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Männer sind ihre eigenen Experten

Wer es in der Wissenschaft weit bringen will, braucht Glaubwürdigkeit – und Aufmerksamkeit. Warum Männer diese bekommen, zeigt eine neue Studie.

Eine neue Studie belegt: Männliche Akademiker zitieren sich gern selbst. Das macht sie erfolgreicher (Symbolbild).
Eine neue Studie belegt: Männliche Akademiker zitieren sich gern selbst. Das macht sie erfolgreicher (Symbolbild).

Welche Faktoren entscheiden über eine erfolgreiche Karriere? Während Männer im Berufsleben als Meister der Eigenwerbung gelten, sagt man Frauen in diesem Punkt oft ein Übermass an Bescheidenheit nach. Eine neue Studie der Universitäten von Stanford, Washington und New York hat nun zutage gebracht, dass Männer sich auch in der akademischen Welt geschickter dabei anstellen, die eigene Karriere voranzubringen.

Wie die Zeitung «Washington Post» berichtet, halten sich die Herren unter den Wissenschaftlern dabei an den Rat eines alten Sprichworts: Viel hilft viel.

Zitate als Erfolgswährung

Wer wissenschaftlich arbeitet, dem ist folgende Praxis bestens bekannt: In einem akademischen Text getätigte Aussagen müssen konsequent belegt werden. Führt ein Akademiker in seiner eigenen Veröffentlichung Argumente eines Fachkollegen oder einer Kollegin an, muss er diese ordnungsgemäss zitieren, sprich die genaue Quelle nennen. In der akademischen Welt sind solche – typischerweise im Kleingedruckten, den Fussnoten, verborgenen – Zitate die Währung für Erfolg und berufliches Weiterkommen.

Darüber, ob ein Wissenschaftler Karriere macht oder als einflussreich gehandelt wird, entscheidet nicht nur der objektive fachliche Wert seiner Publikation. Häufig zählt mehr, wie oft der betreffende Autor von Fachkollegen zitiert worden ist. Eine beliebte Methode, dem eigenen Vorankommen etwas nachzuhelfen, ist die Praxis, sich selbst zu zitieren. Berufen Wissenschaftler sich in ihren aktuellen Forschungsarbeiten auf weitere Werke aus eigener Feder, kann das ihren Bekanntheitsgrad und ihren Einfluss unter Umständen nennenswert erhöhen.

Zurückhaltende Akademikerinnen

Meister dieser simplen Methode der Eigenwerbung sind – wie die Studie der drei namhaften US-Universitäten belegt – Männer, und das fächerübergreifend. Eine Erkenntnis, die die Forscher der Datenbank Jstor verdanken, einer Art gigantischen digitalen Bibliothek wissenschaftlicher Publikationen.

Ihre Auswertung von Datensätzen zwischen 1779 und 2011 ergab: Zehn Prozent aller Gesamtzitate in über 1,5 Millionen untersuchten Veröffentlichungen sind Eigenzitate. Und: Männer zitierten ihre eigenen Werke in dieser Zeitspanne 56 Prozent mal häufiger als Frauen. Noch signifikanter: Die Zahlenreihen der letzten beiden Jahrzehnte. Ganze 70 Prozent häufiger führen männliche Akademiker hier eigene Werke an.

Männer als Meister des Selbstmarketings

Die US-Forscher begründen diese Zahlen einerseits mit Erkenntnissen aus der Soziologie. Zahlreiche Studien bestätigen die These vom selbstbewussten Mann, der weitaus weniger Berührungsängste hat als seine Bürokollegin, wenn es um die geschickte Vermarktung der eigenen Qualitäten und Leistungen geht. Darüber hinaus beeinflusst auch ein anderer simpler Fakt die Forschungsergebnisse: Männer veröffentlichen mehr – historisch gesehen sowieso, aber auch in der heutigen Zeit.

Besonders gravierend – so die US-Forscher – sei der verhängnisvolle Effekt einer Art akademischen Schneeballsystems: Wissenschaftler beriefen sich in ihren Arbeiten naturgemäss bevorzugt auf vielzitierte Werke. Die Selbstnennung eines Wissenschaftlers erhöhe damit auch deutlich die Chance des eigenen Werks, als fachlich einflussreich und wissenschaftlich bedeutend eingestuft zu werden.

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