Crystal Meth bereitet Kopfzerbrechen

Hintergrund

2012 wurde eine Rekordzahl von über 73 neuen Drogen gemeldet. In weiten Teilen Europas steigt vor allem der Konsum von Crystal Meth, einer besonders schnell abhängig machenden Modedroge.

Neue Designerdrogen sind europaweit eine grosse Herausforderung: Plastikcontainer, gefüllt mit Crystal Meth, sichergestellt von der Polizei. (15. März 2011)

Neue Designerdrogen sind europaweit eine grosse Herausforderung: Plastikcontainer, gefüllt mit Crystal Meth, sichergestellt von der Polizei. (15. März 2011)

(Bild: Keystone)

Die Volksdroge Nummer eins in Deutschland ist immer noch der Alkohol: Fast zehn Millionen Deutsche konsumieren zu viel davon, wie dem gestern in Berlin vorgestellten Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung zu entnehmen ist. Besonders unter den 18- bis 29-Jährigen wird in gesundheitsschädigendem Mass Alkohol getrunken: Ein Drittel der Frauen tut es, bei Männern in dieser Altersgruppe fast die Hälfte. Immerhin hatte die Drogenbeauftragte Mechthild Dykmans auch gute Nachrichten zu verkünden: Der ­regelmässige Alkoholkonsum unter den 12- bis 17-Jährigen geht seit einigen Jahren kontinuierlich zurück, liegt aber immer noch bei 14 Prozent. Tabak- und Cannabiskonsum haben sich in den vergangenen zehn Jahren gar halbiert.

Ein besonderes Augenmerk werden die deutschen Gesundheitsbehörden in den kommenden Jahren auf das kristalline Methamphetamin richten müssen, wegen seiner Erscheinungsform in kleinen Kristallen auch Crystal Meth, Ice oder Zombie-Droge genannt. Im europäischen Drogenbericht, der am Dienstag in Lissabon präsentiert worden war, wird explizit vor dieser gefähr­lichen, bewusstseinsverändernden und sehr schnell abhängig machenden Droge gewarnt. Gerade in Tschechien und der Slowakei ist Crystal Meth zur eigentlichen Modedroge geworden und in Deutschland haben laut dem jüngsten Bericht der Bundesregierung 2012 erstmals mehr Erstkonsumenten von­ illegalen Drogen zu Crystal Meth gegriffen als zu Heroin.

Geografisch begrenzt

Das bekommen vor allem die deutschen Bundesländer zu spüren, die Tschechien und der Slowakei geografisch am nächsten liegen: Bayern, Sachsen und Thüringen. Dort werden immer grössere Mengen von Crystal Meth von der Polizei beschlagnahmt, dort begeben sich immer mehr Menschen deswegen in Behandlung.

Die Drogenbeauftragte Dykmans war gestern in der Präsentation ihres Berichts wegen der geografischen Grenzen des Crystal-Meth-Konsums darum bemüht, das Problem nicht allzu gross erscheinen zu lassen. Es handle sich um kein bundesweites Phänomen, erklärte sie. Stichproben in den grossen «Drogen-Trend-Städten» Frankfurt, Hamburg und Berlin hätten ergeben, dass Crystal Meth dort noch kein relevanter Faktor sei. Es sei deshalb sinnlos oder gar kontraproduktiv, so Dykmans, jetzt eine landesweite Präventionskampagne zu starten. Die Experten der europäischen Drogenbeobachtungsstelle in Lissabon dächten auch so. Zunächst soll nun in Deutschland mithilfe einer wissenschaftlichen Studie abgeklärt werden, wer überhaupt die typischen Konsumenten von Crystal Meth seien.

In Deutschland und europaweit die grösste Herausforderung sind die neuen Designerdrogen. Der europäische Drogenbericht hält fest, dass 2012 über das sogenannte EU-Frühwarnsystem eine Rekordzahl von 73 neuen psychotropen Substanzen gemeldet wurden. Darunter waren unter anderem 30 synthetische Cannabinoide, die eine Cannabis-ähnliche Wirkungen aufweisen. Da sich die neuen Designerdrogen in Form und Zusammensetzung rasch verändern lassen, hinkt der Gesetzgeber immer einen Schritt hinterher.

Basler Zeitung

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