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Wie die Schweizer abgezockt werden

Gewisse Produkte kosten in der Schweiz mehr als im Ausland. Eine Studie schätzt das Ausmass dieser Benachteiligung auf Milliarden.

Zum Beispiel Kosmetika kosten im grenznahen Ausland zum Teil deutlich weniger als in Schweizer Geschäften. Szene in einer Drogerie. Foto: Ennio Leanza (Keystone)
Zum Beispiel Kosmetika kosten im grenznahen Ausland zum Teil deutlich weniger als in Schweizer Geschäften. Szene in einer Drogerie. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Weil die Schweiz ein höheres Lohnniveau aufweist als das umgebende Ausland und auch ein insgesamt höheres Preisniveau, versuchen Unternehmen aus dem Ausland, das für sich auszunutzen. Sie verkaufen die gleichen Produkte in der Schweiz zu einem höheren Preis als in ihren eigenen Ländern. Dagegen will die Fairpreisinitiative vorgehen, die im März im Nationalrat beraten werden soll. Noch vor dieser Debatte sind die Initianten am Dienstag mit einer Studie an die Öffentlichkeit gelangt, die das Ausmass dieser Benachteiligung aufzeigen soll.

Beauftragt haben die Initianten mit der Studie Mathias Binswanger, Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er und seine Mitarbeiter haben die Preise von mehr als 1000 Produkten auf Internetshops seit Anfang Jahr analysiert. Dazu kommen Daten aus weiteren Erhebungen. Benachteiligt werden potenzielle Schweizer Kunden auf dem Netz vor allem durch das sogenannte Geoblocking. Damit sind Einstellungen auf der Homepage der Lieferanten im Ausland gemeint, die Kunden aus der Schweiz erkennen und diese auf andere Internetseiten umleiten, wo die gewünschten Produkte für sie (nach Währungsumrechnung) nur zu einem höheren Preis erhältlich sind.

Allein die Schweizer Spitäler zahlen gemäss den Erhebungen jährlich 600 Millionen zu viel.

Binswanger kommt zum Schluss, dass in den von ihm untersuchten Produktbereichen Schweizer Unternehmen, Institutionen und Konsumenten jährlich rund 3,33 Milliarden Franken zu viel bezahlen. Bei Unternehmen und Institutionen untersuchte er Produkte aus dem Gesundheitswesen, der Gastronomie und Hotellerie sowie aus dem Forschungsbereich und dem Bildungswesen.

Allein für die Spitäler kommt Binswanger auf 600 Millionen, die ohne Preisaufschlag eingespart werden könnten. Grundlage für diese Schätzung ist eine detaillierte Untersuchung des Kantonsspitals Winterthur, das im letzten Jahr die Preise von 1500 identischen Produkten aus dem Ausland mit denen in der Schweiz verglichen hat. Würde das Spital 70 Prozent seiner Verbrauchs- und Gebrauchsgüter direkt im Ausland zu den dortigen Preisen bestellen können, würde es jährlich 11,9 Millionen Franken einsparen.

Auf die Zahl für alle Spitäler von 600 Millionen Franken kommt Binswanger, indem er die Kosten in Winterthur von rund 12 Millionen auf alle Spitäler hochrechnet: Das Spital Winterthur hat an den Gesamtkosten der Schweizer Spitäler für Verbrauchs- und Hilfsgüter laut dem Ökonomen einen Anteil von etwa einem Fünfzigstel – Fünfzigmal die 12 Millionen führen dann zu den 600 geschätzten Millionen für alle Spitäler. Auf ähnliche Art rechnet Binswanger auch die von ihm erfassten Gesamtkosten für andere Bereiche hoch. So kommt er auf 289 Millionen Franken, die der Gastronomie und Hotellerie durch Preisaufschläge für Schweizer Firmen entgehen, und auf 40 Millionen Franken im Forschungsbereich.

Ehemaliger Preisüberwacher schätzt den Nachteil auf 15 Milliarden

Besonders hoch ist laut Binswangers Schätzung mit 2,4 Milliarden der Betrag, der den Schweizer Konsumenten direkt durch Preisaufschläge entgeht: Am meisten ragt der Bekleidungsbereich heraus. Hier fanden sich Preisaufschläge von bis zu 78 Prozent bei einem identischen Anbieter für die gleichen Produkte. Im Durchschnitt belaufen sich die Aufschläge in diesem Bereich auf 20 Prozent. Laut dem Ökonomen bezahlen die Schweizer für Kleider deshalb gemäss seiner Schätzung 1,86 Milliarden Franken zu viel.

Die gesamte Summe, die den Schweizer Unternehmen und Konsumenten durch zu hohe Importpreise verloren geht, schätzt der einstige Preisüberwacher und Ex-SP-Nationalrat Rudolf Strahm auf 15 Milliarden Franken. Er hat sie errechnet, indem er von sämtlichen Importen in die Schweiz all jene ausgewiesenen Ausgaben abzieht, die nicht auf eine Preisbenachteiligung durch ausländische Lieferanten zurückgehen können.

Sowohl die Berechnung von Strahm als auch jene von Binswanger führen zu einer überaus groben Schätzung, und die Zahlen müssen mit Vorsicht genossen werden. Vor allem aber die detaillierten Preisvergleiche in Binswangers Studie für konkrete, identische Produkte lassen aber keinen Zweifel an einer Benachteiligung von Schweizer Kunden.

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