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US-Bank Lehman kämpft ums Überleben

Nach neuen Milliardenabschreibern kündigt die viertgrösste US-Investmentbank Lehman Brothers drastische Massnahmen an, selbst eine vollständige Übernahme wird nicht mehr ausgeschlossen.

Wohin des Weges? Die Zukunft von Lehman Brothers scheint offener denn je.
Wohin des Weges? Die Zukunft von Lehman Brothers scheint offener denn je.
Keystone

«Dies ist eine der schwersten Zeiten in der Geschichte des Unternehmens», sagte Lehman-Chef Richard Fuld heute nach der Bekanntgabe der Zahlen zum dritten Quartal. Die Bank erlitt einen Verlust von 3,9 Milliarden Dollar.

Teilverkauf der Vermögensverwaltung

Das durch die Hypothekenkrise stark angeschlagene Traditionshaus kündigte in New York einen Teilverkauf seiner Vermögensverwaltung und die Ausgliederung der Gewerbeimmobilien in eine eigene Aktiengesellschaft an, um sich finanziell Luft zu verschaffen.

Die Börse reagierte positiv auf die Ankündigung radikaler Sanierungsschritte. Die Aktie von Lehman Brothers, die am Dienstag rund 45 Prozent eingebrochen war, legte zum Handelsauftakt an der Wall Street um 7,8 Prozent auf 8,40 Dollar zu.

Milliardenschwere Verschiebungen

Lehman Brothers will einen Anteil von 55 Prozent an seiner wertvollen Investment-Management-Branche verkaufen, zu der auch die erst 2003 übernommene Vermögensverwaltung Neuberger Berman gehört. Der Name eines möglichen Käufers wurde nicht genannt; Vorstandschef Richard Fuld sprach von «fortgeschrittenen Verhandlungen». Der Wert des Investment-Managements wird von Analysten insgesamt auf 10 Milliarden Dollar geschätzt.

Ausserdem sollen Anfang 2009 Gewerbeimmobilien im Wert von 25 Milliarden bis 30 Milliarden Dollar in eine neue Aktiengesellschaft mit Namen REI Global (Real Estate Investments Global) ausgegliedert werden. Ferner soll die Dividende auf 5 Cent gekürzt werden, nach zuletzt 68 Cent.

«Alle strategischen Alternativen prüfen»

Zusammengenommen würden diese Massnahmen die Firma schnell von Risiken befreien und in eine neue Grösse bringen, erklärte Fuld in einer Telefonkonferenz für Investoren. «Eine starke und saubere Bilanz wird uns befähigen, uns wieder auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren.» Fuld fügte hinzu, das Geldhaus werde «alle strategischen Alternativen prüfen, die den Wert für die Aktionäre steigern können». Beobachter werteten das als Andeutung, dass Lehman Brothers auch für eine vollständige Übernahme durch ein anderes Finanzhaus offen wäre.

Börsenwert dramatisch gesunken

Gespräche über einen Einstieg der staatseigenen Korea Development Bank (KDB) waren allerdings zuvor bereits gescheitert, wie am Mittwoch bestätigt wurde. KDB begründete die Entscheidung mit «Differenzen» und dem Verweis auf die Finanzmarktlage. An der Börse ist der Wert von Lehman Brothers in den vergangenen Monaten drastisch gesunken: Am Dienstag war Lehman Brothers nur noch 5,4 Milliarden Dollar wert, vor einem Jahr waren es noch 36 Milliarden Dollar.

Die internationale Bankbranche hat im Zusammenhang mit der seit mehr als einem Jahr grassierenden Hypothekenkrise mittlerweile mehr als 300 Milliarden Dollar verloren. In den USA sind bereits mehrere Banken zusammengebrochen oder wurden in letzter Sekunde gerettet, wie Bear Stearns im März durch eine Übernahme durch JP Morgan Chase und jüngst die Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac durch eine staatliche Zwangsverwaltung.

AP/cpm

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