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Patienten sitzen meistens am kürzeren Hebel

Patientenschützerinnen fordern: Wer wegen einer klinischen Studie einen Schaden erleidet, soll einfacher zu einer Entschädigung kommen. Forscher befürchten eine Flut von Klagen.

Patient A. S. wusste, dass er ein gesundheitliches Risiko einging, als er für eine Medikamentenstudie einwilligte. Darüber wurde er schriftlich und mündlich aufgeklärt. Was ihm jedoch niemand sagte: Er muss auch das finanzielle Risiko tragen. Prompt erlitt A. S. während der Studie eine schwere Infektion, eine bekannte Nebenwirkung des getesteten Medikaments, und musste deswegen seine beiden künstlichen Hüftgelenke auswechseln. Ein Jahr lang konnte A. S. nicht mehr arbeiten und danach nur noch zu 50 Prozent. Die Versicherung, welche der Studiensponsor abgeschlossen hatte, zahlte jedoch nichts. Der Grund: Dem Patienten gelang es nicht, den Zusammenhang zwischen dem Schaden und der Studie nachzuweisen.

Solchen Fällen begegnet Margrit Kessler immer wieder. «Eigentlich müssten wir Patienten raten, nie an einem Forschungsprojekt teilzunehmen», sagt die GLP-Nationalrätin und Präsidentin der Stiftung SPO Patientenschutz. Das Beispiel von Patient A. S. schildert sie in einem Brief an Bundesrat Alain Berset vom April 2013. Darin fordert sie eine Umkehr der Beweislast, wenn Probanden an einer klinischen Studie teilnehmen und dabei einen körperlichen Schaden erleiden. Es soll nicht mehr der Patient nachweisen müssen, dass er wegen der Studie an gesundheitlichen Schäden leidet, um finanziell entschädigt zu werden. Vielmehr müsste durch eine Beweislastumkehr die Versicherung die Abwesenheit eines Zusammenhangs zur Studie beweisen, wenn sie nicht zahlen will.

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