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Swiss führt die Zwei-Personen-Regel im Cockpit ein

Swiss zieht – wie zahlreiche andere Airlines – die Konsequenzen aus dem Absturz des Germanwings-Airbus.

Möglicherweise darf sich bald nicht mehr eine Person allein im Cockpit aufhalten: Zwei Swiss-Piloten vor dem Abflug von Chicago nach Zürich. (1. Mai 2013)
Möglicherweise darf sich bald nicht mehr eine Person allein im Cockpit aufhalten: Zwei Swiss-Piloten vor dem Abflug von Chicago nach Zürich. (1. Mai 2013)
Christian Beutler, Keystone

Nach dem Absturz des Airbus A320 von Germanwings ändern Fluggesellschaften im In- und Ausland ihre Regeln für die Besetzung des Cockpits. Die Lufthansa-Tochter Swiss führt ab sofort die Zwei-Personen-Regel für die Pilotenkanzel ein. Bei Abwesenheit einer der Piloten muss sich während des Fluges neu immer auch ein weiteres Crew-Mitglied nebst einem Piloten im Cockpit aufhalten, wie die Luftgesellschaft in einer Mitteilung schreibt.

Der Mutterkonzern Lufthansa hatte zuvor mitgeteilt, dass die Neuregelung für alle seine Airlines gelte. Auch alle anderen deutschen Fluggesellschaften führen ab sofort die Zwei-Personen-Regel im Cockpit ein. Die Airlines hätten die freiwillige Vereinbarung als Reaktion auf das tragische Flugzeugunglück in Frankreich beschlossen, teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft mit. Danach müssen immer zwei autorisierte Crewmitglieder im Cockpit eines Flugzeuges sein.

Die Spurensicherung und die Bergung der sterblichen Überreste der Opfer gehen weiter: Ein Helikopter der Gendarmerie überfliegt Seyne-les-Alpes in der Nähe der Absturzstelle. (28. März 2015)
Die Spurensicherung und die Bergung der sterblichen Überreste der Opfer gehen weiter: Ein Helikopter der Gendarmerie überfliegt Seyne-les-Alpes in der Nähe der Absturzstelle. (28. März 2015)
Jeff Pachoud, AFP
Hier wurde Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz behandelt: Schild vor dem Universitätsklinikum Düsseldorf. (27. März 2015)
Hier wurde Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz behandelt: Schild vor dem Universitätsklinikum Düsseldorf. (27. März 2015)
Patrik Stollarz, AFP
Germanwings und andere Airlines haben ihre Logos auf Twitter und Facebook als Reaktion auf das Unglück schwarz eingefärbt. (24. März 2015)
Germanwings und andere Airlines haben ihre Logos auf Twitter und Facebook als Reaktion auf das Unglück schwarz eingefärbt. (24. März 2015)
AFP
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Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) verfolgt das Geschehen nach eigenen Angaben aktiv mit. Das Amt behalte sich vor, Massnahmen anzuordnen, falls sich das als notwendig erweisen sollte, sagte Sprecher Anton Kohler. Gebe die europäische Flugsicherheitsbehörde (Easa) Weisungen aus, würden diese automatisch auch für die Schweiz gelten, sagte der Sprecher.

Ausländische Gesellschaften wie Air Berlin – Muttergesellschaft der schweizerischen Belair –, Easyjet, Air Baltic, Air Canada und Icelandair hatten bereits zuvor neue Regeln für die Besetzung des Cockpits angekündigt. Auch bei den britischen Fluggesellschaften Virgin Atlantic, Monarch und Thomas Cook muss sich künftig ein Mitglied der Kabinen-Besatzung im Cockpit aufhalten, wenn ein Piloten seinen Platz verlassen muss. British Airways wollte sich am Freitag noch nicht äussern.

Bei der tschechischen Czech Airlines gilt die Zwei-Personen-Regel bereits seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA. «Wenn einer der Piloten das Cockpit verlässt, muss ein Flugbegleiter auf einem Ersatzsitz Platz nehmen und auf dessen Rückkehr warten», sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft im tschechischen Radio.

«Flugbegleiter kann Katastrophe nicht verhindern»

Auch Australien überprüft die Regeln für die Cockpit-Besetzung. Die Regierung habe von den australischen Fluglinien Information zu ihren Abläufen im Cockpit angefordert, berichtete die Nachrichtenagentur AA. Australien wolle sicherstellen, das Fliegen auch weiterhin die sicherste Transportmethode bleibe, sagte Regierungschef Tony Abbot.

Skeptisch zur Zwei-Personen-Regel äusserte sich der ehemalige Sicherheitschef der polnischen Fluggesellschaft LOT, Jerzy Dziewulski. Flugbegleiter im Cockpit könnten während der Abwesenheit eines der Piloten eine Katastrophe nicht verhindern, sagte er im polnischen Nachrichtensender «TVN 24». «Der Pilot in der Kabine sagt: Setz dich, fass nichts an, du hast keine Ahnung. Ich bin derjenige, der die Maschine steuert.»

Ein Germanwings-Airbus A320 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. An Bord waren 150 Menschen. Nach Angaben der französischen Ermittler steuerte der Co-Pilot den Airbus offenbar absichtlich in die Katastrophe. Er war zum Zeitpunkt des Unglücks alleine im Cockpit.

SDA/thu

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