Zum Hauptinhalt springen

Was ist günstiger: E-Auto oder Benziner?

Kaufpreis, Tanken, Service – ein Kostenvergleich zeigt, wann sich der Kauf eines Elektroautos lohnt.

Yannick Wiget
Teurer beim Einkauf, dafür billiger beim Service: Ein Elektroauto wird mit Strom aufgeladen.
Teurer beim Einkauf, dafür billiger beim Service: Ein Elektroauto wird mit Strom aufgeladen.
Keystone

Den Elektroautos gehört die Zukunft, das bezweifeln die wenigsten. Doch die Schweizerinnen und Schweizer steigen nur langsam um. Heute sind erst knapp 3 von 100 Neuwagen elektrisch angetrieben. Bei einem Teil davon handelt es sich um Hybride oder Plug-in-Hybride, die sowohl mit Sprit als auch mit Strom fahren. Reine Elektroautos machen sogar erst 1,6 Prozent der neu in Verkehr gesetzten Fahrzeuge in der Schweiz aus.

Für die Zurückhaltung der Autofahrer gibt es verschiedene Gründe. Da sind zum einen die Anschaffungskosten: E-Autos sind in der Regel teurer als ihre konventionellen Pendants, die mit Benzin oder Diesel getankt werden. Die eingeschränkte Auswahl spielt ebenfalls eine Rolle. In der Wahrnehmung der Kunden sind schlicht zu wenige attraktive Elektroautos auf dem Markt verfügbar.

Ausserdem wird die Alltagstauglichkeit elektrisch betriebener Fahrzeuge infrage gestellt. Ladestationen für den Strom sind noch nicht flächendeckend verfügbar, und der Ladevorgang dauert lange. Viele Kunden lassen sich auch von einem Kauf abhalten, weil sie an der Reichweite von E-Autos zweifeln.

Es gibt aber auch Kostengründe, die für das Elektroauto als Alternative zum Benziner oder Diesel sprechen. Letztere brauchen frische Luft- und Dieselfilter, einen Ölwechsel oder neue Zündkerzen, verursachen also hohe Wartungskosten. Beim E-Auto beschränkt sich der Service oft auf das Auswechseln des Pollenfilters oder andere Kleinigkeiten. Es muss viel seltener in die Garage (Mechaniker fürchten deshalb bereits um ihr Geschäftsmodell, wie Redaktion Tamedia bereits berichtete).

Ein Vergleich von Comparis hat zudem gezeigt, dass Schweizer Versicherer für Elektroautos bis zu 56 Prozent günstigere Prämien anbieten als für Fahrzeuge mit konventionellen Antriebssystemen. Das gleicht den hohen Kaufpreis wieder ein wenig aus.

«Ganzheitlich betrachtet, zeigen sich Kostenvorteile von Elektroautos.»

Progenium, Beratungsunternehmen

Aber was ist nun billiger, Elektroautos, Benziner oder Diesel? Das Beratungsunternehmen Progenium hat in einer Studie die Gesamtkosten von rein elektrisch und konventionell betriebenen Fahrzeugen verglichen. Dazu zählte es Fixkosten, Werkstattkosten, Betriebskosten und Wertverlust, die sich bei einer Nutzung während vier Jahren und 60’000 Kilometern ergeben. Das Ergebnis: Es kommt auf die Fahrzeugkategorie an.

So spielt es bei den Kleinstwagen aus finanziellen Gründen praktisch keine Rolle, ob man mit Strom- oder Dieselantrieb fährt. Über die gesamte Haltedauer kommen Kosten von 21’600 beziehungsweise 21’400 Euro zusammen – ein Unterschied von lediglich 1 Prozent. Vergleichbare Benziner sind jedoch 3000 Euro oder 17 Prozent günstiger.

Weniger attraktiv sind Elektroautos auch in der Klasse der Kleinwagen. Modelle, die mit Benzin oder Diesel betrieben sind, verursachen in vier Jahren 4000 Euro weniger Kosten. Bei Fahrzeugen der Kompaktklasse wie beispielsweise dem VW Golf oder Ford Focus sind die Unterschiede jedoch nicht so gross. Und elektrisch betriebene Kleintransporter sind sogar 400 beziehungsweise 1200 Euro günstiger also solche, die mit Diesel oder Benzin fahren.

Möglich machen das die tiefen Werkstatt- und Fixkosten bei elektrischen Fahrzeugen, die eine einfachere Technik aufweisen als Verbrenner. Auch die Betriebskosten fallen deutlich geringer aus. Bei kurzer Laufzeit und -leistung sind Elektrofahrzeuge laut der Studie deshalb tendenziell günstiger als Diesel und Benziner.

Anders sieht es bei Vielfahrern aus, die mehr als 15’000 Kilometer im Jahr im Auto unterwegs sind. Für sie lohnt sich ein elektrisch betriebenes Auto oft nicht, weil der Wertverlust deutlich höher ist. Bei Elektrofahrzeugen macht dieser 65 Prozent der Gesamtkosten aus, weit mehr als bei Diesel (53 Prozent) und Benzinern (50 Prozent). Das führt dazu, dass E-Autos über längere Laufzeit und Laufleistung verhältnismässig teurer werden.

«Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb werden günstiger.»

ADAC

Zum selben Schluss kommt auch der deutsche Automobilclub ADAC. «Während sich Elektro- und Plug-in-Hybride ideal für Pendler und Fahrten im urbanen Umfeld eignen, sind diese für Langstreckenfahrer weniger geeignet», schrieb er im Fazit eines Vergleichs, den er Anfang dieses Jahres erstellt hat. Für die Berechnung der Gesamtkosten wurden neben dem Kaufpreis, Wertverlust und den Betriebskosten auch Steuern und Versicherung berücksichtigt.

In 27 Vergleichsgruppen war das E-Auto 6-mal der Kostensieger – und dann auch nur knapp. Gemäss ADAC liegt das vor allem am hohen Kaufpreis. Damit die Kostenbilanz von rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen besser ausfällt, müssten die Kaufpreise weiter sinken und nur geringfügig über denen eines vergleichbaren konventionellen Modells liegen. Grundsätzlich stellt die Studie aber fest, dass Fahrzeuge mit Elektroantrieb immer günstiger werden.

