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Wie Thiam seinen Personalchef degradierte

Der ebenfalls beschattete Peter Goerke erfuhr bei einem Mittagessen, dass er in der Credit-Suisse-Geschäftsleitung nicht mehr erwünscht sei. Eine Rekonstruktion der Geschehnisse.

Wollte Goerke unbedingt in der Credit Suisse als Personalchef installieren und mit ihm die Veränderungen durchsetzen, die er einleiten wollte: Tidjane Thiam, CEO der CS. Foto: Ennio Leanza (Keystone)
Wollte Goerke unbedingt in der Credit Suisse als Personalchef installieren und mit ihm die Veränderungen durchsetzen, die er einleiten wollte: Tidjane Thiam, CEO der CS. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Als Peter Goerke am 13. Februar von Tidjane Thiam zum Mittagessen eingeladen wurde, freute er sich. Goerke kannte Thiam schon lange. Wegen Thiam war er 2015 zur Credit Suisse gekommen, 3 Millionen Franken liess sich die CS seine Ablösung vom englischen Versicherer Prudential kosten. Viel Geld für einen Personalchef, aber wenig im Vergleich zu Thiam, der auch von Prudential kam und dessen Übernahme die CS 25 Millionen kostete.

Jedenfalls wollte Thiam Goerke unbedingt in der CS als Personalchef installieren und mit ihm die Veränderungen durchsetzen, die er einleiten wollte. Doch inzwischen hatten sich die beiden auseinandergelebt. Thiam war in seiner Zeit als CS-Chef ein anderer geworden. Machtbewusster, misstrauischer, und auch die gefürchteten Wutausbrüche gab es früher nicht.

Das Essen verlief dann aber nicht, wie es sich Goerke vorgestellt hatte. Thiam eröffnete seinem Geschäftsleitungsmitglied, dass es zu einer Reorganisation komme. Der Verwaltungsrat habe beschlossen, dass er, Goerke, als Mitglied der Geschäftsleitung nicht mehr erwünscht sei. Thiam sagte aber sinngemäss auch: «Peter, ich will dich deshalb nicht verlieren», und bot ihm verschiedene Jobs an.

Option der Frühpension

Goerke war über die unerwartete Wendung des Gesprächs nicht gerade erfreut, doch ein Schock war es auch nicht. Er hatte sowieso seit längerem darüber nachgedacht, ob er nicht das äusserst lukrative Frühpensionierungsangebot, das die CS seinen fürstlich bezahlten Geschäftsleitungsmitgliedern trotz allen Sparrunden noch immer anbietet, annehmen soll.

Der ehemalige Personalchef der Credit Suisse, Peter Goerke. Bild: PD
Der ehemalige Personalchef der Credit Suisse, Peter Goerke. Bild: PD

Die CS gibt ihren GL-Mitgliedern bis heute die Möglichkeit, mit 58 in Pension zu gehen. Bis es bei Goerke so weit ist, ging es zwar aus damaliger Sicht noch etwas mehr als ein Jahr, doch unter den verschiedenen Angeboten, die Thiam auf den Tisch brachte, war auch eines darunter, das Goerke zusagte.

Künftig sollte er sich in Asien um die Rekrutierung des Personals kümmern. Banker in Asien anzustellen, das ist keine einfache Sache. Das wusste Goerke, denn er hatte bei Prudential ein ähnliches Projekt geleitet. Alle grossen Finanzdienstleister drängen nach Asien. Dort wachsen die Vermögen schnell, dort gibt es Wachstum zu holen.

Auch er wurde überwacht

Als Thiam bei der CS anheuerte, versprach er, Asien zu erobern. Etwas, was ihm bis heute nicht so richtig gelang. Die Banker in Asien sind Söldner, Loyalität zur Firma spielt keine Rolle, was zählt, ist das Geld. Darum passiert es oft, dass sie ganz einfach das Handgeld nehmen und bei der ersten Möglichkeit wieder abspringen und einen möglichst grossen Teil der Kundschaft mitnehmen.

Man wurde sich also handelseinig, die Reorganisation wurde am 26. Februar kommuniziert und Goerkes Verdienste gepriesen. Er ist in seinem neuen Job gut angekommen; ob er wirklich im März in Pension geht oder doch noch etwas länger bleibt, hat er nicht entschieden. Bis letzten Montag die Bombe platzte.

Um 16 Uhr erhielt er einen Anruf von einem Redaktor der NZZ. Der informierte Goerke, dass das Blatt Belege dafür habe, dass auch Goerke von Mitarbeitern der Detektei Investigo überwacht worden war, genau wie Iqbal Khan. Dazu gibt es ein Foto in den Unterlagen, das Goerke am Freitag, dem 22. Februar 2019, am Flughafen Kloten zeigt. Von dort reiste er nach Birmingham. Es war eine Reise für sein Hobby, Autos und Autorennen.

Damals fuhr Goerke sechs Rennen in der «Ferrari Challenge», während er gleichzeitig ein hartes Sparprogramm durchziehen und Tausende Leute entlassen musste. Foto: Ferrari
Damals fuhr Goerke sechs Rennen in der «Ferrari Challenge», während er gleichzeitig ein hartes Sparprogramm durchziehen und Tausende Leute entlassen musste. Foto: Ferrari

Goerke besitzt einen Ferrari 488 und einen Porsche. Der Porsche war bei Jordan Racing renntauglich gemacht worden. Dafür hat sich Goerke extra den Tag freigenommen. Am Wochenende war ein Besuch bei der Schwiegermutter in St. Moritz angesagt. All das erschien in den Unterlagen, wenn auch falsch durcheinandergemischt, und war längst vergessen.

Teure Autos und Sparprogramme

Doch seit Montag beschäftigt sich Goerke wieder damit und versucht sich einen Reim darauf zu machen, warum er damals beschattet wurde, und nochmals neu, warum ihn der Verwaltungsrat nicht mehr als Personalchef wollte.

Darüber gibt es unterschiedliche Versionen. Im Umfeld der CS ist zu hören, dass sich die Bank-Spitze daran gestört hat, dass Goerke 2017 sein teures Rennsporthobby in aller Öffentlichkeit zelebrierte, während gleichzeitig die CS im Zuge der Sparbemühungen zahlreiche Bankmitarbeiter auf die Strasse stellte. Damals fuhr Goerke sechs Rennen für die «Ferrari Challenge», während er gleichzeitig ein hartes Sparprogramm durchziehen und Tausende Leute entlassen musste.

Das wurde publik und innerhalb der CS teilweise hart kritisiert. 2018 fuhr er dann nur noch zweimal mit, doch für 2019 waren wieder fünf Rennen angesagt. Beim Mittagessen am 13. Februar 2019 war davon allerdings nicht die Rede. Dafür gibt es noch einen Erklärungsversuch. Nämlich den, dass unter Thiam bei der CS abgesetzte Geschäftsleitungsmitglieder regelmässig beschattet werden. Das wird jetzt untersucht.

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