Zum Hauptinhalt springen

Vier US-Milliardenkonzerne wollen in die Schweiz

Kann das Zufall sein? Innert weniger Tage beschlossen vier amerikanische Grosskonzerne, ihren Hauptsitz in die Schweiz zu verlegen. Die Firmen beschäftigen zusammen fast 200'000 Personen.

Bald eine Art Schweizer Produkt? Weatherford-Raffinerie in Singapur.
Bald eine Art Schweizer Produkt? Weatherford-Raffinerie in Singapur.
Keystone

Die eine Firma liefert Anlagen zur Öl- und Gasgewinnung und beschäftigt 46'000 Menschen. Die andere baut Raffinerien und Energieanlagen – mit 14'000 Angestellten. Die dritte ist ein 118'000-Mitarbeiter-Mammutkonzern, ist weltgrösster Hersteller von Sicherheitssystemen und wurde weltweit bekannt, als sie 2002 neben dem Enron-Konzern in einen Bilanzfälschungs-Skanal geriet: Tyco.

Gestern Nachmittag versandte Tyco die Meldung, der Verwaltungsrat habe einstimmig beschlossen, den Konzernsitz in die Schweiz zu verlegen. Wenig später doppelte der Ölraffinerie-Konzern Foster Wheeler nach: der Konzernsitz wandere nach Zug in Switzerland. Und schliesslich verkündete Weatherford International – ein texanischer Energiekonzern – denselben Plan: Umzug in die Schweiz.

Auch der weltgrösste Ölbohrer zog nach Genf

Alle drei Konzerne sind an der New Yorker Börse kotiert und haben ihren operativen Hauptsitz auf dem amerikanischen Festland. Aber der formelle Sitz befindet sich jeweils in Bermuda – noch. Wenn die Generalversammlung den Plan absegnet, was bei allen Konzernen noch nötig ist, sollen die Umzüge in der ersten Hälfte des kommenden Jahres über die Bühne gehen. Wohin die Reise genau geht, ist nicht immer ganz klar, lediglich Foster Wheeler hat bereits Zug als Standort bestimmt – die Amerikaner stehen in Kontakt mit dem kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit.

Drei Industriekonzerne, dreimal die gleiche Geschichte? Tatsächlich sind Tyco, Foster Wheeler und Weatherford unabhängig, es gibt auf den ersten Blick auch keine auffälligen personellen Verflechtungen. Die Firmen verbindet freilich, dass sie sich in einer ähnlichen Produktewelt betätigen – und dass sie ihren Papiersitz bislang auf einer Karibikinsel hatten. Etwas klarer wird die Geschichte durch einen weiteren Fall: Vor wenigen Wochen beschloss der Verwaltungsrat von Transocean Inc., die weltgrössten Offshore-Ölbohrfirma (20'000 Mitarbeiter), den Hauptsitz aus den Cayman Islands nach Genf zu verlegen. Am vergangenen Montag gaben die Aktionäre dem Ansinnen statt.

Und grösster Minderheitsaktionär ist hier T. Boone Pickens, der texanische Milliardär und Grossinvestor. Wie bei Foster Wheeler. Und wie bei Weatherford.

Die Schweiz liegt näher am Golf

Ähnlich tönen auch die offiziellen Erklärungen all dieser Firmen: Die Schweiz biete ein stabiles Umfeld, habe zuverlässige Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA, obendrein sei man in der Schweiz näher an den Kunden: Tatsächlich erzielen diese Konzerne weniger Umsatz im nordamerikanischen Markt als in Europa und Nahost.

Ein Auslöser der Umzugsbewegung ist bekannt: Für Firmen mit Sitz in karibischen Steueroasen wird die Luft dünner. Die amerikanischen Steuerbehörden bekämpfen den Versuch, mit Holdingkonstruktionen unter Palmen besteuerbare Einkommen versickern lassen, zunehmend aggressiv. Und der Kongress in Washington plant, Konzerne mit dubiosen Holdingsitzen von Regierungsaufträgen auszuschliessen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch