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Antibiotika bei Husten wirkungslos

Ärzte, die bei Patienten mit Atemwegsinfekten auf das Antibiotikum Amoxicillin setzen, liegen möglicherweise falsch. Laut einer neuen Studie führt das Medikament nicht schneller zur Genesung als ein Placebo.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die meisten Leute von allein wieder gesund werden: Ein Mädchen lässt sich von einem Arzt untersuchen.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die meisten Leute von allein wieder gesund werden: Ein Mädchen lässt sich von einem Arzt untersuchen.
Keystone

Das bei Atemwegsinfekten häufig verschriebene Antibiotikum Amoxicillin führt nicht schneller zur Genesung als ein Placebo. Auch die Symptome werden nicht nennenswert verringert. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Medizinjournal «The Lancet».

«Little und seine Kollegen legen überzeugende Daten vor, die Allgemeinmediziner ermutigen sollten, bei risikoarmen Patienten auf Antibiotika zu verzichten, sofern kein Verdacht auf Lungenentzündung besteht», schreibt Philipp Schütz vom Kantonsspital Aarau in einem Kommentar zur Studie.

Viren als Ursache

Bisher war die Datenlage unklar, ob Antibiotika bei Husten mit Symptomen der unteren Atemwege nützlich sein könnten – speziell bei älteren Patienten. Meistens sind Viren die Ursache der Erkrankung, gegen die Antibiotika nicht helfen.

Das Team um Paul Little von der britischen University of Southampton untersuchte 2061 Erwachsene in zwölf europäischen Ländern. Diese erhielten zufällig entweder das Antibiotikum oder ein Placebo dreimal täglich für sieben Tage.

Mehr Nebenwirkungen durch Antibiotika

Sie fanden bei beiden Gruppen keine relevanten Unterschiede in Länge und Stärke der Symptome, auch nicht bei über 60-Jährigen. Die Gruppe mit Placebo wies minimal mehr Fälle auf, wo sich ein Symptom verschlimmerte oder ein neues auftrat, die Antibiotika-Gruppe zeigte dafür etwas häufiger Nebenwirkungen.

«Amoxicillin wird Patienten mit Atemwegsinfekten, bei denen kein Verdacht auf eine Lungenentzündung besteht, wahrscheinlich nicht helfen, könnte aber schaden», warnt Little. Gerade wenn sie unwirksam seien, hätten Antibiotika oft Nebenwirkungen wie Durchfall, Ausschlag oder Übelkeit.

Herausforderung bleibt

Little schlussfolgert: «Unsere Ergebnisse zeigen, dass die meisten Leute von allein wieder gesund werden. Aber da eine kleine Gruppe Patienten von Antibiotika profitiert, bleibt die Herausforderung, diese Individuen zu identifizieren.»

Gemäss Schütz könnte dies über den Nachweis von molekularen Spuren der Infektion im Blut geschehen. «Dies würde den schädlichen Nebenwirkungen und Kosten der Medikamente sowie einer möglichen Resistenzbildung bei anderen Patienten vorbeugen», sagt er.

SDA/wid

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