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Zweiter Schweizer EHEC-Fall – spanische Gurken nicht die Quelle

Eine weitere Person ist nach einer Reise nach Deutschland am Darmbakterium EHEC erkrankt. Der Zustand der Schweizer Patienten ist stabil. Die Suche nach dem Erreger beginnt derweil wieder von vorne.

Die Gefahr lauert im Gemüse: Gurkentest im Labor in Rostock, 30. Mai 2011.
Die Gefahr lauert im Gemüse: Gurkentest im Labor in Rostock, 30. Mai 2011.
Keystone

Das Nationale Referenzzentrum für enteropathogene Bakterien (Nent) hat nachgewiesen, dass die beiden EHEC-Patienten mit jenem Bakterienstamm infiziert wurden, der in Deutschland bereits 15 Todesopfer verursacht hat. In der Schweiz wurden seit Jahresbeginn 23 EHEC-Fälle gemeldet, 10 davon seit Anfang Mai. Dies meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Diese Zahl ist nicht aussergewöhnlich. Pro Jahr gibt es in der Schweiz 50 bis 70 Krankheitsfälle. Obwohl im Mai etwas mehr Fälle als in den Vorjahren gemeldet worden seien, liege die Zahl im laufenden Jahr noch im üblichen Rahmen, schreibt das BAG. Es rechnet aber damit, dass wegen der erhöhten Aufmerksamkeit zahlreiche weitere Fälle gemeldet werden.

Vor allem bei geschwächten Menschen tödlich

Fälle von EHEC-Infektionen oder Verdachtsfälle gibt es auch in Schweden, Dänemark, Grossbritannien, den Niederlanden, Österreich, Frankreich und Polen. EHEC ist ein Darmbakterium aus der Gruppe der Coli-Bakterien, das beim Menschen blutige Durchfallerkrankungen auslösen kann. Treten Komplikationen auf, kann die Krankheit vor allem bei geschwächten Menschen tödlich ausgehen.

Die Ursache für die EHEC-Erkrankungswelle ist wieder völlig offen. Auf zwei spanischen Gurken in Hamburg, die zunächst als eine Quelle der Erreger galten, fanden sich zwar EHEC-Keime – aber nicht die des derzeit grassierenden Typs O104. «Unsere Hoffnung, die Quelle der schweren Komplikationsfälle mit HUS-Syndrom zu entdecken, hat sich bei diesen ersten Ergebnissen leider nicht erfüllt», sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks.

EHEC-Bakterien stellen immer Gefahr dar

Dennoch sei es vor einigen Tagen richtig gewesen, die Untersuchungsergebnisse zu veröffentlichen, betonte Prüfer-Storcks. «Denn die Verunreinigungen können sehr wohl EHEC auslösen.» Es wäre unverantwortlich gewesen, bei einer solchen Zahl von Erkrankungen, einen begründeten Verdacht zurückzuhalten.

Neben der weiteren Suche nach der Infektionsquelle werde nach wie vor auch die Ursache für die Kontamination dieser zwei Gurken untersucht. EHEC-Bakterien stellten, unabhängig vom Serotyp, immer eine Gesundheitsgefahr dar.

Die Behörden tappen damit bei der Suche nach der Herkunft des gefährlichen Keims weiter im Dunkeln. Das Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt hatte vergangene Wochen spanische Gurken als Quelle des Bakteriums identifiziert. Allerdings musste zur Bestimmung des Erregertyps zunächst eine Reinkultur angezüchtet werden.

EHEC-Schnelltest

Wissenschafter der Universitätsklinik Münster erhoffen sich von einem neu entwickelten EHEC-Schnelltest zusätzlich zum Nachweis des Erregers vor allem Fortschritte bei der Suche nach der Infektionsquelle.

Mit dem Verfahren könnten nicht nur Proben von Menschen untersucht werden, sondern auch von Lebensmitteln, sagte der Direktor des Instituts für Hygiene, Helge Karch, am Dienstag in Münster. Der Test ermögliche den schnellen Nachweis des für den Ausbruch verantwortlichen Erregerstamms.

Innerhalb von vier Stunden

«Bisher gab es kein Verfahren, den Stamm nachzuweisen», sagte Karch. Mithilfe des molekularbiologischen Verfahrens ist es den Angaben zufolge möglich, schon kleinste Mengen von EHEC-Erregern innerhalb weniger Stunden auf die speziellen Eigenschaften des Ausbruchsstammes zu untersuchen.

Bei Patienten mit verdächtigen Symptomen könne innerhalb von vier Stunden geklärt werden, ob sie mit EHEC infiziert seien oder unter anderen Durchfallerkrankungen litten.

Viel wichtiger sei aber, sagte Karch, «mit Hilfe dieser Informationen schnellstens die Infektionsquelle zu finden, um weitere Übertragungen zu verhindern». Der Test helfe ausserdem dabei zu klären, wie lange wieder genesene Patienten den Keim übertragen könnten.

Der ärztliche Direktor der Hamburger Uniklinik, Jörg Debatin, kritisierte im ZDF-«Morgenmagazin», der Schnelltest bringe in der aktuellen Situation nicht viel. Im Augenblick sei es so, dass Patienten, die mit den klassischen Symptomen wie Bauchkrämpfen und blutigem Durchfall ins spital kämen, ohnehin ausnahmslos mit EHEC infiziert seien. Bei eventuellen künftigen Ausbrüchen könne der neue Test aber eine Hilfe sein.

SDA/pbe

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