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Mit Albatrossen gegen die illegale Fischerei

Nicht gemeldete Schiffe in den Weiten des Ozeans aufzuspüren, ist sehr schwierig. Forscher setzen jetzt auf tierische Helfer.

Stefan Parsch
Albatrosse werden von Fischereifahrzeugen angezogen und entdecken diese aus 30 Kilometer Entfernung – Eigenschaften, die gegen die illegale Fischerei eingesetzt werden. Foto: iStock
Albatrosse werden von Fischereifahrzeugen angezogen und entdecken diese aus 30 Kilometer Entfernung – Eigenschaften, die gegen die illegale Fischerei eingesetzt werden. Foto: iStock

In einem gross angelegten Test im Indischen Ozean statteten Forscher 169 Albatrosse mit Messgeräten und Satellitensendern aus. Sie konnten so zahlreiche Schiffe ausfindig machen, deren Fahrten nicht bei Behörden angemeldet waren und die womöglich illegal fischten. Die Studie ist im Fachjournal «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS) erschienen.

«Grosse Albatrosse decken grosse Gebiete der Meeresoberfläche ab – 22 Millionen Quadratkilometer mit 50 ausgerüsteten Individuen – und fühlen sich von Fischereifahrzeugen angezogen, die sie aus einer Entfernung von bis zu 30 Kilometern entdecken können», schreiben die Forscher um Henri Weimerskirch vom französischen Forschungszentrum CNRS an der Université de la Rochelle in Villiers en Bois. Sie machen sich diese Eigenschaften der Vögel zunutze, um die illegale Fischerei auch dort aufzuspüren, wo eine Überwachung kaum oder nur mit erheblichem Aufwand möglich ist.

Nahezu in Echtzeit

Die Wissenschaftler befestigten eine teilweise neu entwickelte Messeinheit an den Albatrossen. Neben dem Positionsbestimmungssystem GPS enthält sie einen Detektor für Radarwellen. Denn Radar benötigen die Schiffe zum Navigieren, auch wenn sie ihr automatisches Identifikationssystem (AIS) nicht eingeschaltet haben, um einer Ortung zu entgehen. Die Übermittlung der Orts- und Radardaten von den Albatrossen innerhalb weniger Sekunden an einen Satelliten macht eine Onlinedarstellung der Messdaten nahezu in Echtzeit möglich.

Die Forscher stellten während ihres Feldversuchs von November 2018 bis Mai 2019 fest, dass in internationalen Gewässern 36,9 Prozent der Schiffe ohne AIS unterwegs waren. In den ausschliesslichen Wirtschafts­zonen (bis zu einer Entfernung von 200 Seemeilen vom Land entfernt) waren es im Durchschnitt weniger Schiffe.

Operativer Naturschutz

Allerdings gab es grosse Unterschiede zwischen verschiedenen Inselgruppen. Während nahe den Inselgruppen Crozet und Kerguelen weniger als 15 Prozent der Schiffe ohne AIS unterwegs waren, waren es bei den Prinz-Edward-Inseln alle 31 Schiffe, deren Radarwellen dort aufgefangen wurden.

Die Forscher bezeichnen ihr Konzept als «ein gutes Beispiel dafür, wie die Entwicklung von Technologien den strategischen Naturschutz ermöglicht».

Die Forscher untersuchten auch, wie gut sich zwei verschiedene Albatrosarten und verschiedene Altersgruppen für die Seeüberwachung eignen. So flogen 21,1 Prozent der Wanderalba­trosse (Diomedea exulans) direkt an die Schiffe heran, während es bei den Amsterdam-Albatrossen (Diomedea amsterdamensis) nur 8,5 Prozent waren. Erwachsene Vögel näherten sich deutlich häufiger Fischereischiffen als unreife Tiere oder Jungtiere. Jüngere Albatrosse waren dafür mehr in internationalen Gewässern unterwegs als brütende Erwachsene.

Die Forscher bezeichnen ihr Konzept als «ein gutes Beispiel dafür, wie die Entwicklung von Technologien den operativen Naturschutz ermöglicht». Die Methode könne auch bei anderen Tierarten wie Meeresschildkröten oder Haien eingesetzt werden, um herauszufinden, wo sie häufig zu Beifang werden. Dann könnten den Forschern zufolge entsprechende Schutzmassnahmen getroffen werden.

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