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Russen werfen SRF Fake News vor

Eine Protestaktion gegen Jair Bolsonaro wird vom Schweizer Fernsehen gefilmt. Waren die TV-Leute zu nahe dran?

Vorwurf der Inszenierung: Ein russischer Journalist twitterte dieses Bild des «Tagesschau»-Beitrags. Foto: Twitter
Vorwurf der Inszenierung: Ein russischer Journalist twitterte dieses Bild des «Tagesschau»-Beitrags. Foto: Twitter

«Schweizer SRF filmt Anti-Bolsonaro-Protest, Journalistin stellt sicher, dass es gut aussieht. Inszeniert?», fragte gestern Mittwoch besorgt ein Korrespondent des russischen Nachrichtenportals Sputnik via Twitter vom WEF in Davos.

Der dazugehörige Artikel auf der Sputnik-Website trägt den Titel «Beinahe real» und enthält eine 34-sekündige Videosequenz, die Dreharbeiten im Schnee zeigt. Drei kostümierte Personen posieren für die Kamera und werden von einer Dialekt sprechenden Frau angeleitet: «Mee gäge links, perfekt.» Ein Darsteller mimt einen Baum, ein zweiter geht ihm mit der Kettensäge zu Leibe, er trägt eine Maske mit dem Gesicht des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Die etwas hölzerne Performance ist offenbar ein Protest gegen Bolsonaros Umweltpolitik und seinen Besuch am WEF. Einige Sekunden der Sequenz waren am Mittwoch in der Tagesschau zu sehen.

Sputnik ist – wie Russia Today – eine vom russischen Staat geförderte Medienplattform. Sie schiesst regelmässig gegen die europäische «Mainstream-Presse» und versichert ihren Lesern und Hörern, dass sie belogen werden, ständig. Der Krieg in Syrien, Russland auf der Krim, die Gefahr der Einwanderung, alles sei ganz anders. Anti-Propaganda-Stellen der EU werten Sputnik wie Russia Today als russische Desinformation und Einflussnahme.

Doch die Beobachtung des Sputnik-Korrespondenten ist ja tatsächlich kurios. Kann es sein, dass SRF-Journalisten gemeinsam mit Demonstranten am optimalen Bild arbeiten? Hat der russische Provokateur für einmal einen echten Missstand aufgedeckt? «Kasperlitheater statt Journalismus», kommentierte der «Weltwoche»-Journalist Alex Baur den Sputnik-Hinweis auf Twitter. Und fügte hinzu: «Service publique!» (sic) Baur hat den immer wieder mit Bildern der Gewalt spielenden Bolsonaro in der «Weltwoche» verteidigt: «Der Mann könnte sich als Glücksfall erweisen.»

SRF weist jeden Vorwurf von sich. «SRF hat nichts inszeniert. Die Frau, die im besagten Video Anweisungen gibt, gehört zu den Aktivisten und ist keine SRF-Mitarbeiterin», sagt SRF-Mediensprecher Stefan Wyss auf Anfrage.

Gut zu wissen. Bleibt die Frage, was die Frau bei der SRF-Kamera macht. Wie Kamerateams grundsätzlich mit Demonstranten und Selbstdarstellern umgehen sollen, die ihre eigenen Co-Regisseure dabeihaben und sich zu den SRF-Leuten stellen, könnte intern wohl besprochen werden. Etwas Distanz kann hier nicht schaden. Lieber schlecht ausgeleuchtete Demonstranten als ein Verdacht von optimierter Wirklichkeit.

* Dieser Artikel wurde korrigiert. Der Journalist der «Weltwoche» hat Bolsonaro nicht als «Glücksfall» bezeichnet, sondern geschrieben: «Der Mann könnte sich als Glücksfall erweisen.»

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Die russischen Propaganda-Tricks

So entstehen Fake News: Laut einem Dokumentarfilmder «New York Times» wendet die russische Propaganda sieben einfache Regeln an. Video: NYT

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