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So organisieren sich Firmen in Corona-Zeiten

Das Coronavirus stellt für manche Unternehmen in der Schweiz eine Herausforderung dar. Viele haben jedoch bereits Massnahmen ergriffen.

In der Schweiz bisher nur für Züge von und nach Italien ein Thema: Ein Arbeiter im Schutzanzug desinfiziert einen Bus in Israel. Foto: Mussa Qawasma, Reuters
In der Schweiz bisher nur für Züge von und nach Italien ein Thema: Ein Arbeiter im Schutzanzug desinfiziert einen Bus in Israel. Foto: Mussa Qawasma, Reuters

Überfüllte Züge, lange Schlangen in Postfilialen und Einkaufsläden und dichtes Gedränge in Restaurants: Besonders in Grossstädten gestaltet es sich zuweilen schwierig, sich nicht wie Sardinen in einer Sardinenbüchse zu fühlen. Doch verlangen besonders die jetzigen Zeiten, sich zu distanzieren. Die Zeit der Introvierten sei nun gekommen, witzelte ein Twitter-Nutzer. Der Bundesrat ergänzte am Mittwochabend nämlich die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) geführte Kampagne «So schützen wir uns» um die Empfehlung, einen «gewissen Abstand» zu anderen Leuten zu wahren, um besonders die Verletzlichsten – die Alten und Vorbelasteten – zu schützen.

Wer pendelt oder im Grossraumbüro arbeitet, weiss jedoch: Eine Umsetzung dieser Empfehlungen ist äusserst schwierig. Einige Unternehmen haben aber bereits konkrete Massnahmen umgesetzt. So etwa die Ems-Chemie um SVP-Politikerin Magdalena Martullo-Blocher. In der Cafeteria des Unternehmens dürfen nur noch zwei Personen pro Tisch sitzen, berichtete der «Blick». Die Essplätze an den Tischen sind rot markiert, um einen Abstand von 1,5 Metern zu gewährleisten.

Rote Linien markieren in der Cafeteria der Ems-Chemie die Essplätze. Foto: Screenshot
Rote Linien markieren in der Cafeteria der Ems-Chemie die Essplätze. Foto: Screenshot

Ähnliche Massnahmen hat auch der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli getroffen. Mitarbeiter am Hauptsitz in Kilchberg dürfen nur noch gestaffelt in die Mittagspause gehen und in der Cafeteria nur noch jeden zweiten Platz besetzen, bestätigte eine Sprecherin gegenüber «20 Minuten».

In den sozialen Netzwerken sorgte die Empfehlung des Bundesrats hingegen für reichlich Spott. «In Zeiten von #Covid_19 ein halbes Tram auf einer viel befahrenen Strecke einplanen. Kann man machen, liebe @zvv, aber so wird das schwierig mit dem Sicherheitsabstand», schreibt ein Twitter-Nutzer. Darauf gestand der Kanal des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) ein: «Auf stark frequentierten Linien ist/wird es mit dem Abstandhalten generell eine Herausforderung.» Auf Anfrage sagt eine Mediensprecherin der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), man gebe zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft zu geplanten Massnahmen bezüglich des Abstandhaltens.

SBB empfiehlt Homeoffice

Es zeigt sich, dass der öffentliche Verkehr in Sachen Pandemiebekämpfung zukünftig vor riesigen Herausforderungen stehen wird. Derzeit setzt sie hauptsächlich auf die Eigeninitiative der Pendler – und wartet auf weitere Weisungen. Der Lead liege beim BAG, erläutert SBB-Mediensprecher Oli Dischoe. «Sollte das BAG Empfehlungen abgeben oder Massnahmen anordnen, würden die SBB diese zeitnah umsetzen.»

Wie sollen Pendler sich denn nun verhalten? BAG-Mediensprecher Daniel Dauwalder rät: «Im öffentlichen Verkehr wie auch an allen anderen Orten, wo sich viele Menschen aufhalten und man nicht ausweichen kann, empfehlen wir unsere Hygienemassnahmen, in erster Linie das Händewaschen oder -desinfizieren.» Wer könne, solle den ÖV ausserhalb der Stosszeiten benutzen.

