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Warum der Corona-Crash für Anleger eine Kaufchance ist

Wer einen langen Anlagehorizont und die nötigen Nerven hat, kann jetzt günstig kaufen. Drei Tipps unseres Experten.

Es war ein denkewürdiger Tag, als am 12. März der Deutsche Aktienindex DAX ihren zweithöchsten Tagesverlust der Geschichte einfuhr. Ein Mann fotografiert den Börsenkurs in Frankfurt. Foto: Ralph Orlowski (Reuters)
Es war ein denkewürdiger Tag, als am 12. März der Deutsche Aktienindex DAX ihren zweithöchsten Tagesverlust der Geschichte einfuhr. Ein Mann fotografiert den Börsenkurs in Frankfurt. Foto: Ralph Orlowski (Reuters)

Die Aktienmärkte nehmen die künftige Entwicklung der Wirtschaft vorweg: Die Anlegerinnen und Anleger kaufen, wenn sie von Unternehmen höhere Gewinne erwarten, und sie verkaufen, wie in der aktuellen Coronakrise, wenn sie bei Firmen rückläufige Ergebnisse erwarten. Auf dieser Ebene funktioniert die Börse rational.

Es ist offensichtlich, dass die Konjunktur weltweit starken Schaden nimmt, und wahrscheinlich, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession abgleitet. Vor diesem Hintergrund waren die Bewertungen der Aktien fast ausnahmslos zu hoch, zumal unabhängig von der Coronakrise nach der fast zehn Jahre dauernden Hausse eine heftige Korrektur längst angezeigt war.

Corona, der schwarze Schwan

Corona ist der schwarze Schwan, mit dem niemand gerechnet hatte. Auf einer tieferen Ebene ist die Börse indes weit weniger rational. Die meisten Investoren verhalten sich bei ihren Anlageentscheiden emotional, nicht nur Privatanleger, auch institutionelle Investoren haben meist Mühe, sich vom Herdentrieb zu lösen. Bis Mitte Februar entwickelten sich die Börsen irrational: Obwohl sich die Coronakrise und eine Abschwächung der Wirtschaft abzeichneten, erreichten die Märkte Rekorde. Die Anleger blendeten alle negativen Nachrichten aus.

Nun haben wir die umgekehrte Situation: Angesichts der Flut der täglichen Schreckensmeldungen zum Virus nehmen die meisten nur noch die negativen News wahr. Die Erkenntnis ist banal: Aktien sollte man kaufen, wenn sie günstig und nicht wenn sie hoch bewertet sind. In der Praxis machen Anleger das Gegenteil: Solange die Indizes nach oben zeigen, rennt die Herde den grenzenlos scheinenden Kursgewinnen nach, und wenns runtergeht, fliehen alle aus den Aktien. Darum ist der Coronacrash eine Kaufchance.

Einsteigen, wenn alle davonrennen

Wenn man aber den Mut hat, dann einzusteigen, wenn alle davonrennen, hat man gute Chancen, auf lange Sicht eine attraktive Rendite zu erzielen. Entscheidend ist der Anlagehorizont: Spekulieren sollte man nicht, denn niemand weiss, wie lange es dauert, bis sich die Kurse wirklich nachhaltig erholen. Eine nachhaltige Erholung dürfte wohl erst eintreten, wenn das Virus eingedämmt wird und ein Medikament in Griffweite kommt.

Wer einen Anlagehorizont von zehn oder mehr Jahren hat, was eine Grundvoraussetzung für Aktienanlagen ist, kann sich in den turbulenten Börsenphasen günstig positionieren. Selbst wenn die Märkte noch tiefer gehen, wird Corona überwunden werden und über Zeit eine Gegenbewegung einsetzen. Wegen der erneuten Geldspritzen der Notenbanken werden die Zinsen noch lange sehr tief bleiben. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Man kommt auch künftig nicht um Aktien herum. Die tiefen Löcher in den Firmenkassen allerdings bleiben und werden nicht so schnell kompensiert, darum wäre es unrealistisch, eine Erholung auf die alten Börsenrekordstände zu erwarten.

Tipp 1: Qualitätsaktien kaufen, Banken meiden

Wichtig ist, jetzt erst recht auf Qualität zu setzen. Wer die nötigen Mittel und die Risikobereitschaft hat, um auf Einzelaktien zu setzen, hat die Chance, zu tiefen Kursen Spitzenaktien wie Roche, Nestlé, Novartis, Swiss Re, Zurich oder Swiss Life, Sika, Geberit oder Swisscom zu kaufen. Banken sollte man trotz tiefen Kursen meiden, da diese noch lange unter den tiefen Zinsen und gestiegenen Kreditrisiken leiden. Versicherer dürften zwar mit Ansprüchen von Kunden wegen Corona konfrontiert sein. Der Umgang mit Risiken gehört gerade für einen Rückversicherer wie die Swiss Re zum Kerngeschäft. Alle diese Titel sind solid aufgestellt und dürften auch künftig attraktive Dividenden auszahlen, selbst wenn die Ausschüttungen in Zukunft wegen der Coronakrise nicht mehr steigen oder sogar sinken. Firmen mit hoher Verschuldung sollte man nicht anrühren. Wegen der ökonomischen Folgen der Coronakrise werden sich Firmenpleiten häufen.

Tipp 2: Gestaffelt Indexfonds kaufen

Wer nur kleine Beträge anlegen kann, sollte gestaffelt günstige Exchange Traded Funds (ETFs) oder Aktienindexfonds nutzen, die an den SMI, den Euro-Stoxx-50-Index oder den Weltaktienindex MSCI World gekoppelt sind.

Tipp 3: In die Säule 3a investieren

Chancen bieten die Verwerfungen für alle, die in der Säule 3a für Ihr Alter sparen. Weil da die Gelder oft zwanzig oder mehr Jahre liegen bleiben, hat man einen attraktiven Zeitpunkt, um in kostengünstige passiv geführte Vorsorgefonds mit einem erhöhten Aktienanteil einzusteigen, die langfristig höhere Renditen versprechen. Jede und jeder, der jetzt kauft, sollte sich bewusst sein, dass die Märkte turbulent bleiben, und dies nur tun, wenn er trotz zwischenzeitlichen Buchverlusten gut schlafen kann. Denn über die Coronakrise und die Konjunkturabschwächung hinaus bestehen mit den weltweiten Schuldenbergen, den geldpolitischen Ungleichgewichten und geopolitischen Gefahren viele weitere Unsicherheitsfaktoren. Auf lange Sicht von zehn und mehr Jahren relativieren sich Kursschwankungen stark, und die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Anleger für ihr Investment belohnt werden. So sehr ein Crash verunsichert, ist er auf lange Sicht fast immer eine Chance, um auf lange Sicht sein Vermögen zu erhöhen: In den grossen Verwerfungen der Geschichte werden Vermögen vernichtet – aber auch neue Vermögen geschaffen.

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