Hitzewelle ist alle 5 bis 20 Jahre möglich

Mehrtägige Hitzeperioden wie von vergangener Woche werden in Zukunft häufiger.

Ein Tessiner Gemeindeangestellter löscht seinen Durst.

Ein Tessiner Gemeindeangestellter löscht seinen Durst.

(Bild: Keystone)

Martin Läubli@tagesanzeiger

Noch machen Hitzewellen Schlagzeilen. Das könnte sich jedoch bald ändern. Die Wahrscheinlichkeit, heisse Tage wie letzte Woche zu erleben, nimmt mit jedem Zehntel Grad globaler Erwärmung weiter zu. Die 7-tägige Hitzeperiode, die letzten Sonntag zu Ende gegangen ist, wäre 1900 im Mittelland noch ein Jahrhundertereignis gewesen – heute ist ein solches Extremereignis auf der Alpennordseite alle 5 bis 20 Jahre zu erwarten. Das haben ETH-Klimaforscher vom Institut für Atmosphäre- und Klimaforschung errechnet. Die Forscher konnten auf einen robusten Datensatz von Meteo Schweiz zugreifen, der die Temperaturentwicklung in der Schweiz über knapp 120 Jahre abbildet.

Extremer Wärmeüberschuss

Die durchschnittliche Temperatur der mehrtägigen Hitzewelle lag 8 bis 10 Grad über dem langjährigen Mittel für Messstationen in tiefen Höhenlagen. Die Abweichung war jedoch je nach Messort unterschiedlich. In Zürich und Basel betrug sie 10 Grad, in Davos und auf dem Säntis sogar über 11 Grad.

Zwischen einem Tief über dem Atlantik und einem Hoch über Zentraleuropa strömten heisse Saharawinde in die Schweiz. In Davos gab es mit 29,3 Grad gemäss Meteo Schweiz einen Rekord, ebenfalls auf dem Säntis mit 21 Grad. Betrachtet man den langjährigen mittleren Temperaturverlauf für die Sommermonate, so ragt die Junihitze deutlich über die Werte vom Juli und August hinaus.

Normalerweise ist der Juni kälter als die folgenden Sommermonate. Insgesamt geht der diesjährige in der Schweiz als zweitwärmster seit Messbeginn in die Annalen ein. In Europa wurden noch nie so hohe Durchschnittstemperaturen im Juni gemessen. Die Entwicklung überrascht nicht.

Die Erwärmung in der Schweiz hat sich gemäss Meteo Schweiz so verschoben, dass der mittlere Temperaturwert der Sommer in der Periode 1864 bis 1990 heute als kalter Sommer eingestuft werden kann, der nur noch selten vorkommt.

Treibhauseffekt live

Die Hitzewelle war mit tropischen Nächten verbunden, in denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad sanken. Weil manche Nächte während der Hitzeperiode auch feucht waren, war die Abkühlung weniger stark als bei trockeneren Bedingungen. «Da konnte man den Treibhauseffekt live spüren», sagt Urs Neu ­ von Proclim, dem Forum für ­Klimawandel der Schweizer ­Akademien der Wissenschaften.

Wasserdampf und feine Wassertröpfchen nehmen die Wärmestrahlung der Erdoberfläche auf und strahlen sie zurück. Dieser Prozess verhindert eine stärkere Abkühlung. Der Effekt kann zudem verstärkt werden: Je wärmer die Luft, desto mehr Wasserdampf wird aufgenommen. Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass aufgrund des Treibhauseffektes die Zahl der Tropennächte zunehmen würden, so Urs Neu.

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