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«Wir nehmen niemandem eine Aktie weg»

Die Sika-Gründerfamilie wirft dem Management der Firma vor, es missachte ihre Eigentumsrechte. VR-Präsident Paul Hälg verteidigt nun seine Position.

Fürchtet um seinen Job: Paul Hälg, Präsident des Sika-Verwaltungsrates, anlässlich der Bilanzpressekonferenz. (27. Februar 2015)
Fürchtet um seinen Job: Paul Hälg, Präsident des Sika-Verwaltungsrates, anlässlich der Bilanzpressekonferenz. (27. Februar 2015)
Ennio Leanza, Keystone

Der Übernahmekampf zwischen der Gründerfamilie Burkard und dem Management des Bauchemieherstellers Sika geht in die nächste Runde: Paul Hälg, der Verwaltungsratspräsident des Baustoffkonzerns Sika, kontert den Vorwurf der Erbenfamilie Burkard, er missachte ihre Eigentumsrechte.

Im Interview mit der «SonntagsZeitung» sagt er: «Wir nehmen niemandem eine Aktie weg. Der Verwaltungsrat darf aber die Übertragung von Namensaktien verweigern. Dieses Instrument hat uns die Familie selber gegeben. Wenn es die Familie nun stört, dass wir dieses Recht wahrnehmen, frage ich: Wieso hat sie dann die Vinkulierung nicht aus den Statuten genommen?» Vor einer Woche hatte Urs Burkard in der« SonntagsZeitung» Hälg und dem Management vorgeworfen, sie hätten die Familie zur Seite geschoben.

«Nur» Blumen zum Jubiläum

Dazu sagt Hälg gegenüber der «Schweiz am Sonntag»: «Wenn die Familie mit uns so unzufrieden war, wie sie jetzt sagt, dann hätte sie uns abwählen sollen, nicht einfach die Firma verkaufen. Da geht es um 17'000 Mitarbeiter und um Milliarden von Wert, und Urs Burkard beklagt sich, dass seine Mutter zum letzten Jubiläum der Firma nur Blumen erhalten habe.» Hälg sagt, er könne nicht versprechen, dass die ordentliche Generalversammlung wie geplant am 14. April stattfindet. «Nein, ich kann nichts garantieren. Ich kann nur sagen: Wir haben im Moment keine Pläne und keine Veranlassung, die Generalversammlung zu verschieben. Aber es wäre denkbar.»

Als Lösung für eine Einigung mit Saint-Gobain schlägt er vor: «Wir haben zwei Vorschläge gemacht. Erstens könnte Saint-Gobain die Sika voll übernehmen. Das wäre eine saubere Lösung, aber teuer für Saint-Gobain. Darum haben wir einen Kompromissvorschlag gemacht. Dabei würde Sika den Mörtelbereich, in dem beide Firmen Konkurrenten sind, von Saint-Gobain voll übernehmen. Das Mörtelgeschäft ist ein Kerngeschäft von Sika, das sehr stark wächst und welches wir sehr profitabel führen. Aber die Gegenseite will diese konstruktiven Vorschläge nicht diskutieren und macht auch keine Vorschläge.»

Damit wäre die Situation gelöst, so Hälg: «Es kann doch nicht angehen, dass Saint-Gobain unter einem Dach zwei Konkurrenten gegeneinander antreten lässt, wobei der eine, nämlich Weber, ihnen zu 100 Prozent gehört und der andere, also wir, nur zu 16 Prozent. Das birgt doch enorme Interessenskonflikte, und Sika bliebe auf der Strecke.»

Von Konkurrenz unterwandert

Die Sika-Führung erklärte in einem Communiqué, die Gründerfamilie Burkard mit ihrer Schenker-Winkler-Holding bilde mit Saint-Gobain eine Gruppe und übe somit ihr Stimmrecht an der Generalversammlung nach den Weisungen von Saint-Gobain aus. Darin liege gemäss wiederholter bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine unzulässige Umgehung der statutarischen Stimmrechtsbeschränkung.

Die Familie hält über die Schenker Winkler Holding 16,1 Prozent des Aktienkapitals und – aufgrund spezieller Regeln – 52 Prozent der Stimmen. Sie will ihren Anteil und damit auch die Stimmenmehrheit, wie seit längerem bekannt, an den französischen Konzern Saint-Gobain verkaufen.

So will die Gründerfamilie an der Generalversammlung die drei bisherigen Verwaltungsräte Paul Hälg, Monika Ribar und Daniel Sauter abwählen lassen. Diese Personen würden sich aber vehement gegen ihre Abwahl wehren, schreibt die Familienholding.

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