Unternehmensintern haben die SBB auch schon Massnahmen umgesetzt. So müssen Kundenbegleiterinnen und -begleiter den SwissPass der Passagiere bei der Kontrolle bis auf weiteres nicht mehr in die Hand nehmen. Ausserdem empfehle das Unternehmen ihren Mitarbeitern, wenn möglich im Homeoffice zu arbeiten, sagt Dischoe. Züge von und nach Italien werden von den SBB auf Geheiss der italienischen Behörden zudem täglich desinfiziert.

Banken teilen kritische Teams auf

Auch andere Unternehmen des öffentlichen Lebens sind nun mit der Corona-Problematik konfrontiert. Bei der UBS setzt man neuerdings auf sogenannte Split Operations. Für den Geschäftsbetrieb kritische Teams werden aufgeteilt, damit bei einer Infektion nicht gleich das gesamte Team ausfällt. In Geschäftsstellen im Pazifik-Raum würde diese Massnahme bereits umgesetzt, erklärt ein UBS-Mediensprecher auf Anfrage. In der Schweiz sei dies ebenfalls geplant.

Auch bei der Credit Suisse würde das Konzept der Split Operations bereits umgesetzt, sagt Mediensprecher Ronnie Y. Petermann. An ihren Standorten habe die Grossbank zudem die Sauberkeits- und Hygienevorschriften erhöht.

Reinigungsmassnahmen intensiviert

Auf Sicherheit und Hygiene achte man auch bei der Fast-Food-Kette McDonald’s, heisst es vonseiten der Schweizer Medienstelle. Man habe die Reinigungsmassnahmen nochmals intensiviert. «Für die Gäste haben wir neben den Bestellkiosken Dispenser aufgestellt, damit sie ihre Hände desinfizieren können. Via Kampagne des BAG kommunizieren wir zudem die Schutzmassnahmen auch gegenüber unseren Gästen in den Restaurants.» Da es sich bei McDonald’s um ein Schnellservicerestaurant handle, fielen die Begegnungen grundsätzlich eher kurz aus. «In den Restaurants kommt es aufgrund der neuen Bestellkioske zu keinen Schlangen», versichert die Medienstelle.

Die Migros erkennt laut eigenen Angaben ebenfalls den Ernst der Lage. Marcel Schlatter, Mediensprecher des Migros-Genossenschaftsbundes, bekräftigt: «Wir nehmen die Ausbreitung des Coronavirus sehr ernst und treffen im Migros-Krisenstab seit vier Wochen intensive Vorkehrungen für verschiedene Eventualitäten.» Über zu treffende Massnahmen spreche man jedoch erst, wenn diese tatsächlich auch umgesetzt werden müssten.

Genau wie die Migros betont auch Konkurrent Coop, sich an die offiziellen Empfehlungen der Behörden zu halten und die Mitarbeitenden zu informieren und zu instruieren. Angaben über konkrete Massnahmen zum Social Distancing macht jedoch auch Coop nicht.

Post hat Krisenstab aktiviert

Auch bei der Post ist das Virus ein Thema. Millionen Kundinnen und Kunden zählt das Staatsunternehmen jedes Jahr. Wer sich am Feierabend in eine Post-Filiale traut, weiss, wie eng es für eine längere Zeit werden kann. Post-Mediensprecher Oliver Flüeler meint dazu: «Wir können die Sorgen nachvollziehen und nehmen diese ernst.» Das Unternehmen habe deshalb das Pandemieboard und vorsorglich auch den Krisenstab aktiviert. Die Einhaltung der BAG-Vorgaben liege in der Eigenverantwortung der Mitarbeitenden, so Flüeler. Interne Veranstaltungen mit grösseren Personengruppen seien abgesagt worden. Die Post habe zudem in grossen Mengen Desinfektionsgel für ihre Angestellten bestellt. «Das ist insbesondere für Mitarbeitende wichtig, die für die Zustellung oder im Postauto unterwegs sind», erklärt Flüeler.

Aus der Befragung verschiedenster Unternehmen in der Schweiz zeigt sich: Sie nehmen die Lage zumindest laut eigenen Aussagen ernst und richten sich nach den Vorgaben des BAG. Ausserdem vertraut man stark auf die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden und der Kundschaft. Ob das ausreicht, um Sars-CoV-2 einzudämmen, wird sich zeigen. Wirtschaftlich hat das Virus jedoch bereits in vielen Branchen Schaden angerichtet.

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