Zum Hauptinhalt springen

Ypsomed hält an der Verlagerung fest

Zwar hat am Wochenende auch Solothurn Nein gesagt zu tieferen Unternehmenssteuern. Doch CEO Simon Michel investiert trotzdem lieber im Nachbarkanton als in Bern.

Mehr verdient, weniger umgesetzt: Am Donnerstag gab Ypsomed die Zahlen des abgeschlossenen Geschäftsjahrs bekannt.
Mehr verdient, weniger umgesetzt: Am Donnerstag gab Ypsomed die Zahlen des abgeschlossenen Geschäftsjahrs bekannt.
Daniel Fuchs

Rund 110 Stellen verlagert das Medizinaltechnikunternehmen Ypsomed von Burgdorf nach Solothurn. Das steht seit Anfang Mai fest. Es ist die Konsequenz, die CEO Simon Michel aus dem Scheitern der Unternehmenssteuerreform im Kanton Bern zieht. Nun hat aber auch der Kanton Solothurn am Wochenende Nein gesagt zu tieferen Unternehmenssteuern.

Mit 51 Prozent lehnte das Stimmvolk die Steuervorlage knapp ab. Die Steuern werden nun nicht von 21 auf 13 Prozent gesenkt werden. Trotzdem hält Michel an der Verlagerung der Stellen fest, wie er an der Medienkonferenz zu den Jahreszahlen deutlich macht. «Der Kanton Solothurn bekennt sich im Gegensatz zu Bern zur Industrie», begründet Michel den Entscheid.

So stimmten gut 65 Prozent der Kantonsräte der Vorlage zu. In Bern sei es hingegen noch nicht angekommen, dass eine unternehmerfeindliche Politik nicht zukunftsträchtig sei, so Michel. Das sei verheerend, insbesondere, weil der Lastenausgleich mittel- oder langfristig abnehmen könnte.

In Solothurn hat Michel, der als FDP-Kantonsrat an der Vorlage wesentlich mitgearbeitet hat, mehr Hoffnung. Auch im Hinblick auf den geplanten dritten Anlauf der Steuerreform. «Jetzt gilt es noch die SVP und das Gewerbe zu gewinnen.»

Für die Verlagerung gab es aber nicht nur politische Gründe. «Wir kommen in Burgdorf an Kapazitätsgrenzen.» Im vergangenen Jahr schuf Ypsomed in der Schweiz 100 Stellen, die Hälfte davon in Burgdorf. In Solothurn gibt es hingegen genug Platz für weitere Mitarbeitende. So wurden bereits 40 Stellen dorthin verlagert, 60 werden nach Sanierungsarbeiten im Januar 2020 folgen. Abgänge beim Personal habe es wegen der Verlagerung keine gegeben, sagt Michel.

An Bauland mangeltes in Burgdorf nicht

Gibt es denn in Burgdorf nicht genügend Land, um auszubauen? «Wir könnten schon einen Turm mit Büroraum hier hinstellen», sagt Michel und weist auf den Parkplatz vor dem Hauptsitz in Burgdorf hin. Aber langfristig investiere er lieber in Solothurn als in Bern. Auch in der Buchmatt eingangs Burgdorf, wo Ypsomed bereits einen Sitz hat, gäbe es Bauland.

Zwar nicht im Besitz der Unternehmung. «Wenn wir bauen möchten, würde das die Stadt aber sicherlich begrüssen», ist Michel überzeugt. Ausschlaggebend sei jedoch gewesen, dass in Solothurn bereits bestehende Räumlichkeiten schnell genutzt werden könnten.

Ausgebaut wird nicht nur in der Schweiz, sondern ebenso im Ausland. Ende August wird Ypsomed das Werk im ostdeutschen Schwerin eröffnen. «Wir sind auf Kurs», so Michel. Bereits im vergangenen Jahr erfolgte der Startschuss zum Markteintritt in Kanada.

Mitte Mai bekam das Unternehmen die Zulassung für die Insulinpumpe Ypso Pump. In den USA hingegen läuft nicht alles nach Plan. Bei der amerikanischen Gesundheitsbehörde konnte eine zusätzlich geforderte Studie nicht fristgerecht eingereicht werden. Nun verzögert sich die Zulassung bis Ende 2019.

Daten gehen direkt an die Krankenkasse

In die Zukunft blickt Simon Michel, als er die Entwicklung des Smart Pilot vorstellt. Ein intelligentes Injektionssystem, das Daten direkt an Dritte liefert. So können etwa der Arzt, Angehörige oder auch die Krankenkasse informiert werden, ob, wann und wie der Patient die Medikamente genommen hat. 50 bis 60 Prozent der chronisch Kranken nehmen gemäss Zahlen von Ypsomed ihre Medikamente nicht korrekt ein.

«So explodieren die Gesundheitskosten.» Doch ist das Übermitteln solch sensibler Daten nicht heikel? Gerade an Versicherungen? «Natürlich müssen die Patienten ihr Einverständnis geben.» In Zukunft könnte es aber sein, dass die Versicherungen von jenen, die nicht einwilligen, höhere Prämien fordern würden. «Das liegt dann aber nicht in unserer Hand», sagt Simon Michel.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch