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«Missionarischer Eifer kann zu einem Placebo-Effekt führen»

Herr Cavalli, wie beurteilen Sie die homöopathische Krebstherapie der Clinica Santa Croce?

Es sind freundliche Leute, die fest an ihre Behandlungsmethode glauben. Ich war vor einiger Zeit dort und bekam alle Daten gezeigt. Ich fand nur keine Beweise, dass die homöopathische Therapie den Krankheitsverlauf beeinflusst hätte.

Franco Cavalli, Onkologe und Ex-Politiker. Foto: Keystone
Franco Cavalli, Onkologe und Ex-Politiker. Foto: Keystone

Patienten der Klinik sagen, dass sie sich bei der homöopathischen Behandlung erstmals ernst genommen fühlten.

Normale Spitäler könnten Patienten dieselbe psychologische Betreuung anbieten. Leider wird es häufig nicht gemacht. Auf der anderen Seite sehen wir bei den Komplementärmedizinern einen missionarischen Eifer. Das kann zu einem Placebo-Effekt führen. Das ist eine Verbesserung der Lebensqualität, keine Heilung.

Könnte es nicht heilend wirken, wenn Patienten von der Wirksamkeit der Homöopathie fest überzeugt sind?

Ich bin kein dogmatischer Gegner der komplementären Medizin. Viele Patienten wollen das. Wir müssen auch zugeben, dass es noch immer viele Krebsfälle gibt, die wir nicht heilen können. Neue Medikamente sind nicht so wirksam wie erwartet. Wenn verzweifelte Patienten nach Lourdes gehen oder in eine homöopathische Klinik – warum nicht? Man soll den Menschen nicht die letzte Hoffnung nehmen.

Gibt es eine Kampagne der Schulmedizin und der Medien gegen die Homöopathie?

Ich glaube nicht, dass sich nach der Zulassung alternativer Behandlungsmethoden die Schulmedizin revanchieren will. Es liegt eher am Spardruck im Gesundheitssystem. Damit sind wir alle konfrontiert. (bo)

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