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Der blutige Sonntag der US-Bürgerrechtsbewegung

Ein halbes Jahrhundert nach der Niederschlagung des Bürgerrechtsmarsches von Selma erhält der Kampf der Afroamerikaner um Gleichberechtigung neuen Schub.

Blutiger Sonntag: Der 7. März 1965 geht als Bloody Sunday in die Geschichte der USA ein. Rund 600 friedliche Bürgerrechtsdemonstranten marschieren von Selma nach Alabamas Hauptstadt Montgomery, werden jedoch ausserhalb von Selma von der Polizei gestoppt und brutal niedergeknüppelt.
Blutiger Sonntag: Der 7. März 1965 geht als Bloody Sunday in die Geschichte der USA ein. Rund 600 friedliche Bürgerrechtsdemonstranten marschieren von Selma nach Alabamas Hauptstadt Montgomery, werden jedoch ausserhalb von Selma von der Polizei gestoppt und brutal niedergeknüppelt.
Keystone
Im Regen stehen gelassen: Afroamerikaner stehen Schlange vor dem Wahlregister in Selma. (17. Februar 1965)
Im Regen stehen gelassen: Afroamerikaner stehen Schlange vor dem Wahlregister in Selma. (17. Februar 1965)
Keystone
5 Tage und 4 Nächte, die in die Geschichte eingehen: Der dritte Marsch von Selma in die etwa 86 Kilometer entfernte Hauptstadt Montgomery dauert fünf Tage und vier Nächte. (22. März 1965)
5 Tage und 4 Nächte, die in die Geschichte eingehen: Der dritte Marsch von Selma in die etwa 86 Kilometer entfernte Hauptstadt Montgomery dauert fünf Tage und vier Nächte. (22. März 1965)
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Der erste afroamerikanische Präsident will nach Angaben des Weissen Hauses in seiner Rede die Generation seiner Kinder aufrufen, «die Fackel zu übernehmen, die die Demonstranten von Selma uns hinterlassen haben».

Die Kleinstadt im Südstaat Alabama ist ein symbolträchtiger Ort für die schwarze Bürgerrechtsbewegung. Der Civil Rights Act hatte 1964 die Rassentrennung in den Südstaaten verboten. Von einem Ende der Diskriminierung war das Land aber noch weit entfernt.

Vor allem im Wahlrecht stellten die Behörden in den südlichen Bundesstaaten hohe Hürden auf, um Afroamerikaner von den Urnen fernzuhalten. Von den 15'000 schwarzen Einwohnern in Selma hatten damals gerade einmal 300 die Erlaubnis zur Stimmabgabe.

Am 7. März 1965 versammelten sich rund 600 Demonstranten, um von Selma nach Alabamas Hauptstadt Montgomery zu marschieren. Die Polizei stoppte den friedlichen Zug ausserhalb von Selma an der Edmund-Pettus-Brücke und prügelte die Teilnehmer brutal nieder.

Dutzende wurden verletzt, einige schwer. Die Ereignisse, die als «blutiger Sonntag» in die Geschichte eingingen, wurden im Fernsehen übertragen und sorgten landesweit für Empörung.

Unter Schutz der Bundespolizei

Zwei Tage später stellte sich der afroamerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King an die Spitze von rund 2000 Demonstranten, die sich wieder von Selma aus in Bewegung setzten. Um eine erneute Konfrontation mit der örtlichen Polizei zu vermeiden, liess King die Menge vor der Edmund-Pettus-Brücke umkehren.

Am 21. März fand ein dritter Protestmarsch unter dem Schutz der Bundespolizei statt, bei dem am Ende rund 25'000 Menschen unter Führung von King in das knapp 90 Kilometer entfernte Montgomery einzogen.

«Heute möchte ich der Stadt Selma, dem Staat Alabama, der amerikanischen Bevölkerung und den Nationen der Welt sagen, dass wir keinen Schritt mehr zurück machen», sagte King in seiner Rede. «Von nun an geht es vorwärts.»

Am 6. August 1965 unterzeichnete der damalige Präsident Lyndon B. Johnson den Voting Rights Act, der ein gleiches Wahlrecht für alle US-Bürger garantierte. Die Wissenstests oder die Wählerregistrierung nach Steuerklassen, die vielen Afroamerikanern praktisch das Stimmrecht genommen hatten, waren fortan verboten.

Diskriminierung der Schwarzen bleibt

Der Kinofilm «Selma», der die Geschichte der Bürgerrechtsmärsche erzählt, war bei den diesjährigen Oscars als bester Film des Jahres nominiert. Das Problem der Diskriminierung von Schwarzen ist in den USA aber bis heute nicht gelöst. Arbeitslosigkeit und Armut sind unter Afroamerikanern deutlich stärker verbreitet. Das zu 80 Prozent schwarze Selma zählt zu den ärmsten Gemeinden von Alabama.

Viele Afroamerikaner fühlen sich von Polizei und Justiz systematisch benachteiligt. Fälle wie die Tötung des unbewaffneten schwarzen Teenagers Michael Brown durch den weissen Polizisten Darren Wilson im vergangenen August in Ferguson tragen zu dieser Stimmung bei.

Wilson drohen keine strafrechtlichen Konsequenzen. In einem Bericht prangerte das Justizministerium am Mittwoch das routinemässige Schikanieren von Afroamerikanern durch die überwiegend weisse Polizei in Ferguson an. So lag ihr Anteil an allen Festnahmen zwischen 2012 und 2014 bei 93 Prozent, obwohl sie nur zwei Drittel der Bevölkerung ausmachten.

Auch längst geschlagen geglaubte Schlachten wie der Kampf um das Wahlrecht sind für Afroamerikaner wieder aktuell. Im Juni 2013 kippte der Oberste Gerichtshof teilweise den Voting Rights Act. Und in mehreren Bundesstaaten wurden in den vergangenen Jahren Wahlgesetze verabschiedet, die nach Ansicht von Bürgerrechtsaktivisten die Stimmabgabe von Afroamerikanern und anderen ethnischen Minderheiten erschweren.

(SDA)

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