Bildstrecke: Diese Hersteller bauen E-Autos

Volkswagen lässt sich trotz Abgasskandal nicht von der Fahrbahn drängen: VW-Vorstandsmitglied Herbert Diess präsentiert das Elektroauto I.D. an der Automesse in Paris. Es soll 600 Kilometer mit einer Batterieladung fahren können. (29. September 2016)
Volkswagen lässt sich trotz Abgasskandal nicht von der Fahrbahn drängen: VW-Vorstandsmitglied Herbert Diess präsentiert das Elektroauto I.D. an der Automesse in Paris. Es soll 600 Kilometer mit einer Batterieladung fahren können. (29. September 2016)
Jacky Naegelen, Reuters
Ist stolz auf seine neue Elektrolinie: Daimler-Chef Dieter Zetsche präsentiert den neuen Mercedes EQ. (29. September 2016)
Ist stolz auf seine neue Elektrolinie: Daimler-Chef Dieter Zetsche präsentiert den neuen Mercedes EQ. (29. September 2016)
Michel Euler, Keystone
Zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse treiben den SUV über eine Reichweite von 500 Kilometer an. (29. September 2016)
Zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse treiben den SUV über eine Reichweite von 500 Kilometer an. (29. September 2016)
Jacky Naegelen, Reuters
Bunt und umweltfreundlich: Der Konzernleiter Karl-Thomas Neumann stellt den Opel Ampera-e vor. Das Kleinauto soll bereits ab Anfang 2017 zu kaufen sein und verspricht eine Reichweite von 500 Kilometern . (29. September 2016)
Bunt und umweltfreundlich: Der Konzernleiter Karl-Thomas Neumann stellt den Opel Ampera-e vor. Das Kleinauto soll bereits ab Anfang 2017 zu kaufen sein und verspricht eine Reichweite von 500 Kilometern . (29. September 2016)
AP Photo/Christophe Ena
Ein Fahrzeug für zwei: Der Smart fortwo schafft zwar nur 160 Kilometer, dürfte sich aber vor allem im Stadtverkehr wohlfühlen. Ab Anfang 2017 wird er auf den Strassen unterwegs sein. (29. September 2016)
Ein Fahrzeug für zwei: Der Smart fortwo schafft zwar nur 160 Kilometer, dürfte sich aber vor allem im Stadtverkehr wohlfühlen. Ab Anfang 2017 wird er auf den Strassen unterwegs sein. (29. September 2016)
Michel Euler/AP Photo
Unter Strom: So werden die Elektroautos aufgeladen. (29. September 2016)
Unter Strom: So werden die Elektroautos aufgeladen. (29. September 2016)
Benoit Tessier, Reuters
Gewagtes Design: Toyota setzt nun auf Brennstoffzellen beim Antrieb. Im Bild ist das Konzeptauto FCV Plus. Nach der Befüllung des Tanks, wird der Wasserstoff in der Brennstoffzelle in Strom umgewandelt.(29. September 2016)
Gewagtes Design: Toyota setzt nun auf Brennstoffzellen beim Antrieb. Im Bild ist das Konzeptauto FCV Plus. Nach der Befüllung des Tanks, wird der Wasserstoff in der Brennstoffzelle in Strom umgewandelt.(29. September 2016)
Benoit Tessier, Reuters
Grösseres Modell: Der Toyota Mirai ist ebenfalls mit dem Hochdruckwasserstofftank ausgerüstet. Die Reichweite beträgt 500 Kilometer. Ab 2017 kommt er auf den europäischen Markt. (29. September 2016)
Grösseres Modell: Der Toyota Mirai ist ebenfalls mit dem Hochdruckwasserstofftank ausgerüstet. Die Reichweite beträgt 500 Kilometer. Ab 2017 kommt er auf den europäischen Markt. (29. September 2016)
Benoit Tessier, Reuters
Eine Nummer grösser: Der Tesla Model X ist die SUV-Version des amerikanischen Autoherstellers. Der Siebensitzer hat eine Reichweite von 355 Kilometern und ist bereits auf dem Markt. (29. September 2016)
Eine Nummer grösser: Der Tesla Model X ist die SUV-Version des amerikanischen Autoherstellers. Der Siebensitzer hat eine Reichweite von 355 Kilometern und ist bereits auf dem Markt. (29. September 2016)
Benoit Tessier, Reuters
Würde Batman gefallen: Mit der Elektrostudie Trezor gibt Renault einen Ausblick auf das Design der Zukunft. (30. September 2016)
Würde Batman gefallen: Mit der Elektrostudie Trezor gibt Renault einen Ausblick auf das Design der Zukunft. (30. September 2016)
Benoit Tessier, Reuters
1 / 12

Das Center of Automotive Management, ein Institut für Mobilitätsforschung, glaubt denn auch, dass sich der Kostenvorteil in den kommenden Jahren deutlich Richtung Elektroautos verlagern wird. Zum einen, weil ihre Batterien leistungsfähiger werden und zum anderen, weil sich die Herstellungskosten von Benzin- und Dieselfahrzeugen wegen verschärfter Umweltregularien verteuern könnten.

Sobald sich Schweizer Kunden E-Autos für den gleichen oder sogar tieferen Preis wie vergleichbare Benzin- und Dieselmodelle leisten können, dürfte auch hierzulande der Absatz anziehen. Im Jahr 2022 soll der Markt­anteil von Elektroautos mindestens 15 Prozent betragen, darauf einigten sich die Autoimporteure mit Bundesrätin Doris Leuthard am runden Tisch.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch