Zum Hauptinhalt springen

SBB reduzieren Kontrollen

Weil Personal fehlt, werden in Intercity-Zügen weniger Billette kontrolliert. Davon könnten die Schwarzfahrer profitieren.

Weniger Personal in den Intercity-Zügen: Ein Zugbegleiter kontrolliert das Ticket. (Keystone/Gaëtan Bally/Symbolbild)
Weniger Personal in den Intercity-Zügen: Ein Zugbegleiter kontrolliert das Ticket. (Keystone/Gaëtan Bally/Symbolbild)

Wer mit Interregio- oder Intercity-Zügen der SBB unterwegs ist, muss dieses Jahr weniger häufig sein Billett vorzeigen, berichtet 20 Minuten. Weil es bei den Kundenbegleitern an Personal mangelt, werden noch bis mindestens bis Ende Jahr «Leistungen im operativen Tagesgeschäft reduziert», wie es die SBB-Konzernleitung in einer Mitteilung ans Personal ausdrückt. Das habe eine «tiefere Kundenpräsenz und weniger Fahrausweiskontrollen» zur Folge.

SBB-Sprecher Martin Meier sagt, zurzeit fehlten schweizweit etwa 60 Kundenbegleiter. Das fehlende Personal werde mit Massnahmen wie Überzeit kompensiert. Der Personalbestand bei den Kundenbegleitern werde laufend erhöht, allein dieses Jahr bilde die SBB 350 neue Mitarbeiter in diesem Bereich aus. «Im Verlauf des Jahres sollte sich der Personalbestand wieder im geplanten und benötigten Rahmen bewegen», so Meier.

Kritik an der Personalpolitik

Es seien viele Massnahmen zur Verbesserung der Situation eingeleitet worden. «Sie zeigen ihre Wirkung aber nicht von heute auf morgen. Umso wichtiger ist es, die Personalbestände insbesondere in der Kundenbegleitung rasch zu erhöhen.»

Jürg Hurni von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV sagt, der Unterbestand sei in den letzten Jahren entstanden. «Die SBB haben es versäumt, genügend Personal einzustellen.» Die Durststrecke für das Personal werde noch mindestens dieses Jahr andauern, vielleicht auch noch länger. «Das heisst auch, dass Kundenbegleiter aufgefordert werden, an freien Tagen zu arbeiten.» Zudem seien sie nun häufiger allein in Zügen unterwegs.

Profitieren die Schwarzfahrer?

Davon könnten Schwarzfahrer profitieren. «Wenn die aktuelle Situation mit dem Unterbestand und der tieferen Präsenz länger andauert, müssen wir mit negativen Auswirkungen auf die Schwarzfahrerquote rechnen», sagt Hurni. Je häufiger kontrolliert wird, desto weniger Passagiere sind ohne Billett unterwegs und umgekehrt.

Karin Blättler, Präsidentin von Pro Bahn, sieht es ähnlich. «Die tiefere Präsenz hat nicht nur Einfluss auf die Schwarzfahrerquote, sondern auch auf die Sicherheit der Passagiere und insbesondere auf die Kunden», sagt sie. Schliesslich fehle jemand, den man ansprechen könne.

Konzept soll offenbar nie zur Anwendung gekommen sein

Die SBB hingegen wiegeln ab. Billettkontrollen fänden nach wie vor statt, sagt Sprecher Meier. Teilweise seien die Kundenbegleiter auf schwach frequentierten Strecken nun aber allein unterwegs. Ob die tiefere Präsenz Einfluss auf die Zahl der Schwarzfahrer hat, sagt die SBB nicht. «Wir kommunizieren keine Details zu Billettkontrollen», so Meier.

Dass es vor allem auf Fernverkehrszügen weniger Personal gibt, hat zwei Gründe. Einerseits haben die SBB bereits 2018 beschlossen, dass auf Fernverkehrszügen nicht mehr generell zwei Kundenbegleiter unterwegs sein sollen, sondern dass auch Züge mit nur einem Mitarbeiter der Kundenbegleitung denkbar sind. Im Gegenzug sollten grössere Teams auf einzelnen Abschnitten Schwerpunktkontrollen durchführen. Jürg Hurni von der Gewerkschaft SEV sagt, dieses Konzept sei gar nie zur Anwendung gekommen.

Problem mit den Personalressourcen

Denn gleichzeitig fusionierte die SBB die Teams aus dem Regional- und dem Fernverkehr. Im Regionalverkehr haben die SBB aber wenig Spielraum. Der Umfang der Kontrollen ist in Verträgen mit Kantonen oder Verkehrsverbünden, die bei der SBB Leistungen bestellen und bezahlen, vertraglich festgehalten. «Diese Leistungen müssen erbracht werden», sagt Hurni. «Als Konsequenz daraus gibt es weniger Präsenz und weniger Kontrollen im Fernverkehr.» Hurni fordert Verbesserungen: «Das darf man von den SBB erwarten.» Der SEV fordere darüber hinaus weiterhin die Wiedereinführung der Doppelbegleitung im Fernverkehr.

Blättler sagt, es sei bekannt, dass die SBB ein Problem mit den Personalressourcen haben. «Das ist offensichtlich, wenn man regelmässig mit den SBB unterwegs ist.» Die Versäumnisse der letzten Jahre liessen sich aber nicht von heute auf morgen lösen. «Diverse Massnahmen müssen in Angriff genommen werden und werden erst allmählich greifen», so Blättler. Den Verantwortlichen müsse nun die Möglichkeit gegeben werden, die Probleme «systematisch und prioritär» zu beheben, fordert Blättler. «Bis dahin werden wir mit der aktuellen Situation leben müssen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch