Coronavirus: Neuer Verdachtsfall in Basel

Am Universitätsspital wird derzeit ein Patient abgeklärt. Der Test wir von einem Labor in Genf durchgeführt.

Am Universitätsspital wird derzeit ein Patient abgeklärt. Der Test wir von einem Labor in Genf durchgeführt. Bild: Tamedia

Am Universitätsspital wird derzeit ein Patient abgeklärt. Der Test wir von einem Labor in Genf durchgeführt. Bild: Tamedia

Im Universitätsspital Basel gibt es derzeit einen Verdachtsfall auf das Coronavirus. Dies sagt Andreas Widmer, stellvertretender Chefarzt, zu Telebasel. Spitalsprecher Nicolas Drechsler bestätigt die Angaben auf Anfrage. Die Ergebnisse wurden im Verlauf des Dienstagnachmittags erwartet, liegen derzeit aber noch nicht vor. Ein ebenfalls in Basel bekannt gewordener Verdachtsfall hatte sich gestern nicht bestätigt.

Das Spital habe restriktive Richtlinien entwickelt. Widmer räumt gegenüber Telebasel ein: «Damit besteht doch eine gewisse Gefahr für unsere Mitarbeiter. Deshalb haben wir maximale Schutzmassnahmen gefordert.»

Keine bestätigte Fälle in der Schweiz

Bisher gibt es in der Schweiz keine bestätigte Infektion mit dem neuen Coronavirus. Das teilte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Montag auf Anfrage mit.

Zur Zahl der bisher getesteten Verdachtsfälle machte das BAG keine Angaben. Bei diesen Fällen könne auch die saisonale Grippe Ursache sein, sagte BAG-Sprecher Daniel Dauwalder. Es sei an Ärzten und Spitälern, abzuklären, ob eine Patientin oder ein Patient mit Grippesymptomen auf das neue Virus getestet werden müsse.

Ausschlaggebend dafür sei, ob die Person in China und speziell in Wuhan gewesen sei oder ob sie Kontakte mit Personen aus China gehabt habe, führte Dauwalder dazu aus. Ebenfalls die Ärzten müssten entscheiden, ob die Person in Quarantäne genommen werde und ob auch Angehörige untersucht werden müssten.

Vorsichtsmassnahmen bei Firmen

Noch ist für Experten unklar, wie gefährlich der Erreger wirklich ist. Das Virus sei ernst zu nehmen, sagte Manuel Battegay, Professor für Infektiologie und Innere Medizin an der Universität Basel und Chefarzt am Universitätsspital Basel, am Montag auf Anfrage.

Die Mehrheit der Infektionen verlaufen milde, mit grippeartigen Symptomen. Etwa 20 bis 25 Prozent der Fälle scheinen mit Komplikationen verbunden zu sein, und rund 2,5 Prozent der Infektionen nehmen einen tödlichen Verlauf. Das neue Virus ist gemäss heutigem Wissen ansteckender als die saisonale Grippe. Die Ansteckungsrate ist allerdings noch nicht abschliessend bekannt.

Schweizer Unternehmen, die in China tätig sind, haben wegen des Virus Massnahmen ergriffen. Sie schränken Reisen von und nach China ein und informieren ihre Mitarbeitenden über Vorsichtsmassnahmen.

Novartis zum Beispiel hat in China die Mitarbeitenden ermutigt, von zu Hause aus zu arbeiten und den Empfehlungen der lokalen Behörden zum Schutz ihrer persönlichen Gesundheit zu folgen, wie ein Sprecher zur Nachrichtenagentur AWP sagte.

Nestlé untersagte alle nicht zwingenden Reisen von und nach China für Mitarbeitende weltweit. In China seien zusätzliche Biosicherheitsmassnahmen in den Fabriken, Büros und Verteilzentren installiert worden, hiess es beim Nahrungsmittelkonzern. Er betreibt in China 32 Fabriken, aber keine in Wuhan.

Reisestopp noch kaum zu spüren

Die chinesische Regierung hat am Wochenende Gruppenreisen ins In- und Ausland gestoppt. Die Auswirkungen auf die Schweiz hielten sich bis Montag laut Tourismusvertretern noch in Grenzen. Die Gäste, die während der Ferien für das chinesische Neujahresfest in die Schweiz gereist seien, seien bereits da, hiess es bei Hotellerie Schweiz.

Schweiz Tourismus erwartet, dass in den kommenden Wochen und Monaten die Gästezahlen aus China um 30 bis 50 Prozent zurückgehen. Rund 40 bis 50 Prozent der Gäste reisten individuell von China in die Schweiz. Im Umkehrschluss heisst das also, dass ein grosser Teil immer noch über Gruppenreisen bucht.

«Die Reisezeit der Chinesen in der Schweiz beginnt meist erst so ab April richtig», sagte Michael Maeder, Chef des Swiss Travel Centre (STC). Der Reisevermittler für Ferien in der Schweiz, verkauft unter anderem Chinesen über chinesische Reiseveranstalter Gruppenreisen. Der Gruppenreise-Stopp schmerze daher zur Zeit nicht sehr. Diese Woche seien zwei geplante Gruppen abgesagt worden.

2018 buchten chinesische Gäste (inklusive Hongkong) rund 1,5 Millionen Hotelübernachtungen in der Schweiz, wie Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen. Innert zehn Jahren hat sich diese Zahl fast versechsfacht. Inzwischen sind Chinesen für rund 4 Prozent aller Logiernächte verantwortlich.

red/sda

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