Schweizer Chefs sind Lohn-Europameister

Die Manager von Roche und UBS gehören unter den Topmanagern zu den Spitzenverdienern.

UBS-Chef Sergio Ermotti erhält im europäischen Vergleich den dritthöchsten Managerlohn.

UBS-Chef Sergio Ermotti erhält im europäischen Vergleich den dritthöchsten Managerlohn.

(Bild: Keystone)

Jon Mettler@jonmettler

Die Diskussion um Managerlöhne ist europaweit ein Dauerbrenner. Eine aktuelle Studie von Willis Towers Watson hilft, sich ein Bild über die neusten Entwicklungen auch in der Schweiz zu machen. Das Beratungsunternehmen hat die Ergebnisse heute in Zürich vorgestellt.

Im vergangenen Jahr verdienten die Chefs der 100 grössten Unternehmen Europas im Median mit 5,7 Millionen Euro rund 5 Prozent mehr als 2016. Median bedeutet: Die Hälfte der Topmanager erhielt mehr, die andere Hälfte weniger.

Schweizer Konzernchefs erhielten im europäischen Vergleich mit 7,76 Millionen Euro die höchsten Basissaläre und Boni. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Wert gesunken. Änderungen der Zusammensetzung der grössten europäischen Unternehmen und/oder Wechsel an der Spitze unter dem Jahr können zu Abweichungen im Jahresvergleich führen.

Unter den grössten Firmen in Europa hatten in der Berichtsperiode zehn ihren Sitz in der Schweiz. Zwei von ihnen gehörten gemäss Marktkapitalisierung zu den Top 5. Es waren dies Nestlé und Novartis.

Anders sieht es aus, wenn die 29 Unternehmen des Swiss Leader Index’ an der Schweizer Börse berücksichtigt werden. Hier liegt das Lohnmittel der Konzernchefs mit 4,4 Millionen Euro unterhalb des europäischen Niveaus.

Ausbezahlte Boni steigen

«Während sowohl die Grundgehälter als auch die Höhen der gewährten langfristig variablen Vergütungen der Chefs der europäischen Topunternehmen stabil blieben, sind die ausbezahlten Boni für das Jahr 2017 angestiegen und holen damit gegenüber dem Vorjahr wieder auf», sagt Olaf Lang, Managing Director bei Willis Towers Watson.

Den höchsten Lohn und Bonus in Europa erreichte mit 12,88 Millionen Euro Severin Schwan, der Chef des Basler Pharmaunternehmens Roche. Es folgen Carlos Brito und Sergio Ermotti, die Spitzenmanager des belgischen Bierbrauers AB Inbev respektive der Schweizer Grossbank UBS. Brito verdiente 12,82 Millionen Euro, Ermotti 12,52 Millionen.

Der Anteil der fixen Löhne ist unter den Schweizer Chefs mit einem Viertel am niedrigsten. «Die höchsten Gesamtdirektvergütungen korrelieren mit den niedrigsten Grundgehältern wie in der Schweiz und Grossbritannien. Hier haben Topmanager weniger Garantie, aber durch die hohen variablen Anteile auch grössere Chancen auf ein Spitzengehalt», sagt Lang.

Die Vergütungen bestehen in der Regel zu mindestens zwei Dritteln aus variablen Bestandteilen und einem Drittel Grundlohn. In vielen europäischen Unternehmen wie auch in der Schweiz werden Teile der Bonuszahlungen erst aufgeschoben ausbezahlt, um gute Mitarbeiter durch lang anhaltende Leistungsanreize an sich zu binden. Der Anteil dieser Long-Term-Incentive-Pläne ist nach wie vor unter den britischen Chefs am höchsten. Dagegen wird in Skandinavien deutlich mehr Gewicht auf die feste Vergütung gelegt.

Neue Richtlinie der EU

EU-weit bringt die bis Juni 2019 umzusetzende Aktionärsrechte-Richtlinie frischen Wind in das Thema Offenlegung und Abstimmung der Aktionäre rund um die Managerlöhne. «Wir empfehlen Schweizer Unternehmen, sich mit den Anforderungen der Richtlinie auseinanderzusetzen und die jetzige Praxis zu überprüfen», sagt Lang. Er erwarte, dass die neuen Vorgaben auch für die Schweiz einen Einfluss auf Offenlegung und Abstimmung der Chefsaläre haben werde.

In der Studie wurden neben den Cheflöhnen und Boni auch die Einbindung der Aktionäre zu Vergütungsfragen und der Einfluss von Abstimmungsberatern, sogenannten Proxy Advisors, untersucht. Während Aktionäre in anderen Ländern bindende Voten zur Vergütungspolitik oder gar zur auszuzahlenden Vergütung abgeben, wird in der Schweiz jährlich über die Gesamtvergütung der Geschäftsleitung abgestimmt. Voten zum Vergütungsbericht sind lediglich freiwillig durchzuführen und nicht bindend.

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langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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