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Sars-ähnliches Virus verbreitet sich – WHO beruft Notausschuss ein

In China steigen die Infektionen mit dem neuartigen Virus auch ausserhalb dessen «Ursprungsstadt» rapide an – darunter in Peking.

Medizinisches Personal bringt Patienten ins Spital in Wuhan, die mit dem neuen Coronavirus infiziert wurden. (20. Januar 2020) Bild: Stringer/EPA/Keystone
Medizinisches Personal bringt Patienten ins Spital in Wuhan, die mit dem neuen Coronavirus infiziert wurden. (20. Januar 2020) Bild: Stringer/EPA/Keystone

Die mysteriöse Lungenkrankheit in China breitet sich überraschend schnell aus: Nicht nur, dass in der «Ursprungsstadt» Wuhan mehr als hundert Menschen neu mit dem Coronavirus infiziert wurden. Erstmals trat der Erreger nach Angaben der Behörden vom Montag auch in anderen Landesteilen auf, unter anderem in Peking.

Insgesamt gebe es schon mehr als 200 Infizierte, drei Menschen seien gestorben, hiess es. Insgesamt gaben die chinesischen Behörden fast 140 weitere Fälle von Erkrankungen bekannt, bisher war immer nur von einigen Dutzend die Rede.

Damit wurde nach Angaben des staatlichen Fernsehsenders CCTV inzwischen bei 217 Patienten in der Volksrepublik der mysteriöse Erreger diagnostiziert. 170 von ihnen wurden weiterhin in Krankenhäusern in der zentralchinesischen Elf-Millionen-Metropole Wuhan behandelt, wo nach Angaben der Gesundheitsbehörden ein dritter Todesfall auftrat. Der Zustand von neun Patienten sei ernst.

In der Hauptstadt Peking wurden fünf Patienten wegen Lungenentzündung behandelt, welche die Ärzte auf das neuartige Virus zurückführten. Zudem wurde am Montag ein erster Fall aus Shanghai bekannt. Auch die südchinesische Provinz Guangdong meldete 15 Fälle.

«Übertragung von Mensch zu Mensch sollte nicht ausgeschlossen werden»: Experten warnen vor dem neuartigen Coronavirus in China. Bild: Eugene Hoshiko/AP/Keystone
«Übertragung von Mensch zu Mensch sollte nicht ausgeschlossen werden»: Experten warnen vor dem neuartigen Coronavirus in China. Bild: Eugene Hoshiko/AP/Keystone

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berief für Mittwoch ein Krisentreffen in Genf ein. Ein Notfallkomitee soll sich mit der Krankheit befassen, wie die WHO am Montag bekanntgab. Die Experten sollen demnach darüber beraten, ob ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen wird.

Von Mensch zu Mensch übertragbar

Das neuartige Virus wird auch von Mensch zu Mensch übertragen. Wie das Expertenteam der chinesischen Gesundheitskommission am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua mitteilte, ist auch eine Infektion medizinischen Personals bestätigt. Der bekannte Lungenexperte und Chef des Teams Zhong Nanshan berichtete, dass zwei Fälle in der Provinz Guangdong nachweislich auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch zurückgehen.

Angesichts der Entwicklung schaltete sich am Montag erstmals der chinesische Staatschef Xi Jinping ein. Der Präsident habe «wichtige Anweisungen gegeben, damit der Ausbreitung der Epidemie mit aller Kraft Einhalt geboten wird», verkündete der Sender CCTV. Das Retten von Menschenleben habe «oberste Priorität».

Zugleich forderte der mächtigste Mann der Volksrepublik die Behörden auf, «Informationen zeitnah zu veröffentlichen und die internationale Zusammenarbeit zu vertiefen».

Erster Fall in Südkorea

Auch in Südkorea wurde das neuartige Coronavirus erstmals diagnostiziert. Betroffen ist eine 35-jährige Chinesin, die sich zuvor in Wuhan aufgehalten hat. Die Hiobsbotschaft von der Ausbreitung des Virus kam wenige Tage vor dem chinesischen Neujahrsfest am kommenden Wochenende. Rund um das Fest sind jedes Jahr Millionen Chinesen per Zug, Bus oder Flugzeug im Land und in ganz Asien unterwegs, was potenziell das Risiko einer weiteren Ausbreitung des Virus steigert.

Das Londoner Zentrum für die Analyse globaler Viruserkrankungen schätzt ohnehin, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten schon jetzt deutlich höher liegt als von Peking angegeben: Es hatte am Freitag mitgeteilt, dass es von mehr als 1700 Infizierten ausgehe.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Wuhan war das Virus zuerst im Dezember auf einem dortigen Fischmarkt aufgetreten.

Das neue Virus stammt aus der Erregerfamilie, zu der auch der tödliche Sars-Erreger gehört. An der Sars-Epidemie waren in den Jahren 2002 und 2003 knapp 350 Menschen in Festlandchina sowie knapp 300 weitere in Hongkong gestorben. Weltweit waren rund 8000 Menschen erkrankt, wovon fast 800 starben.

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(SDA)

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