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Virus trifft angeschlagene Industrie – Jobs in Gefahr

Das Coronavirus gefährdet den Aufschwung in der Schweizer Maschinenbau-, Elektro- und Metallbranche. Firmen erwägen einen Stellenabbau.

In der Schweizer Maschinenbau-, Elektro- und Metallbranche droht der Jobabbau. Foto: Gaetan Bally (Keystone)
In der Schweizer Maschinenbau-, Elektro- und Metallbranche droht der Jobabbau. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Für die Schweizer Maschinenbau-, Elektro- und Metallbranche (MEM) kommt der Ausbruch des Coronavirus zur Unzeit. Die Auftragseingänge sind seit Monaten im Keller, der Franken ist so stark wie seit Jahren nicht, und nun müssen die Unternehmen auch noch mit der Viruskrise fertigwerden. Der Ausbruch wirbelt die Lieferketten durcheinander, verunsichert die ohnehin bereits zurückhaltenden Kunden und droht, die Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung zunichtezumachen.

Einige Unternehmen dürften auf diese toxische Mischung mit einem Stellenabbau reagieren, warnt nun der Branchenverband Swissmechanic, der vor allem klein- und mittelständische Unternehmen aus der MEM-Industrie vertritt. Ob es dazu kommt, wird sich in den kommenden ein bis zwei Monaten entscheiden, sagt Verbandsdirektor Jürg Marti.

Auch viele Kunden stehen auf der Bremse

«Wir sind bereits in einer wirtschaftlichen Abflachung, und das Coronavirus führt zu einer weiteren Verunsicherung», sagt Marti. Schweizer Unternehmen beziehen wichtige Teile für ihre Produkte aus China. Manche von ihnen können auf andere Zulieferer ausweichen – aber oft ist das mit höheren Kosten verbunden. Andere Teile sind nur schwer zu ersetzen. «Punktuell bestehen bereits Lieferengpässe», sagt Marti. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen nicht gut vorausplanen können, weil niemand abschätzen kann, wie sich die Krise entwickelt.

Doch das Virus macht nicht nur die eigene Planung schwierig – auch viele Kunden stehen auf der Bremse und fragen weniger neue Maschinen und Ausrüstungen nach. Die Schweizer MEM-Branche dürfte sich einer sinkenden Nachfrage in China und anderen Teilen der Welt nicht entziehen können, geht aus einer gemeinsamen Erhebung des Verbands mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics hervor. Der Umfrage zufolge erwarten 42 Prozent der Firmen im laufenden ersten Quartal eine Verschlechterung der Auftragslage. Nur elf Prozent gehen von einer Verbesserung aus.

Die Unternehmen sind aber auch indirekt und damit doppelt von dem Virus betroffen: Denn der Ausbruch führt an den Finanzmärkten zu einer Flucht in sichere Häfen wie den Schweizer Franken, der deutlich zulegt. Der Euro ist im Gegenzug zwischenzeitlich auf den tiefsten Wert seit knapp fünf Jahren gefallen. Das macht Schweizer Waren im Ausland teuer.

«Wenn der Franken noch stärker wird, können Firmenschliessungen, Personalabbau oder ein weiterer Investitionsstau die Folge sein.»

Jürg Marti, Verbandsdirektor

«In dem schwachen konjunkturellen Umfeld mit einem derart starken Franken weitere Aufträge zu akquirieren, ist im Moment für die Unternehmen eine grosse Herausforderung», sagt Marti. Das trifft die MEM-Branche besonders, denn ihre Kunden sitzen vor allem im Ausland. Mehr als die Hälfte der Produkte sind für den Export bestimmt.

Zudem schmelzen durch den starken Franken die Gewinne der Firmen dahin. Viele verschieben notwendige Investitionen oder greifen zu noch drastischeren Mitteln. «Die Firmen überlegen im Moment, ob ein Stellenabbau für sie infrage kommt, weil es weniger Aufträge gibt», sagt Marti. «Die Frage ist, wie lange sie es sich im Abschwung leisten können, mit den bestehenden Mitarbeitern weiterzumachen. Das wird sich in den nächsten ein bis zwei Monaten zeigen.»

Der Erhebung des Verbands zufolge erwarten aktuell 22 Prozent der Unternehmen einen Personalabbau. Nur drei Prozent wollen mehr Mitarbeiter einstellen und 75 Prozent die Zahl ihrer Beschäftigten konstant halten. Swissmechanic appelliert daher an die Schweizerische Nationalbank, den Franken mit Interventionen künstlich zu schwächen. «Es ist notwendig, dass die Nationalbank weiter interveniert», sagt Marti. Ein noch stärkerer Franken wäre aus Sicht der Industrie sehr schädlich. «Die Konsequenzen können Firmenschliessungen sein, Personalabbau oder ein weiterer Investitionsstau», warnte der Verbandsdirektor. ,

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