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Wenn das Taxi von oben kommt

Die Verkehrssysteme in Städten sind überlastet. Neue Fluggeräte sollen das Problem lindern. Jetzt hat Airbus einen Prototyp entwickelt.

Der Volocopter wird von 18 pizzagrossen Rotoren angetrieben, die über der Passagierkabine in einem ringförmigen Gestell angebracht sind. (Foto: Volocopter)
Der Volocopter wird von 18 pizzagrossen Rotoren angetrieben, die über der Passagierkabine in einem ringförmigen Gestell angebracht sind. (Foto: Volocopter)

So recht wusste die deutsche Kanzlerin Angela Merkel nicht, was sie von dem weissen Flugobjekt halten sollte. Beim Digitalgipfel der Regierung im Dezember in Nürnberg stiess die CDU-Politikerin auf ein futuristisches Vehikel: das Lufttaxi Lilium Jet der Firma Lilium. Elektrisch betrieben, 300 Kilometer pro Stunde schnell, Landung an jedem Ort möglich. Und das für Passagiere zum Preis einer Zugfahrt. Merkel liess sich die Vorzüge des Geräts mit kippbaren Propellern von Erfinder Daniel Wiegand erklären. «Und wann heben Sie ab?», wollte Merkel am Ende wissen. «Wir fliegen längst», sagte Wiegand.

Es sind diese Pläne für eine neue Form des Fliegens, die derzeit viele Unternehmen weltweit umtreiben. Was nach ferner Zukunft klingt, ist bereits zu Projekten geworden, in die Konzerne wie Daimler, Uber oder Airbus Hunderte Millionen Euro stecken. Man wolle die Mobilität in die dritte Dimension bringen, kündigt Daimler-Chef Dieter Zetsche an – und investierte in die Elektro-Hubschrauberfirma Volocopter. Am Montag nun will auch Airbus seine Vision präsentieren: Den City-Airbus, das erste elektrisch betriebene Mini-Fluggerät des Konzerns für Metropolen. Es soll wie ein Hubschrauber senkrecht starten und landen können und bis zu vier Personen befördern – in ein paar Jahren auch automatisch ohne Pilot.

Airbus arbeitet derzeit gleich an zwei Projekten im Bereich Urban Air Mobility, wie das neue Marktsegment heisst. Der City-Airbus soll nach der Präsentation in Ingolstadt in den nächsten Wochen fliegen. Schon weiter ist der Vahana, den die Airbus-Technologietochter A3 im Silicon Valley entwickelt hat. Seit Januar 2018 hat der Einsitzer etwa 50 Flüge absolviert. Die beiden Geräte dienen vorerst nur als Konzeptstudien.

Verkehrsforscher hoffen eigentlich seit Langem auf innovative Ideen gegen die wachsenden Mobilitätsprobleme in urbanen Regionen. Die meisten Verkehrsträger sind am Limit. Die Bahn verbucht Passagierrekorde, fährt aber auch immer mehr Verspätungen ein. Flughäfen sind überlastet. U- und S-Bahnen sind meist schon so dicht getaktet, dass sich ihre Kapazität nur mit neuen und teuren Trassen ausbauen lässt. Und die Zahl der Staus auf den Strassen nimmt vielerorts zu. Die Folgen des Verkehrschaos sind nicht nur Ärger und Zeitverlust. Der wachsende Verkehr produziert auch immer mehr Abgase. Er schadet Natur, Klima und Gesundheit.

Die Zeitpläne der Unternehmen für ihre Luft-Visionen sind ehrgeizig. Uber-Taxis etwa sollen in Los Angeles bereits 2023 auch von oben kommen. Bei Airbus glaubt man, um 2025 irgendwo auf der Welt innerstädtische Flüge anbieten zu können. Die Vision ist für manchen Stadtplaner ja auch verlockend: Der öffentliche Nahverkehr liesse sich entlasten, ohne massive Kosten und lange Bauzeiten für neue Schienen, Stationen und Tunnel.

Dafür gibt es keine Regeln

Doch ob sich die urbanen Flug-Hoffnungen wirklich so erfüllen, ist fraglich. «Diese Vehikel müssen in Bezug auf Sicherheit, Leistung, Lärm und Allwetterfähigkeit entwickelt werden», sagt Rolf Henke, Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, zuständig für Forschung und Technologie. So müsse man darauf achten, welchen Sicherheitsabstand solche Vehikel zueinander in der Luft benötigen, und wie Landeplätze in winddurchtosten Hochhausgegenden beschaffen sein müssten.

Das Zusammenwirken «Hunderter bis Tausender solcher Fluggeräte in engen Strassenschluchten» verlange eine Form von Flugführung, «die wir heute noch gar nicht kennen – reine Autonomie wird es kaum sein können.» Henke warnt zudem: «Für alle diese Fragen wird an entsprechenden Zulassungsregeln gearbeitet, die wir eben noch nicht haben, und das wird in unser aller Interesse vermutlich auch nicht so schnell gehen.»

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