«Wir wissen, wie die Substanzen ins Mineralwasser kamen»

Interview

Ein Labor hat in Mineralwasser verschiedener Marken hormonähnliche und neurotoxische Stoffe gefunden. Adelbodner-Chef Erich Arter hat in seinem Fall das Problem nun bereits gelöst.

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Martin Wilhelm@martin_wilhelm

Herr Arter, wie kann es sein, dass drei giftige Substanzen ins Adelbodner Mineralwasser gelangten – wenn auch in ungefährlicher Menge?
In den untersuchten Proben unseres Mineralwassers wurden Lösungsmittel gefunden, die für Farbstoffe verwendet werden. Die Plastikverschlüsse der Adelbodner-PET-Flaschen sind in weisser Farbe mit dem Schriftzug «Adelbodner – seit 1559» bedruckt. Wir vermuteten deshalb gleich, dass die Lösungsmittel aus dieser Farbe stammen und vom Verschluss ins Wasser gewandert waren. Ein italienisches Labor hat uns dies nun soeben bestätigt. Nun wissen wir bereits, wie die Substanzen ins Mineralwasser gelangten.

Wie hat das Labor dies festgestellt?
Wir wurden am 5. September über die Testergebnisse informiert, am Tag darauf haben wir bereits Proben nach Italien, nach Berlin und in ein drittes Labor geschickt. Das italienische Labor hat nun dieselben Stoffe wie das Westschweizer Labor gefunde. Es fand die Lösungsmittel im Wasser und im Verschluss, nicht aber im Material der PET-Flaschen selber. Zum Vergleich hatten wir zudem Glasflaschen mitgeschickt, weil diese über Plastikverschlüsse ohne Aufschrift verfügen. Hier fand das Labor weder im Verschluss noch im Wasser die unerwünschten Stoffe. Somit kommen einzig die beschrifteten Verschlüsse der PET-Flaschen in Frage. Das Problem ist nun gelöst, wir haben die beschrifteten Verschlüsse sicherheitshalber bereits nicht mehr verwendet.

Auch wenn das Problem nun gelöst ist: Wie gravierend ist der Fund dieser Lösungsmittel?
Erst einmal muss ich betonen, dass die vom Labor ermittelte Konzentration der Lösungsmittel die gesetzlichen Grenzwerte um bis zu 240-mal unterschreiten. Wir haben nichts verkauft, was gesundheitsschädlich ist. Gleichzeitig war immer klar: Wir wollen sowieso keine solchen Substanzen in unserem Wasser.

Hätten Sie die Substanzen selber finden können?
Es handelt sich um sehr exotische Stoffe, bei denen es bisher keinen Grund gab, danach zu suchen. Standardtests auf diese Substanzen wären gar nicht möglich. Dazu braucht es spezielle Geräte wie zum Beispiel einen Gaschromatografen und eigens entwickelte, anerkannte Analysemethoden. Bisher war in der Schweiz kein öffentliches Labor in der Lage, Tests auf diese drei Substanzen durchzuführen. Darum haben wir die Proben ins Ausland geschickt.

Worauf prüfen Sie das Wasser bei der Abfüllung in Adelboden?
Kein Produkt geht weg ohne physikalische und mikrobiologische Prüfung. Mineralwasser und Süssgetränke werden jede Viertelstunde unter anderem auf den pH-, Kohlensäure- und bei Süssgetränken den Zuckergehalt untersucht. Ebenso werden Keime, Geschmack und Geruch getestet. Wie oft genau, ist abhängig vom Produkt und der Produktionsmenge. Wir stellen zudem von jeder Charge Proben zurück. Diese Rückstellmuster haben wir nun auch für die Tests in die Labors geschickt.

Wie kann ein Farbstoff durch einen Plastikverschluss hindurch in das Wasser gelangen?
Sobald das Mineralwasser mit dem Verpackungsmaterial in Verbindung kommt, ist das möglich, im Falle des Verschlusses vor allem, wenn die Flasche liegt. PET, das Material der Flaschen selber, ist übrigens beidseitig durchlässig: Kohlensäure kann aus der Flasche entweichen, ebenso können aber auch Fremdgerüche in die Flasche gelangen. Wenn Sie eine PET-Flasche in einem Raum lagern, indem zum Beispiel ein Ölbrenner steht, nimmt das Wasser darin mit der Zeit einen seltsamen Geruch an. Zudem gilt: Je wärmer es ist, desto rascher können Fremdstoffe durch die Flasche oder vom Verschluss ins Wasser wandern.

Für die Zukunft: Was ist Ihr Versprechen an die Kunden – die Einhaltung der Grenzwerte oder gänzlich reines Wasser?
Die Grenzwerte halten wir selbstverständlich immer ein. Für uns ist die Angelegenheit aber nicht damit erledigt, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Wir werden alles unternehmen, damit man bei künftigen Analysen bei uns keine unerwünschten Stoffe findet.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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