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Roche bietet EHEC-Schnelltest an

Der Pharmakonzern Roche hat zur Erkennung von EHEC-Bakterien einen Schnelltest auf den Markt gebracht. Eine neue Therapieform soll den Infizierten zudem Hoffnung bringen.

Der Bockshornkleesamen solls gewesen sein: Ein ägyptischer Gewürzhändler zeigt den Urheber der Ehec-Seuche. (Archivbild)
Der Bockshornkleesamen solls gewesen sein: Ein ägyptischer Gewürzhändler zeigt den Urheber der Ehec-Seuche. (Archivbild)
AFP
Der Hinweis auf den Ehec-Erreger ist erbracht: Eine Packung Sprossen. (10. Juni 2011)
Der Hinweis auf den Ehec-Erreger ist erbracht: Eine Packung Sprossen. (10. Juni 2011)
Reuters
Sanitäter bringen einen Patienten mit Ehec-Symptomen in die Uniklinik Eppendorf D. (24. Mai 2011)
Sanitäter bringen einen Patienten mit Ehec-Symptomen in die Uniklinik Eppendorf D. (24. Mai 2011)
Reuters
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Der Pharmakonzern Roche bietet neu zusammen mit dem deutschen Laborausrüster TIB Molbiol einen Schnelltest zur Identifizierung von EHEC-Bakterien an. Die Technologie dafür ist allerdings nicht neu. Sie ist bereits seit 2002 im Einsatz.

Dies erklärt auch, weshalb der Schnelltest in so kurzer Zeit entwickelt werden konnte. Mit dem Test sei der Nachweis von EHEC in weniger als einer Stunde möglich, hiess es in einer Medienmitteilung.

Weitere Fälle erwartet

In der Zwischenzeit breitet sich die Darmseuche EHEC auch ausserhalb Norddeutschlands aus und hat in zahlreichen europäischen Ländern zu schweren Erkrankungen geführt. Die Zahl der Todesfälle stieg am Montag auf 14 – zwölf der Toten sind Frauen.

Die deutsche Regierung rechnet mit einer weiteren Ausbreitung der EHEC-Welle. Nach einem Spitzentreffen von Bund, Ländern und Behörden in Berlin sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP): «Ergebnis ist, dass leider weiter mit einer steigenden Fallzahl zu rechnen ist.»

Europäische Dimension

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sagte: «EHEC hat längst eine europäische Dimension.» Sie betonte: «Wir stehen gemeinsam vor einer grossen Herausforderung. (...) Wir haben es mit einer ernsten Lage zu tun.»

Die Infektionsquelle wurden nach Angaben der Behörden noch nicht ausgemacht und könnte weiter aktiv sein. «Eine Reihe von Patienten ist deutlich gefährdet. Es sind auch keine weiteren Todesfälle auszuschliessen, sondern eher wahrscheinlich», sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts, Reinhard Burger. Er erneuerte die Empfehlung, Gemüse insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu essen. Waschen des Gemüses allein biete keinen sicheren Schutz.

Auf Deutschlandreise angesteckt

Aus mehreren europäischen Ländern wurden Erkrankungen mit dem EHEC-Erreger gemeldet. Besonders viele Fälle gibt es nach Angaben der EU-Kommission in Schweden. Nachgewiesen wurden demnach bisher 30 EHEC-Fälle, bei 13 davon handle es sich um schwererkrankte HUS- Patienten (hämolytisch-urämische Syndrom).

Auch aus Norwegen, Dänemark, Grossbritannien oder Österreich wurden Ansteckungen mit schwerem Krankheitsverlauf gemeldet. Ausserdem wurden erste Fälle ausserhalb Europas bekannt: Mindestens drei Amerikaner, die zuvor in Deutschland waren, seien erkrankt. Mehrere Länder verboten die Einfuhr von Gemüse aus Deutschland und Spanien.

In der Schweiz erkrankte bis zum Wochenende eine Frau nach der Rückkehr aus Deutschland am EHEC-Erreger. Hinzu kommen zwei weitere Verdachtsfälle. Am Montag wurden nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) keine neuen bestätigten Fälle gemeldet.

Entschädigung für spanische Landwirte

Der Darmkeim war letzte Woche in Hamburg auf drei Salatgurken aus Spanien nachgewiesen worden. Auch in Norwegen wurde der Erreger am Montag auf einer Gurkenlieferung aus Spanien entdeckt. Ob dieser der Erreger aber tatsächlich aus Spanien stammt, oder aber die Verunreinigung später passierte, ist noch nicht gesichert.

Die Laborergebnisse aus zwei unter Verdacht stehenden Betrieben in Almería und Málaga sollen laut der EU-Kommission spätestens am Mittwoch vorliegen. Seit dem Ausbruch der Darmepidemie haben Gemüsebauern in Spanien und Deutschland mit grossen Umsatzeinbussen zu kämpfen. Die Regierung in Madrid forderte von der EU Entschädigungen für die Landwirte.

Neue Therapieform schlägt an

Hoffnung für Schwererkrankte bringt eine neuartige Therapieform. Seit vergangenem Mittwoch wurden mehr als ein Dutzend Patienten an der Uniklinik in Hannover mit dem neuen Antikörper Eculizumab behandelt, der gegen akutes Nierenversagen wirken soll.

Es seien bereits Erfolge sichtbar, sagte Prof. Hermann Haller, der Leiter der Abteilung für Nieren- und Hochdruckerkrankungen. «Es nützt etwas, allerdings ist es kein Wundermittel», betonte der Arzt.

Auch am Hamburger Uniklinikum Eppendorf werden mehrere Patienten, die unter schweren Komplikationen infolge einer EHEC-Infektion leiden, mit dem Antikörper behandelt. Verlässliche Aussagen, ob die Therapie erfolgreich sei, seien aber erst in einigen Wochen möglich, sagte der dortige Nierenspezialist Rolf Stahl.

SDA/wid

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