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Wird Lehman fallen gelassen?

Der Finanzmarkt muss schrumpfen. Das bekommt die die US-Investmentbank Lehman Brothers zu spüren.

Die Amerikaner leben davon, dass sie sich gegenseitig Häuser verkaufen, mit Geld, das ihnen die Chinesen geliehen haben. Bis zum Ausbruch der Subprimekrise war dies mehr als ein Witz. Der amerikanische Konsumboom war nur dank der Immobilienblase überhaupt möglich und diese Blase wurde zu einem guten Teil mit Geld aus Asien finanziert. Der Immobilienboom hat jedoch auch zu einer massiven Ausweitung, ja fast zu einer Verdoppelung des Finanzsektors geführt. An der Wall Street wurde massig Geld verdient.

Nicht nur sind Millionen-Boni für Banker die Regel geworden, die Gewinne der Banken sind regelrecht explodiert. Offizielle US-Statistiken legen es nahe, «dass rund ein Drittel der US-Unternehmensgewinne 2006 auf Finanzfirmen entfiel», stellt der Harvard-Professor und frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff fest.

Die Domino-Theorie

Bei der Bewältigung der aktuellen Finanzkrise geht es auch darum, den Finanzsektor wieder ins Lot zu bringen, respektive auf ein nachhaltiges Mass gesund zu schrumpfen. Das ist leichter gesagt als getan. Bei den Banken stimmt die Domino-Theorie: Wenn ein wichtiger Stein umfällt, kann er alle anderen mit ins Elend reissen.

Deshalb ist die US-Notenbank im Fall Bear Stearns eingeschritten und hat die Investmentbank vor dem Kollaps gerettet, deshalb wurden die Hypothekarinstitute Freddie Mac und Fannie Mae de facto verstaatlicht. Angeschlagenen Grossbanken wie Citigroup, Merrill Lynch und UBS erhielten Finanzspritzen in Milliardenhöhe von verschiedenen Staatsfonds.

Die Quellen versiegen

Jetzt geht den Notenbanken und den Staatsfonds offenbar die Geduld aus. Das Fed wird wegen seiner Rettungsaktionen immer stärker kritisiert: Weshalb sollen Aktionäre und Gläubiger auf dem Buckel des Steuerzahlers gerettet werden? Die Staatsfonds andererseits haben mit ihren Engagement bei den westlichen Grossbanken sehr viel Geld verloren. In Asien wird man vorsichtiger: Die staatliche Korean Development Bank hat sich nach anfänglichem Interesse aus einer Beteiligung bei Lehman Brothers zurückgezogen.

Die traditionsreiche Investmentbank kann offenbar auch nicht mehr blindlings auf die Unterstützung des Fed rechnen. Nach einem Verlust im dritten Quartal von 3,9 Milliarden Dollar muss sie handeln. Sie hat sie den Verkauf des Tafelsilbers bekannt gegeben: Vermögensverwaltung, das Private Equity-Geschäft, das Geschäft mit vermögenden Privatkunden und Gewerbeimmobilien sollen nun veräussert werden. Der Wind an der Wall Street ist spürbar kälter geworden.

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