Zum Hauptinhalt springen

Wegschauen aus Prinzip

Die «Luanda Leaks» decken die westliche Mitverantwortung an der Korruption in Afrika auf.

Wenn niemand etwas dagegen unternimmt, haben Leute wie sie ein leichtes Spiel: Isabel dos Santons hat hunderte Millionen aus der angolanischen Staatskasse abgehoben. Foto: AP
Wenn niemand etwas dagegen unternimmt, haben Leute wie sie ein leichtes Spiel: Isabel dos Santons hat hunderte Millionen aus der angolanischen Staatskasse abgehoben. Foto: AP

Der Kontrast könnte nicht grösser sein. Hier schwerreiche VIPs in ihren edlen Abendroben und mit einem Champagnerglas in der Hand. Da kleine Kinder, die im Abfall und Dreck spielen. Diese zwei Welten haben so gar nichts miteinander zu tun. Könnte man meinen. Doch tatsächlich ist der Champagner der VIPs mit dem Geld bezahlt, das den kleinen Kindern eigentlich aus dem Dreck helfen sollte.

Dieses triste Bild bleibt als Essenz der Enthüllungen aus den «Luanda Leaks» zurück, über das Medien in den letzten Tagen weltweit berichtet haben, darunter diese Zeitung. Das Datenleck zeigt, wie Isabel dos Santos, die Tochter des ehemaligen angolanischen Präsidenten, von Hunderten Millionen aus der Staatskasse profitiert hat. Es wäre jetzt viel zu einfach zu sagen, dass in Angola halt andere Zustände herrschen, dass Nepotismus und Korruption dort normal sind und uns das alles nichts angeht. Denn: Bereicherung auf so hohem Niveau ist nur möglich, wenn renommierte westliche Firmen und Institutionen beim schmutzigen Spiel mitmachen.

Wenn sich jeder nur um Formalitäten und korrekte Jahresabschlüsse kümmert, dann haben Leute wie Isabel dos Santos ein leichtes Spiel.

Isabel dos Santos zählt auf ein Heer von willigen Helfern im Westen, die ihr aus Staatsgeldern finanziertes Imperium aufgebaut haben. Anwälte, Banker, Treuhänder, aber auch die sogenannten Big Four, die grossen Wirtschaftsprüfer und -berater wie PricewaterhouseCoopers und KPMG. Sie alle waren Steigbügelhalter beim Griff in die Staatskasse und haben dabei den eigenen Profit über die Moral gestellt. Wer im Getriebe von Isabel dos Santos ein Rädchen am Laufen hält, verdient gut. Hunderttausend Franken für die treuhänderische Führung einer Holding – wie im Fall eines Zuger Anwalts –, das ist leicht verdientes Geld.

Auf Englisch werden die Helfer häufig als Enabler bezeichnet – «Möglichmacher». Ein treffender Begriff. Interessant ist eine der Rechtfertigungsstrategien, welche die «Möglichmacher» gerne vorbringen. «Die anderen helfen auch mit, und die haben das sicher auch sehr seriös geprüft»: Kollektive Verantwortungsdiffusion.

Dass sich sogar das Weltwirtschaftsforum in Davos auf Isabel dos Santos eingelassen und sie an das diesjährige Meeting eingeladen hat, passt da ganz gut ins Bild. Der Rückzieher kam gerade noch rechtzeitig, um ein PR-Desaster abzuwenden.

Der involvierte Zuger Anwalt vertritt die Ansicht, er brauche sich nur darum zu kümmern, dass bei seiner Holding im Herzen des Dos-Santos-Imperiums alles korrekt läuft und dokumentiert ist. Das bringt es auf den Punkt, was viele «Möglichmacher» tun: aktiv wegschauen. Doch wenn sich jeder nur um Formalitäten und korrekte Jahresabschlüsse kümmert, aber die grösseren Zusammenhänge ignoriert, dann haben Leute wie Isabel dos Santos ein leichtes Spiel.

Die Schweiz steckt einmal mehr mittendrin in einem internationalen Finanzskandal.

Die «Luanda Leaks» zeigen das Problem exemplarisch auf. Ein und derselbe Clan kontrolliert beide Seiten, die staatliche, die bezahlt, und die private, die profitiert. So ist es natürlich ein Leichtes, formal korrekte Verträge zu erstellen, mit welchen sich die westlichen «Möglichmacher» zufriedengeben können. Obwohl die Deals, die damit in Gang gesetzt werden, höchst fragwürdig sind – und eben beispielsweise dazu führen, dass mit dem Volksvermögen statt eine bessere Zukunft für die angolanischen Kinder der Champagner der Reichsten bezahlt wird.

Mit der Luxus-Schmuckfirma De Grisogono in Genf, die über hundert Millionen aus Angola verpulvert hat, mit dem Zuger Anwalt, der ausgerechnet für die CVP Politik machte, und mit dem WEF steckt die Schweiz einmal mehr mittendrin in einem internationalen Finanzskandal. Doch es gibt auch eine positive Nachricht: Die Schweizer Banken fehlen ausnahmsweise.

Im Datenleck findet sich ein E-Mail-Verkehr, in dem sich «Möglichmacher» darüber austauschen, wie schwierig es sei, ein Konto zu eröffnen. Den Schweizer Banken war das Risiko offenbar zu gross, mit der angolanischen Präsidentenfamilie Geschäfte zu machen. Das allein spricht Bände.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch