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Schweizer Wirtschaft widmet sich am SEF globalen Umwälzungen

1350 Schweizer Wirtschaftsführer, Politiker und Wissenschaftler sind am Donnerstag in Interlaken beim Swiss Economic Forum (SEF) zusammengekommen. Leitthema ist «The Big Shift», womit vor allem die Verlagerung wirtschaftlicher Macht von West nach Ost gemeint war.

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Am 5. und 6. Juni findet das diesjährige Swiss Economic Forum in Interlaken statt. Das SEF-Thema lautet: der grosse Wandel.
Am 5. und 6. Juni findet das diesjährige Swiss Economic Forum in Interlaken statt. Das SEF-Thema lautet: der grosse Wandel.
Keystone
Von wegen Wandel: Für Carolina Müller-Möhl (Bildmitte) soll alles genauso weitergehen, wie bisher – zumindest geschäftlich: «Unser Geschäft läuft so toll. Ich will more of the same», sagt die  Gründerin und Präsidentin der Müller-Möhl-Gruppe. Im Privatleben wünscht sie sich eine Auszeit – oder ein Sabbatical, wie sie auf Neudeutsch sagt.Eine Auszeit nimmt auch Weltenbummler André Lüthi (links). Der CEO und Präsident des Reiseanbieters Globetrotter plant eine Reise rund um die Welt mit seinem 13-jährigen Sohn Levin.Regierungsrat Andreas Rickenbacher (SP) kündigt für die nächsten Jahre einen beruflichen Wechsel an, der ihn auch privat verändern werde. Von was genau er spricht– das behält der Berner Volkswirtschaftsdirektor  für sich.tob
Von wegen Wandel: Für Carolina Müller-Möhl (Bildmitte) soll alles genauso weitergehen, wie bisher – zumindest geschäftlich: «Unser Geschäft läuft so toll. Ich will more of the same», sagt die Gründerin und Präsidentin der Müller-Möhl-Gruppe. Im Privatleben wünscht sie sich eine Auszeit – oder ein Sabbatical, wie sie auf Neudeutsch sagt.Eine Auszeit nimmt auch Weltenbummler André Lüthi (links). Der CEO und Präsident des Reiseanbieters Globetrotter plant eine Reise rund um die Welt mit seinem 13-jährigen Sohn Levin.Regierungsrat Andreas Rickenbacher (SP) kündigt für die nächsten Jahre einen beruflichen Wechsel an, der ihn auch privat verändern werde. Von was genau er spricht– das behält der Berner Volkswirtschaftsdirektor für sich.tob
Markus Grunder
Staatssekretär Yves Rossier (links) zündet sich im Garten des Hotels Victoria-Jungfrau eine Zigarette an, während er betont: «Privates behalte ich für mich.» Um dann anzufügen: «Ich sage nur so viel: Bald höre ich mit Rauchen auf.» Im Wirtschaftsleben steht Yves Rossier dem SEF-Slogan «The Big Shift» skeptisch gegenüber: Wandel sei etwas, das sich über lange Zeiträume vollziehe. «Wenn man die Veränderung wahrnimmt, ist es oft für eine Reaktion zu spät.»SBB-Präsident Ulrich Gygi (rechts) betont, er sei dem Wandel  seit Jahren permanent ausgesetzt. Der nächste grössere Wandel steht bevor: «Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich meine Ämter nach und nach  abgebe und mich aus dem Berufsleben zurückziehe.»tob
Staatssekretär Yves Rossier (links) zündet sich im Garten des Hotels Victoria-Jungfrau eine Zigarette an, während er betont: «Privates behalte ich für mich.» Um dann anzufügen: «Ich sage nur so viel: Bald höre ich mit Rauchen auf.» Im Wirtschaftsleben steht Yves Rossier dem SEF-Slogan «The Big Shift» skeptisch gegenüber: Wandel sei etwas, das sich über lange Zeiträume vollziehe. «Wenn man die Veränderung wahrnimmt, ist es oft für eine Reaktion zu spät.»SBB-Präsident Ulrich Gygi (rechts) betont, er sei dem Wandel seit Jahren permanent ausgesetzt. Der nächste grössere Wandel steht bevor: «Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich meine Ämter nach und nach abgebe und mich aus dem Berufsleben zurückziehe.»tob
Markus Grunder
Er hat den grossen Wandel bereits hinter sich: Seit letztem September ist Heinz Karrer (rechts) Präsident des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse, zuvor war er Chef des Energiekonzerns Axpo. Eine weitere grosse Veränderung habe das Ja  des Stimmvolks zur Masseneinwanderungsinitiative am 9.Februar gebracht. «Dieses Ergebnis stellt die Schweiz vor eine grosse Herausforderung», sagt Karrer. Im Privatleben setze er nun lieber auf  Kontinuität.Auch Beat Zahnd (links) ist mit seinem Privatleben zufrieden und hat deshalb keinen Bedarf auf Wandel. Im Beruf sieht der Migros-Aare-Chef die  grösste Veränderung in der Digitalisierung. «In der Unterhaltungselektronik läuft bei der Migros bereits jeder dritte Verkauf über einen Onlinekanal.»sny/tob
Er hat den grossen Wandel bereits hinter sich: Seit letztem September ist Heinz Karrer (rechts) Präsident des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse, zuvor war er Chef des Energiekonzerns Axpo. Eine weitere grosse Veränderung habe das Ja des Stimmvolks zur Masseneinwanderungsinitiative am 9.Februar gebracht. «Dieses Ergebnis stellt die Schweiz vor eine grosse Herausforderung», sagt Karrer. Im Privatleben setze er nun lieber auf Kontinuität.Auch Beat Zahnd (links) ist mit seinem Privatleben zufrieden und hat deshalb keinen Bedarf auf Wandel. Im Beruf sieht der Migros-Aare-Chef die grösste Veränderung in der Digitalisierung. «In der Unterhaltungselektronik läuft bei der Migros bereits jeder dritte Verkauf über einen Onlinekanal.»sny/tob
Markus Grunder
Noch vor dem Wandel kommt bei Cablecom-Chef Eric Tveter (links) der Rückblick:  Er habe in den vergangenen Jahren ein Unternehmen mit aufgebaut, das rentiere, sagt Tveter mit einem zufriedenen Gesicht. Seine nächste Mission sei eine Herzensangelegenheit: «Ich will, dass Cablecom-Kunden zu Cablecom-Fans werden.» Ob ihm daneben noch Zeit für sein privates Ziel bleibt, wird sich zeigen: «Ich möchte das Thema Work-Life-Balance angehen», sagt er.Auch Thomas «Thömus» Binggeli (rechts) arbeitet daran, sein  Privatleben auszudehnen: «Ich will in Zukunft öfters Zeit mit meiner Familie verbringen», sagt der Mitinhaber der BMC Switzerland AG. Daneben will sich Binggeli im Job «wieder vermehrt auf das Velo konzentrieren», wie er sagt.tob
Noch vor dem Wandel kommt bei Cablecom-Chef Eric Tveter (links) der Rückblick: Er habe in den vergangenen Jahren ein Unternehmen mit aufgebaut, das rentiere, sagt Tveter mit einem zufriedenen Gesicht. Seine nächste Mission sei eine Herzensangelegenheit: «Ich will, dass Cablecom-Kunden zu Cablecom-Fans werden.» Ob ihm daneben noch Zeit für sein privates Ziel bleibt, wird sich zeigen: «Ich möchte das Thema Work-Life-Balance angehen», sagt er.Auch Thomas «Thömus» Binggeli (rechts) arbeitet daran, sein Privatleben auszudehnen: «Ich will in Zukunft öfters Zeit mit meiner Familie verbringen», sagt der Mitinhaber der BMC Switzerland AG. Daneben will sich Binggeli im Job «wieder vermehrt auf das Velo konzentrieren», wie er sagt.tob
Markus Grunder
Peter Stähli (links) und Stefan Linder, die Macher des Forums, während der Eröffnung des SEF am Donnerstagnachmittag.
Peter Stähli (links) und Stefan Linder, die Macher des Forums, während der Eröffnung des SEF am Donnerstagnachmittag.
Keystone
Bundespräsident Didier Burkhalter eröffnet offziell das Swiss Economic Forum 2014.
Bundespräsident Didier Burkhalter eröffnet offziell das Swiss Economic Forum 2014.
Keystone
Die reiche Russin:  Margarita Louis-Dreyfuss, Vorsitzerin der Louis Dreyfuss Group, sprach am Donnerstagnachmittag am SEF.
Die reiche Russin: Margarita Louis-Dreyfuss, Vorsitzerin der Louis Dreyfuss Group, sprach am Donnerstagnachmittag am SEF.
Markus Grunder
Sie war der Stargast am Donnerstag. Sie ist Chefin  eines der weltweit grössten Rohstoffhändler.
Sie war der Stargast am Donnerstag. Sie ist Chefin eines der weltweit grössten Rohstoffhändler.
Markus Grunder
Exklusiver Shutteldienst: In edlen Karossen kamen die Teilnehmer des Swiss Economic Forums am Donnerstagmittag beim Kongresssaal in Interlaken an.
Exklusiver Shutteldienst: In edlen Karossen kamen die Teilnehmer des Swiss Economic Forums am Donnerstagmittag beim Kongresssaal in Interlaken an.
Manuel Lopez
Mitinhaber und Verwaltungsratspräsident von Chocolats Camille Bloch, Daniel Bloch, sprach am Donnerstag ebenfalls am SEF in Interlaken.
Mitinhaber und Verwaltungsratspräsident von Chocolats Camille Bloch, Daniel Bloch, sprach am Donnerstag ebenfalls am SEF in Interlaken.
Urs Baumann
Der Berner Alain Chuard hat vor zwei Jahren seine Softwarefirma Wildfire Interactive für 350 Millionen Dollar an Google verkauft.
Der Berner Alain Chuard hat vor zwei Jahren seine Softwarefirma Wildfire Interactive für 350 Millionen Dollar an Google verkauft.
Markus Grunder
Für einen Überraschungsauftritt am SEF 2014 sorgte die Sudanesin Mende Nazer. Die heute 34-Jährige wurde als 12-Jährige bei einem  Überfall auf ihr Dorf verschleppt, vergewaltigt und als Sklavin verkauft.
Für einen Überraschungsauftritt am SEF 2014 sorgte die Sudanesin Mende Nazer. Die heute 34-Jährige wurde als 12-Jährige bei einem Überfall auf ihr Dorf verschleppt, vergewaltigt und als Sklavin verkauft.
zvg
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Bei der Eröffnungsrede von Bundespräsident Didier Burkhalter dominierten die Zukunft der Bilateralen Verträge mit der EU und die Ukraine-Krise. Am Freitag fliege er wieder in die Ukraine, sagte Burkhalter, der gegenwärtig auch Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ist.

