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Gott ging weg, die Angst blieb

Markus Somm über die Epidemie in den Köpfen.

Vor Wochen, die Coronavirus-Epidemie lag noch in ihren Anfängen, habe ich in einem Streitgespräch mit Roger Schawinski eine gewisse Skepsis geäussert, ob diese neuartige Krankheit wirklich so schlimm sei, und vor allem, ob wir unter Anleitung etwa der WHO oder anderer Behörden uns nicht viel zu rasch Sorgen machten. Wirkten wir nicht wie Menschen, die sich vor lauter Todesangst gleich selber umbringen? Heute, ich gebe es zu, sind diese Überlegungen vollkommen irrelevant, vielleicht auch weltfremd. Das Virus breitet sich unablässig aus, die Opferzahlen steigen, wenn auch auf tiefem Niveau, und zur Stunde scheint es schwer vorstellbar, dass wir uns irgendwann wieder die Hand geben. Eine Reise nach Venedig? Ein Toilettenaufenthalt ohne gründliches Händewaschen? Der Besuch eines Altersheims? Es handelt sich um Abenteuer, die so fern liegen, als gehörten sie in ein anderes Jahrhundert.

Zwar stimmt nach wie vor, dass eine Ansteckung für die meisten Menschen ungefährlich verläuft. Wer unter sechzig ist, muss sich kaum beunruhigen, nur die Älteren haben sich vorzusehen. Ebenfalls fällt es leicht, sich zu schützen, allein regelmässiges Händewaschen genügt, um das Risiko deutlich zu vermindern, und doch ist die Krise sehr real und deren Ende unabsehbar geworden. Ob wir überreagiert oder uns klug verhalten haben, kümmert keinen mehr: Weil wir Angst haben, gibt es immer bessere Gründe, Angst zu bekommen.

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