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«Wir versichern ja auch kein brennendes Haus»

Die Mobiliar und Helvetia bieten keine Policen mehr an, mit denen sich Betriebe gegen Einnahmeausfälle durch das Coronavirus absichern können.

Ausbleibende Kundschaft: Das Coronavirus sorgt weltweit für Betriebsunterbrüche und Umsatzausfälle. Foto: Keystone
Ausbleibende Kundschaft: Das Coronavirus sorgt weltweit für Betriebsunterbrüche und Umsatzausfälle. Foto: Keystone

Fussballspiele, Messen und Kongresse werden abgesagt, Apple hat wegen des Stillstands bei chinesischen Zulieferern Probleme, iPhones auszuliefern. Die Folgen der Ausbreitung des Coronavirus fressen sich durch alle Bereiche der Wirtschaft.

Droht der Versicherungswirtschaft nun ein Milliardenschaden? Branchenvertreter winken ab. Denn in den Standardpolicen ist das Risiko von Pandemien oder Epidemien in der Regel ausgeschlossen, etwa bei Versicherungen gegen Betriebsunterbrüche oder Eventausfallversicherungen.

Damit eine Versicherung den Schaden aus einem Betriebsunterbruch bezahlt, muss in der Regel ein physischer Schaden vorliegen, heisst es übereinstimmend von der Zurich-Versicherung und der Allianz. Sprich, der Versicherer zahlt dann, wenn eine Fabrik zum Beispiel wegen eines Feuers nicht weiterproduzieren kann. Steht die Fabrik aber still, weil das Personal auf Anweisung der Behörden zu Hause bleiben muss, um eine Ansteckungsgefahr zu minimieren, zahlt die Versicherung nicht.

Bisher geringe Nachfrage

Bisher war die Nachfrage nach solchem Epidemieschutz auch sehr gering, heisst es von mehreren Adressen. Die Allianz und Zurich haben sie daher gar nicht im Angebot. Doch im Zuge der Verbreitung des Coronavirus hat sich die Lage schlagartig verändert. Und ausgerechnet jetzt wird es noch schwieriger, das Risiko zu versichern.

So hat die Mobiliar ihre Epidemieversicherungen am Mittwoch vom Markt genommen. «Neue Epidemieversicherungen schliessen wir zurzeit nicht ab», erklärt ein Sprecher. Der Eintritt des Schadenereignisses sei zu wahrscheinlich. Bei bestehenden Verträgen «gewähren wir Schutz gemäss dem Vertrag». Die betreffenden Verträge sehen unter anderem Schadenzahlungen für den Fall vor, dass ein Betrieb wegen einer Epidemie oder einer Quarantäne zeitweise schliessen muss.

Ein ähnliches Bild bei Helvetia: Sie bietet Betrieben mit hohem Hygienerisiko wie Spitälern, Restaurants oder Hotels als Zusatzmodul Schutz vor Epidemien an, wenn beispielsweise eine Abteilung in einem Spital wegen Hygieneproblemen schliessen muss. «Für das Risiko des Coronavirus schliessen wir keine neuen Verträge mehr ab», erklärt ein Sprecher. «Wir versichern ja auch kein brennendes Haus», heisst es zur Begründung. Anders als bei der Mobiliar wurde das Produkt aber nie der fertigenden Industrie angeboten.

Uneinheitliche Lage bei Reiseversicherungen

Axa hingegen bietet bei Versicherungen gegen Betriebsunterbruch weiterhin auch ein Epidemiemodul an. Dieser Versicherungsschutz greife aber nicht, wenn die WHO für den betreffenden Krankheitserreger eine «pandemische Phase» erkläre, teilt das Unternehmen mit.

Der Rückversicherer Münchener Rück hat seit 2017 eine eigene globale Geschäftseinheit für Epidemierisiken gegründet. Sie bietet Grosskonzernen massgeschneiderte Policen an. «Die Abteilung wird derzeit von der Nachfrage überrannt», erklärt ein Sprecher. Billig sei der Schutz indes nicht.

Und Privatpersonen? Hier ist Lage uneinheitlich. Wer zum Beispiel eine Reise zu einem Kongress oder einem Sportevent geplant hat und das Ereignis wird wegen der Coronavirus-Gefahr abgesagt, könnte auf seinen Reisekosten sitzen zu bleiben. «Basiert die Absage einer Veranstaltung aus Sicherheitsgründen auf einer behördlichen Anordnung (bspw. durch die lokalen Behörden), überprüft die ERV im Einzelfall, ob die Anreisekosten an die Destination aus Kulanz übernommen werden können», heisst es von der Europäischen Reiseversicherung (ERV).

Die Mobiliar ist hier grosszügiger. «Gedeckt sind auch Annullationskosten, wenn gebuchte Veranstaltungen aufgrund des Coronavirus abgesagt wurden, und Kunden nur für diese Veranstaltung an den Ort gereist wären. Zum Beispiel zum Karneval nach Venedig, der abgesagt worden ist», erklärt ein Sprecher.

Anders aber läge der Fall, wenn jemand einen fünftägigen Trip nach Berlin plant, bei der am dritten Tag der Besuch einer Messe vorgesehen ist, die dann aber wegen Corona abgesagt wird. Da der Messebesuch nicht das Hauptziel der Reise sei, zahle die Versicherung nicht, erklärt die Mobiliar.

Noch ein anderer Fall liegt vor, wenn die Fluggesellschaft die Flüge aus Sicherheitsgründen streicht, wie zum Beispiel im Falle Chinas. In diesem Fall erstatten die Airlines die Flugtickets. Aber was ist mit dem Hotel, was ein Reisender vor Ort bereits gebucht hat? In diesem Fall springt die Reiseversicherung ein, erklärt die ERV.

Die Deckung von Reiseversicherungen orientiert sich gewöhnlich an den Reiseempfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Die aktuelle Epidemiewarnung betrifft allerdings nur die chinesische Provinz Hubei. «Da wegen des Coronavirus Sicherheitsempfehlungen für alle übrigen Regionen von China bestehen und der Reiseverkehr sehr eingeschränkt ist, übernimmt die ERV freiwillig die Kosten annullierter Flug- und Hotelbuchungen in ganz China, sofern sie nicht vom Leistungserbringer rückerstattet werden. Von der Regelung ausgeschlossen sind Transitflüge», so ein Sprecher.

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