Anschluss nicht verpassen: US-Vizepräsident Joe Biden (mit Sonnenbrille) auf dem Perron in Philadelphia.
Keystone
Haben Grosses vor: Joe Biden (rechts) spricht mit Verkehrsminister Ray LaHood über das Projekt.
Haben Grosses vor: Joe Biden (rechts) spricht mit Verkehrsminister Ray LaHood über das Projekt.
Keystone
Ist ein begeisterter Zugfahrer: Joe Biden.
Ist ein begeisterter Zugfahrer: Joe Biden.
Keystone
Siemens wittert das Geschäft: Das deutsche Unternehmen will die geplante Linie zwischen Tampa und Orlando mit seiner neusten Zuggeneration Velaro bestücken.
Siemens wittert das Geschäft: Das deutsche Unternehmen will die geplante Linie zwischen Tampa und Orlando mit seiner neusten Zuggeneration Velaro bestücken.
Keystone
Japan ist noch immer das Mass der Dinge: Die Shinkansen-Generation im Bahnhof von Osaka.
Japan ist noch immer das Mass der Dinge: Die Shinkansen-Generation im Bahnhof von Osaka.
AFP
Frisch eröffnet: Politiker weihen im Sommer 2010 einen  Skyliner bei Tokio ein.
Frisch eröffnet: Politiker weihen im Sommer 2010 einen Skyliner bei Tokio ein.
AFP
Gilt als pünktlichster Zug der Welt: Der Shinkansen N700, hier auf einer Testfahrt in der Präfektur Shizuoka.
Gilt als pünktlichster Zug der Welt: Der Shinkansen N700, hier auf einer Testfahrt in der Präfektur Shizuoka.
AFP
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Das Auto ist aus der amerikanischen Gesellschaft kaum wegzudenken – und doch investieren die USA in den kommenden Jahren 53 Milliarden in den öffentlichen Verkehr. Mit so viel Geld wollen die Vereinigten Staaten die Hochgeschwindigkeitsstrecken vorantreiben. Die nächsten sechs Jahre sollen wieder Mittel in den Bau neuer Verbindungen sowie in die Modernisierung bereits existierender Strecken fliessen, nachdem das Land in der Vergangenheit die Bahninfrastruktur stark vernachlässigt hatte.

Die Rhetorik rund um das Projekt erinnert an das technologische Wettrüsten während des Kalten Kriegs: Die USA sollten sich ein Beispiel an China oder Japan nehmen, wo ebenfalls Milliarden-Summen in den Bahn-Ausbau fliessen würden, sagt der amerikanische Vizepräsident Joe Biden. In einer dramatischen Rede machte er das Schicksal der ganzen Nation von schnellen Zugverbindungen abhängig: «Wenn wir das nicht machen, dann sagen Sie mir, wie Amerika in der Lage sein soll, die Welt im 21. Jahrhundert zu führen.»

Siemens mischt mit, die Republikaner blocken ab

Biden ist selber passionierter Zugfahrer. Und er will auch seine Landsleute dafür begeistern. Bis in 25 Jahren sollen 80 Prozent der Amerikaner Zugang zum Hochgeschwindigkeitsnetz haben. Die Züge sollen die Einwohner verbinden, Verkehrsstaus eindämmen und Arbeitsplätze schaffen, die nicht ins Ausland verlegt werden können.

Allerdings hat die Regierung erst acht Milliarden Dollar für das ehrgeizige Projekt zusammen. Das restliche Geld muss sie noch auftreiben. Spätestens bis 2012 soll aber die erste amerikanische Hochgeschwindigkeitsstrecke von Tampa nach Orlando in Florida ausgeschrieben werden. Gemäss der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» steht Siemens bereits in den Startlöchern: Das deutsche Unternehmen wolle die Strecke am liebsten mit ihrer neuen Zuggeneration Velaro bestücken, schreibt das Blatt.

Allerdings erwächst gegen das Projekt der US-Regierung innenpolitischer Widerstand. Die oppositionellen Republikaner lehnen das Vorhaben ab. Nicht die Regierung, sondern die Privatwirtschaft soll die Bahn ausbauen, sagen sie.

Japan plant den schnellsten Zug der Welt

Dass dies funktionieren kann, zeigt das Beispiel Japan. Dort ist der Schienenverkehr in privaten Händen. Und das Geschäft lohnt sich offensichtlich. Die Central Japan Railway, eine von sieben Nachfolgern der 1987 privatisierten Japanese National Railways, will zwischen Tokio und Nagoya die schnellste Zugverbindung der Welt bauen. Die Züge, die auf der Linie verkehren, sollen eine Geschwindigkeit von bis zu 500 Stundenkilometern erreichen. Für die 290 Kilometer Distanz würde die Bahn künftig 40 statt wie bisher 90 Minuten benötigen. Bis 2027 soll die Linie zudem bis Osaka verlängert werden.

Die Summe, welche die amerikanische Regierung für ihr Projekt aufwirft, beeindruckt das japanische Privatunternehmen dabei nicht besonders: Gemäss dem «Handelsblatt» lässt sich der Central Japan Railway seinen Ausbau über 62 Milliarden Dollar kosten. Das sind fast 10 Milliarden mehr als in den USA. Bezahlt werden soll der Ausbau aus der gut gefüllten Kasse des Unternehmens, mit Krediten und der Ausgabe von Anleihen.

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