Er forderte am SEF erneut die sofortige, bedingungslose Freilassung der in der Ostukraine gefangen gehaltenen und vermissten OSZE-Beobachter. Die Ukraine sei ein Beispiel dafür, wie schnell sich die Lage ändern könne, habe doch das Land noch 2012 zusammen mit Polen erfolgreich die Fussball-Europameisterschaft ausgetragen. Die OSZE wolle dem Land helfen, zur Stabilität zurückzukehren.

Die Schweiz bringe ihre Werte und Erfahrungen ein. Friedensförderung sei ein Auftrag der Schweizer Verfassung, hielt Burkhalter fest. Durch internationale Partnerschaften könne die Schweiz auch ihre Interessen verteidigen, denn die grossen Herausforderungen seien heute global.

Hartes Ringen mit EU

Auch die Beziehungen mit den Nachbarn müssten gepflegt werden. In letzter Zeit seien dort seien die nationalen Interessen stärker geworden: «Es wird knallhart sein in den nächsten Jahren», sagte Burkhalter vor dem Hintergrund der angenommenen Masseneinwanderungsinitiative.

Der Bundespräsident betonte dabei allerdings die Trümpfe der Schweiz: Die bilateralen Beziehungen seien für beide Seiten gut und unerlässlich. So seien 1,2 Millionen Menschen aus der EU in der Schweiz beschäftigt. Dies mache 10 Prozent der gesamten Personenfreizügigkeit der EU aus. Auch wirtschaftlich sei die Schweiz für die EU sehr bedeutend.

Das Schweizer Volk habe sich nicht gegen die bilateralen Verträge entschieden, sondern für eine stärkere Regulierung der Einwanderung. Dass die Personenfreizügigkeit für die EU absolut unverhandelbar ist, glaubt Burkhalter offenbar nicht: Man solle sich nicht von jedem Signal aus der Ruhe bringen lassen. «Am Ende des Spieles weiss man das Resultat, nicht am Anfang.»

Von Technologie und Regulierung gefordert

Obwohl die EU weiterhin der weitaus wichtigste Handelspartner der Schweiz ist, dominieren die bilateralen Verträge nicht die Sorgen der SEF-Teilnehmer. In einer Umfrage bezeichneten die Unternehmer den Technologiewandel und die Regulierungsdichte in der Schweiz als grösste Herausforderungen. Erst an dritter Stelle folgen die Abkommen mit der EU, knapp dahinter Chancen und Gefahren in Asien.

An dem bedeutendsten Forum der Schweizer Wirtschaft finden noch bis Freitagabend Vorträge, Podiumsgespräche und Workshops statt zu erwarteten Umwälzungen und wie sich die Schweizer Wirtschaft darauf einstellen kann. Dazu zählen neben der Verlagerung in Schwellenländer die Alterung der Bevölkerung, die Urbanisierung, die Feminisierung der Wirtschaft und Gesundheitsfragen.

Ein grosser Teil der Zeit am SEF nutzen die Teilnehmer für den persönlichen Austausch. Zudem wird ein Jungunternehmerpreis vergeben, und als Höhepunkt wird am Freitag der ehemalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy referieren.

(SDA)

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