Toblerone-Fabrik entlässt Mitarbeiter

Bern

Die Toblerone-Herstellerin in Bern-Brünnen hat elf Entlassungen ausgesprochen. Die verbleibenden Mitarbeiter sind verunsichert und rechnen mit einem weiteren Personalabbau.

Im Toblerone-Werk herrscht Verunsicherung: Kommt es zu weiteren Entlassungen?

Im Toblerone-Werk herrscht Verunsicherung: Kommt es zu weiteren Entlassungen?

(Bild: zvg)

Rahel Guggisberg

Derzeit herrscht bei den rund 220 Toblerone-Mitarbeitenden in Bern-Brünnen grosse Verunsicherung. Die Fabrikleitung hat Ende Jahr elf Entlassungen ausgesprochen. Sieben davon erfolgten als vorzeitige Pensionierungen. Die Fabrik und die Marke Toblerone gehören dem US-Konsumgüterhersteller Mondelez. Heidi Hauer, Pressesprecherin für Mondelez Schweiz, betont, dass für das Unternehmen die Mitarbeiter an erster Stelle stünden, weshalb man angestrebt habe, die Folgen der Umstrukturierung so gering wie möglich zu halten. Das Unternehmen habe faire und sozial verträgliche Lösungen umgesetzt wie zum Beispiel Frühpensionierungen.

Ein Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden will, sagt, das Unternehmen bezahle den Frühpensionierten zwar noch die Pensionskassenbeiträge bis zum Erreichen des 65. Altersjahres. Das Problem: Die entlassenen Frühpensionäre könnten allein mit der Rente von rund 2000 Franken nicht leben. Alle hätten sich nun beim RAV gemeldet und müssten stempeln, um über die Runden zu kommen. «Es hat mich schon verletzt, nach über zwanzig Jahren auf die Strasse gestellt zu werden», sagt er.

Die Unia hat vermittelt

Die betroffenen Mitarbeitenden haben umgehend die Gewerkschaft Unia kontaktiert. «Die Kündigungen wurden im Rahmen der gesetzlichen sowie gesamtarbeitsvertraglichen Regelungen umgesetzt», sagt Stefan Wüthrich von der Unia. «Im Rahmen des Konsultationsverfahrens haben wir eng mit der Personalkommission und Mondelez zusammengearbeitet und nach sozial verträglichen Lösungen gesucht.»

Schliesslich habe man die Anzahl Kündigungen reduzieren können. «An den Kündigungen ist stossend, dass auch Personen im fortgeschrittenen Alter oder kurz vor der Pensionierung betroffen sind», kritisiert Wüthrich. Ab einem gewissen Alter sei es sehr schwierig, noch eine Anstellung zu finden. Den Betroffenen bleibe oft nichts anderes übrig, als zu stempeln.

Angst vor weiteren Schritten

Die Stimmung unter den Toblerone-Mitarbeitern sei gedämpft. Das erzählen mehrere von ihnen. Sie gehen davon aus, dass es zu weiteren Entlassungen kommen wird. Einer von ihnen sagt: «Mit der Entlassung von elf Mitarbeitern kann man ja nicht sechs Millionen Franken einsparen. Diese Zahl haben die Mondelez-Verantwortlichen gegenüber uns Angestellten als Sparziel genannt. Wir haben Angst vor weiteren Entlassungen.»

Mondelez entlasse die Angestellten schubweise und immer nur so viele, dass es sich nicht um eine gesetzlich definierte Massenentlassung handle, sagt der Ex-Mitarbeiter. Eine Massenentlassung würde automatisch einen Sozialplan nach sich ziehen.

Zu diesem Vorwurf will die Pressesprecherin nicht Stellung nehmen. Die Entlassungen begründet sie wie folgt: «Die Wettbewerbssituation in der Lebensmittelbranche wird zunehmend intensiver und erfordert eine Verbesserung unseres momentan sehr komplexen Produktionsnetzwerkes.» Eine der Massnahmen seien Vereinfachungen wie zum Beispiel eine Vereinheitlichung der kleinen Toblerone-Formate. «Die damit verbundenen Auswirkungen auf einzelne Mitarbeiter bedauern wir sehr.»

Berner Zeitung

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